Gregor Gysi (Linke) bei einer Vernissage mit Aktfotos in seinem Wahlkreisbüro (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Video: Abendschau | 18.04.2017 | Christian Titze

Ausstellung im Wahlkreisbüro - Gysi zeigt nackte Haut

Das Rathaus Köpenick scheint keine gute Adresse zu sein, um für die Freiheit der Kunst zu kämpfen. Eigentlich wollte die Gesellschaft für Fotografie dort ihre alljährliche Schau zeigen, doch es gab Streit um ein paar Aktbilder. Gregor Gysi hat da weniger Berührungsängste.

Gregor Gysi (Linke) hat Aktfotos, die an anderer Stelle nicht erwünscht waren, einen Platz in seinem Wahlkreisbüro eingeräumt. Anlässlich der Ausstellungseröffnung am Dienstag sprach der 69-Jährige von einem "Gebot für die Freiheit der Kunst". In den Räumen des Rathauses von Berlin-Köpenick hatten die Bilder zuvor für einen Streit gesorgt.

"Man hat die herrschende Kultur zu akzeptieren"

Die Bezirksverwaltung hatte die Nacktaufnahmen von anderen Bildern trennen wollen, um Besucher des Rathauses, darunter auch solche muslimischen Glaubens, nicht zu belästigen. Das Argument sei inakzeptabel, sagte Gysi bei der Eröffnung: "Erstens ist der Besuch einer Ausstellung freiwillig, und zweitens hat man in einem anderen Land die dort herrschende Kunst und Kultur zu respektieren und darf und soll sie um eigene kulturelle Vorstellungen erweitern, bereichern, aber niemals einschränken."

Bis Ende Juni werden im Wahlkreisbüro des linken Urgesteins nun 36 Fotos, davon vier Akte, gezeigt. Aus Platzgründen musste eine Auswahl aus den ursprünglich rund 400 Bildern der "Gesellschaft für Fotografie" getroffen werden.

Rathaus Köpenick hatte schon 2016 Bilder abgehängt

Eigentlich sollte die Schau im Rahmen der jährlichen Ausstellung "Foto Klub Forum Berlin" im Rathaus Köpenick gezeigt werden. Nach dem Streit um die vereinzelten Aktbilder hatten die Fotografen die gesamte Schau jedoch abgesagt und die Bezirksstadträtin von Treptow-Köpenick, Cornelia Flader, stark kritisiert. "Die Aneinanderreihung von Aktfotos mit Gewaltdarstellungen und Schockwerbungen im Zusammenhang mit Ausstellungen der Gesellschaft für Fotografie ist nicht nur fern der Realität, sondern skandalös", schrieb die Gesellschaft für Fotografie in einer Pressemitteilung im Februar.

Bereits 2016 hatte es Streit um zwei Aktfotos in dem Rathaus gegeben, die während der Ausstellung abgehängt worden waren. Damals hieß es, Mitarbeiter und Besucher hätten sich beschwert.

Sendung: Abendschau, 18.04.2017, 19:30 Uhr

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Hier mal etwas mehr Hintergrundinformationen:
    Diese ganze Aktion vom BA Köpenick, auch das Abhängen der zwei Fotos im letzten Jahr, fand wegen einer Beschwerde einer einzelnen Mitarbeiterin aus dem BA statt. Von der Ausstellung 2016 sind keine Beschwerden von Kunden des Bezirksamtes, auch nicht von solchen mit Migrationshintergrund, bekannt.

    In diesem Jahr wollte das BA eine "Kommission" bilden, um die Ausstellung zu "bewerten" und "... Aktfotos, Gewaltdarstellungen und Schockwerbung ..." (Zitat der Presseerklärung vom 17.02.17 vom BA TK) abhängen zu lassen. DAS IST ZENSUR !!!
    Genau gegen diese Zensurvorgaben die schriftlich vorgelegt wurden, hat sich die Gesellschaft für Fotografie e.V. (GfF), als Veranstalter, verwahrt und die Ausstellung abgesagt.

  2. 13.

    Erstaunlich, wie nonchalant ein Linker an Rassismus anschließt, in der gleichen Weise wie das Rathaus selbst:

    Erstens, es gibt kein "Volk". Es ist ein Gruppenkonstrukt, das es so nicht gibt. Diese Homogenisierung zeigt, dass auch Gysi etwas von Rechtspopulismus versteht.

    Zweitens gilt dasselbe für "Kultur", inkl. unser Kultur oder schlimmer noch der "Leitkultur" - es ist eine Konstruktion, die die die eigene Vielschichtigkeit ausblendet. Die lokalen kulturellen Vorstellungen als Voraussetzung für die Staatsbürgerschaft akzeptieren zu sollen, ist absurd und CSU-"Niveau".

    Drittens gibt es "DIE" Moslems nicht - abermals eine die Indivdualität in Frage stellende Pauschalisierung.

    Es haben sich schon ganz Andere an Darstellungen, Kunstwerken etc. von Nackten gestört, von moralisierenden Christen zu sonstwem. Um zu solch einer Ausstellung nicht gehen zu wollen, muss man kein Moslem sein. Und wenn man sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt sieht, muss man eben draußen heulen.

  3. 12.

    Und aus welchem Grund? Was ist denn das Problem mit Aktbildern? Was hat das mit der Bekleidung der Sachbearbeiter zu tun? Was macht Bilder von Obstkörben oder Autos besser als Aktbilder? Wir sind doch alle erwachsen, oder nicht? Bienen und Blumen? Aber es zeigt sich mal wieder erwachsen =/= reif. Wenn Kinder das Rathaus führen würden, hätte das bestimmt nicht so ein Drama gegeben.

    Da kann man echt nur den Kopf schütteln.

  4. 11.

    Also ich bin kein Muslim, finde aber, daß Aktphotos in kein Amtsgebäude gehören. Die dortigen Sachbearbeiter sitzen schließlich auch in angemessener Kleidung hinterm Schreibtisch, denke ich mal.

  5. 10.

    Ich kann Herrn Gysi nur beipflichten. Es gehört zu unserer Kultur und wieso müssen wir uns das alles gefallen lassen. Richtig wenn ich in Saudi-Arabien lebe würde muß ich mich dort anpassen nicht umgekehrt. Und ich werde nicht gezwungen mir diese Bilder anzuschauen. Sie müssen mir auch nicht gefallen. Aber wo kommen wir hin wenn wir unsere Kultur verstecken müssen. Traurig

  6. 9.

    Ich hätte auch 5*e schreiben können. Finde es richtig und wichtig, authentisch, das er diese Bilder zeigt. Wenn Bilder abgehängt werden wird es immer bedenklich. Es gab doch sicher vorher Auswahl, die der Ausstellung der Bildern zugestimmt hat. Schlechter Stil von dem BA. Provinziell.

  7. 8.

    Es ist richtig, er hat damit auch wieder ein Zeichen gesetzt; wie immer. Bei mir 5* für sein Angagement, in der Sache.

  8. 7.

    Das wird ja immer verrückter.
    Wo soll das enden ?
    Noch haben auch wir, ein Anrecht auf unsere Kultur.
    Da hat Herr Gysi vollkommen recht.
    Mir gefällt so manches an der moslemischen Kultur auch nicht .
    Da werde ich auch nicht gefragt ob mir etwas missfällt.
    Und ich bin hier geboren.
    Also das ist falsche Rücksichtnahme.

  9. 6.

    Ich hätte es nicht besser formulieren können.
    Die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst sind hohe Güter unserer Demokratie.
    Nichts und Niemand darf diese Beschränken.
    Das ist Zensur.

  10. 5.

    Das sehe ich wirklich komplett anders. Es ist überhaupt nicht die Intention dieser Werke, dass irgendwelche Religionen beleidigt werden sollen. Falls sich nun irgendwelche Menschen (ob Moslem oder was auch immer, völlig irrelevant) dadurch beleidigt oder angegriffen fühlen, ist das deren persönliches Wahrnehmungsproblem.
    Wo kommen wir denn da auch hin? Ich kann mich persönlich angegriffen fühlen, weil mir die Farben der Ampel nicht gefallen. Werden nun aus Rücksichtnahme alle Ampeln geändert? So ein Unfug!

    Dieses Runtermachen von Dingen, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, finde ich völlig daneben. Menschen sind unterschiedlich. Das müssen auch Minderheiten, welche sich mittlerweile fast aus Gewohnheit durch alles mögliche diskriminiert fühlen, lernen.

    Emotionen sind persönliches Eigentum. Sich beleidigt zu fühlen, ist eine Entscheidung, die man selbst getroffen hat - wer das nicht im Griff hat, kann, wie Gregor Gysi absolut korrekt sagte, einfach zu Hause bleiben.

  11. 4.

    üähhh bei der überschrift bin ich nu für wochen traumatisiert *rofl*

  12. 3.

    Also ich habs ja nun überhaupt nicht mit der Partei " die Linke"
    Aber wie sich Herr Gysi hier artikuliert hat, verdient Respekt.

  13. 2.

    Nur weil eine bestimmte Form der Kunst hier "herrscht", ist das noch kein Freibrief religiöse Gefühle zu missachten. Im Zweifel finde ich es richtig, lieber zu vorsichtig zu sein, wenn es um Rücksicht für eine diskriminierte religiöse Minderheit geht.

    Aber mal abgesehen, was der Herr Gysi da sagt, das "akzeptieren" aus der ersten Teilüberschrift klingt doch wesentlich harscher als das "respektieren" im darauffolgenden Text. Für mich jedenfalls ist die Überschrift nicht nachvollziehbar, aber vielleicht auch nur ein Tippfehler.

  14. 1.

    Da hat der "Gregor" vollkommen recht.
    Traurig, wenn Leute sich aus falscher Toleranz beugen.

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