Die Brüder Ron und Russell Mael gründeten die Sparks
Audio: Inforadio | 13.09.2017 | Magdalena Bienert

Konzertkritik | Sparks im Columbia Theater - Die "Pioniere des Pop" beeindrucken auf ganzer Linie

"When Do I Get to Sing 'My Way'?" - Jeder Musikfan, der die 90er Jahre durchlebt hat, kann diese Frage nicht lesen, ohne dass ihm diese ganz spezielle Melodie in den Kopf schießt. Am Dienstag konnten Berliner die kalifornischen Pop-Pioniere Sparks live erleben. Von Magdalena Bienert

 

Neun Jahre hat es gebraucht, bis zu dem eben erschienenen 22. Studioalbum "Hippopotamus", also Flusspferd. Aber wer kann es den Sparks verübeln. Die zwei Brüder aus Kalifornien sind inzwischen 68 und 72 Jahre alt. Die meisten Fans höchstens 10 bis 15 Jahre jünger, überwiegend Männer.

Im lila Nebel kommen erstmal vier junge, hübsche Typen auf die Bühne und schnappen sich Gitarren, Bass und Schlagzeug. Sie tragen die gleichen schwarzen Pullover mit weißen Streifen. Ron und Russel Mael kommen kurz darauf im farblich umgedrehten Muster. Schwarze Streifen auf weißem Pulli bzw. Jackett nebst gestreifter Krawatte - und legen los. Moment, wie alt sind die Beiden?

Sparks-Fans fremdeln keine Sekunde

Die Fans fremdeln nach all der Zeit keine Sekunde, doch das erste scheue "Hello" von der Bühne kommt erst nach 15 Minuten, gefolgt vom 90er Hit "When Do I Get to Sing 'My Way'".

Sänger Russel Mael ist ein theatralischer Geschichtenerzähler, während sein Bruder Ron stoisch und absolut stilsicher in seinem Streifenlook und mit dem hauchdünnen Oberlippenbart am Keyboard sitzt und keine Miene verzieht. Dabei haben die Texte durchaus Schmunzelpotenial. Im Titelsong zum neuen Album fragt der Sänger, wie ein Flusspferd - und andere verrückte Dinge - in seinen Pool gekommen sind und wie er sie wieder herausbekommt.

Duo bleibt sich auch nach fünf Jahrzehnten treu

Die Stimmung heizt sich immer mehr auf. Als die Band nach über einer Stunde gehen will, muss sie wiederkommen. Auch wenn man den beiden Herren nun ansieht, dass das auf der Bühne längst kein Spaziergang mehr ist, schaffen sie es im fast ausverkauften Club Extase zu kreieren. Russel springt noch einmal umher, als wäre sein 70. Geburtstag Lichtjahre entfernt. Die einst als "Pioniere des Pop" betitelten Kalifornier beeindrucken auf ganzer Linie.

Am Schluss kreuzt ein Kollege meinen Weg, der gerade aus der benachbarten Columbiahalle kommt, wo Sisters of Mercy spielten. Seine Miene hellt sich auf, als er im Columbiaclub hunderte hochgereckte Arme sieht und die herumspringenden Best Ager. Bei Sisters of Mercy sei es seelenlos gewesen und zudem Playback. Na wie schön, dass die Sparks zumindest ihren Ansprüchen auch nach fünf Jahrzehnten treu geblieben sind.

Beitrag von Magdalena Bienert

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1 Kommentar

  1. 1.

    Es gibt wenige Bands, denen ich gerne 3-4 Stunden im Konzert folgen wollte. Die Sparks gehören dazu. Leider war nach den klassischen 1,5 h die Show dann doch vorbei. Schade, schade, schade! Genossen habe ich aber jeden Song, das war einfach phantastisch! Der Sound war sehr gut, die Abstimmung perfekt, die Jungs verbrauchen sich einfach nicht. Hoffentlich war das nicht die letzte Show in Deutschland!

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