Der Siegerentwurf des Architekturbüro Sichau & Walter Architekten GmbH und Leo Zogmayer. (Quelle: Erzbistum Berlin/Walter Wetzler)
Video: Abendschau | 01.11.2016 | Heike Bettermann

Bischof Heiner Koch hat entschieden - Die Hedwigs-Kathedrale wird komplett umgebaut

Erst ging es nur um Sanierung, dann wurde ein Architektenwettbewerb ausgerufen, nun hat Bischof Koch entschieden: Die St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin-Mitte wird komplett umgebaut. Das Loch im Boden verschwindet, der Altar wird versetzt. Eine umstrittene Entscheidung.

Der katholische Erzbischof Heiner Koch hat sich für einen Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale entschieden. Das gab er am Dienstagmittag im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt. Danach wird das Architekturbüro "Sichau & Walter" aus Fulda mit dem Künstler Leo Zogmayer den Innenraum der Bischofskirche nach einem Entwurf gestalten, der im Sommer 2014 als Sieger aus dem Architekturwettbewerb hervorgegangen war. "Er greift auf, dass wir eine runde Liturgie, einen runden Kirchenraum in einer runden Kirche brauchen. Und in der Mitte des Runden steht der Altar, um den sich die Gemeinde versammelt."

Nach diesem Entwurf soll der Altar der Hedwigs-Kathedrale in die Mitte gerückt und die Bodenöffnung mit Treppe zur Unterkirche geschlossen werden. Diese tiefgreifende Umgestaltung war lange umstritten.

Der Innenraum der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin (Quelle: imago)
Der Innenraum der St. Hedwigs-Kathedrale im aktuellen Zustand.

Man muss den Altar umschreiten können

Bischof Koch hatte daher die wichtigen Gremien des Erzbistums nach ihrer Meinung gefragt. Fast alle haben sich für den Umbau der Hedwigskathedrale ausgesprochen – zum Teil deutlich, manche sogar einstimmig. Koch hatte sich danach Bedenkzeit für seine endgültige Entscheidung genommmen und sie schließlich am Dienstag verkündet.

Die Gegner des Umbaus, die "Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale", kritisieren Kochs Entscheidung heftig. Sie wollen den aktuellen, denkmalgeschützten Entwurf des Architekten Hans Schwippert erhalten. Die denkmalgeschützte Nachkriegsfassung des Innenraums sei ein einzigartiges Zeugnis deutsch-deutscher Geschichte in der Epoche der Spaltung und des Kalten Krieges, argumentierten sie in einem offenen Brief an den Erzbischof.

Die Bodenöffnung teile die Gottesdienstgemeinde in zwei Teile und halte sie auf Distanz zu den Priestern, argumentieren dagegen die Befürworter. Die aktuelle Gestaltung entspreche außerdem nicht den liturgischen Anforderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, so begründet Koch die Entscheidung für einen Umbau. Danach müsse man zum Beispiel den Altar umschreiten können.

Kosten in Höhe von 60 Millionen Euro

Kritiker der Umgestaltungs-Pläne monieren auch die damit verbundenen hohen Kosten. 43 Millionen Euro sollen Sanierung und Umbau der Hedwigs-Kathedrale kosten. Weitere 17 Millionen die Sanierung und Umgestaltung des sanierungsbedürftigen Bernhard-Lichtenberg-Hauses - traditionell Sitz des Berliner Erzbischofs. Insgesamt geht es also um 60 Millionen Euro, wovon ein Drittel das Erzbistum übernehmen will. Der Rest soll von der Kirche, von Bund und Land sowie von privaten Spendern kommen.

Die St.-Hedwigskathedrale liegt in Berlin-Mitte, etwas versteckt hinter der Staatsoper zu Berlin. Die charakteristische Bodenöffnung im Hauptschiff entstand beim Wiederaufbau der Kathedrale nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Düsseldorfer Architekten Hans Schwippert (1899-1973) und symbolisiert die enge Verbindung der Gottesdienstgemeinde mit ihren verstorbenen Bischöfen und Hitler-Gegnern wie dem selig gesprochenen Dompropst Bernhard Lichtenberg (1875-1943).

Die Idee einer Umgestaltung geht auf Kochs Vorgänger, Rainer Maria Kardinal Woelki, zurück.  Er schlug vor, statt der dringend nötigen Sanierung gleich einen Umbau der Kathedrale vorzunehmen. Daraufhin hatte er einen Architektenwettbewerb ausgerufen, als dessen Sieger der Entwurf von Sichau & Walter hervorgegangen war.

St. Hedwig ist Berlins älteste katholische Kirche. Sie wurde am 1. November 1773 geweiht. Der Bau war die erste katholische Kirche Berlins seit der Reformation - sie wurde nach dem Vorbild des Pantheons in Rom gestaltet. 

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