Bénédicte Savoy vom Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik an der Technischen Universität Berlin (Quelle: Archivbild dpa vom 01.03.2016/Soeren Stache)
Audio: Kulturradio | 11.08.2017 | Bénédicte Savoy im Gespräch mit Frank Schmid

Humboldt-Forum - Savoy will koloniale Exponate wie Eier kennzeichnen

Im Streit um die Sammlungen des Humboldt-Forums legt Kunsthistorikerin Savoy nach: Man könne die Herkunft der Exponate mit Hilfe eines digitalen Codes offenlegen, schlägt sie im rbb vor. Savoy vermutet viel Koloniales in der Sammlung - das will sie sichtbar machen.

Der Streit um die ethnologischen Sammlungen des Humboldt-Forums schwelt schon länger; nun hat die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy angeregt, alle bereits bekannten Informationen zur Herkunft der einzelnen Stücke zu veröffentlichen.

"Irgendwas muss man erfinden"

Im Humboldtforum könne "testmäßig" probiert werden, die Herkunft der Objekte sichtbar zu machen, sagte Savoy am Freitag im rbb. Zwar könne man nicht neben jedes Exponat eine große Tafel stellen, denkbar seien aber digitale Lösungen. Savoy führte als Beispiel die Codes auf Lebensmitteln an: "Eier sind ja nicht sehr groß, und auf dem Ei drauf kann man trotzdem innerhalb von wenigen Zahlen erkennen, woher es kommt und wann es gekommen ist. Irgendwas muss man erfinden, um das einfach abrufbar zu machen."   

Bei vielen Exponaten sei die Herkunft bereits gut erforscht, meint Savoy. Da könne man die Provenienz problemlos sichtbar machen: "Ich würde denken, dass das sinnvoll wäre. Die Museen hätten auch sehr viel davon - und die Besucher erst recht - wenn man das, was bekannt ist, erstmal erzählen würde. Und zwar im Museum selbst, nicht in getrennten Büchern."

Savoy, die seit 2009 Professorin für Kunstgeschichte an der Technischen Universität Berlin ist, war erst Mitte Juli aus dem Beirat des Humboldt-Forums ausgetreten, unter anderem aus Unzufriedenheit über den Umgang mit dem Beirat. So habe dieser im Jahr 2015 nur zweimal getagt. Außerdem wirft Savoy der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor, die Herkunft ihrer Sammlungen nicht ausreichend offenzulegen. Die außereuropäischen Sammlungen sind zum großen Teil während der deutschen Kolonialzeit entstanden. Sie enthalten viele Exponate aus ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika.  

Kritiker sind der Auffassung, dass die Aneignung damals widerrechtlich erfolgte und dass das Recht an den Ausstellungsstücken bei den Herkunftsländern liegt.  

Gründungsdirektoren weisen Kritik von Savoy zurück

Die drei Gründungsintendanten des Humboldt-Forums, Neil MacGregor, Hermann Parzinger (Preußischer Kulturbesitz) und Horst Bredekamp (Humboldt-Universität) hatte die Kritik Savoys zurückgewiesen: "Es ist schon lange klar, dass im Humboldt-Forum zu jedem Exponat Grundinformationen zur Herkunft und Sammlungsgeschichte sichtbar sein werden" - hieß es Mitte Juli in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Parzinger räumte allerdings später ein, dass mehr Aufklärung über die Herkunft der Exponate wünschenwert sei: Für die Zukunft bleibe da noch viel zu tun, sagte er. Teilweise seien Museen damit aber auch schlicht überfordert: "Man kann von den Museen nicht immer erwarten, sie sollen alles aus dem bestehenden Etat und dem bestehenden Personalstamm leisten. Das ist schlicht nicht möglich", sagte Parzinger dem rbb-Inforadio. "Wir tun das [die Herkunft bezeichnen] auf einem gewissen Niveau. Aber wenn man dann weiter in die Tiefe geht, muss man Projekte definieren und sich dann um Drittmittelunterstützung kümmern." Das werde gemacht.

Zu dem neuen Vorschlag Savoys haben sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Humbold-Forum noch nicht geäußert.

Provenienzforschung: Gerade in Deutschland von großer Bedeutung

Einen wichtigen Impuls erhielt die deutsche Provenienzforschung im Jahr 1998. In der "Washingtoner Erklärung" verpflichtete sich Deutschland gemeinsam mit 43 anderen Staaten, Kunstwerke ausfindig zu machen, die während der Nazi-Zeit beschlagnahmt worden sind. Aber auch die Herkunft von Kunstwerken aus früheren Epochen ist ein wichtiger Gegenstand der Provenienzforschung.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Ein absurder Vorschlag: was ist denn "Deutsches ... (bezogen auf die Grenzen von 1990)"? Bereits die Wikinger haben angefangen, Kunst als Beutestücke zu verschleppen. So findet man in "deutschem Boden" eben auch Kunstschätze, die anderswo hergestellt wurden. Insofern ist es für den Besucher in erster Linie wichtig wissen, woher die Dinge stammen und zwar ursprünglich, sowie von ihren Fundorten oder aber von ihren späteren Besitzern. Daher die Forderung, die "Provinienz" also die mitunter vielfältige "Herkunft" der Objekte klar sichtbar zu machen. Denn diese verzwickten Geschichten erzählen ja oft viel mehr als eine einfache Betrachtung des Dargestellten.

  2. 1.

    Die Frau hat Recht: In deutschen Museen sollte nur Deutsches gezeigt werden (bezogen auf die Grenzen von 1990). In französischen Museen nur Französisches usw. Im übrigen ist die westliche Welt an allem Elend auf dem Globus schuld. Und zwar ganz allein. Umfassende Reparationen für die nächsten zwei- bis dreihundert Jahre sollten daher eine Selbstverständlichkeit sein. Wie wäre es, als erstes ein paar Aktivisten und vielleicht auch die eine oder andere Kunsthistorikerin hinzuschicken, die dann schon mal mit dem (natürlich unentgeltlichen) Abarbeiten unserer Erbsünde beginnen könnten?

    Der Dame wird ja schließlich nicht nur daran gelegen sein, in die Medien zu kommen und noch ein paar Dutzend Stellen für Kolleginnen schaffen zu lassen, die sich dann für Staatsknete bis zur Pensionierung mit "Provenienzforschung" befassen.

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