Der Kabarettist Florian Schroeder( links) im Live-Interview bei radioeins, 12.09.17 in Berlin (Quelle: rbb / Nina Klippel).
Audio: radioeins | 12.09.17 | Florian Schroeder im Gespräch mit Christoph Azone und Stefan Rupp

Interview | Kabarettist Florian Schroeder - "Vielleicht macht Merkel ja Seehofer zu ihrer Nachfolgerin"

Florian Schroeder zerlegt jede Woche deutsche Alltagsbefindlichkeiten auf radioeins - am Dienstag bekam der Berliner Kabarettist sogar ein Geburtstagsständchen gesungen. Im Interview sprach er über die anstehende Wahl - und wie sich sein Publikum verändert hat.

rbb: Die Wahl steht vor der Tür. Weißt Du schon, was Du wählen wirst ? 

Florian Schroeder: Ich erahne, was ich tun werde. Ich wähle aber auch nicht das, wovon ich sage, das ist definitiv das Beste - sondern das, wovon ich glaube, es ist unter den Alternativen die es gibt, noch das Wählbarste. 

Wie triffst Du Deine Entscheidung ? Bist Du Traditionalist oder eher "Wahl-O-Mat'er" ? 

Wahl-O-Mat gar nicht, das mache ich nur zum Spaß, weil ich lustig finde, was da so alles herauskommt. Aber ich beschäftige mich das ganze Jahr über mit diesen Themen und da fällt es nicht so schwer zu wissen, was für mich interessant ist.

Dein neues Programm heißt "Ausnahmezustand" und hat am 21. September Premiere in den "Wühlmäusen". Hast Du das nicht ein bisschen ungünstig gelegt? Du weißt dann ja noch gar nicht, wer Kanzlerin ist.  

(Schmunzelt) Vielleicht macht sie ja Horst Seehofer zu ihrer Nachfolgerin, man weiß es ja nicht, es ist ja alles offen! Ich bin in diesem Programm nicht abhängig von der Tagespolitik, am Anfang rede ich zehn bis 15 Minuten darüber, aber dann über ganz viele andere Themen. Den aktuellen Teil verändere ich sowieso.

Mittlerweile habe ich so viel Erfahrung, dass ich weiß: Ob jetzt so ein Bundestag kommt oder nicht, das ist nicht kriegsentscheidend. Das Programm wird dann eben umgeschrieben. Ich habe mir abgewöhnt, mich von solchen Ritualen abhängig zu machen.

Man hat den Eindruck, Positionen werden heutzutage immer radikaler und unbarmherziger eingenommen, so unter dem Motto: "Wer nicht meiner Meinung ist, der ist ein Idiot." Hat sich deine Arbeit als Kabarettist dadurch verändert ? 

Ja, definitiv. Ich stelle eine Remilitarisierung des Diskurses fest, es geht immer mehr darum, eine gewisse Radikalität zu haben. Das hat sich bei mir in zweierlei Hinsicht ausgewirkt: Meine Arbeit hat sich verändert, ich bin journalistischer geworden. Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, da hat man sich als Kabarettist hingestellt, hatte halt eine Meinung und die war am besten gegen den Mainstream. Und da haben sich die Leute gefreut: Jawohl, genau!

Heute erwartet auch das Publikum mehr, nämlich dass das, was man sagt, unterfüttert ist - und das finde ich super. Die Leute sind auch sehr offen für Informationen. Wenn man ihnen was erzählt, was sie in diesem Zusammenhang noch nicht gehört haben und wenn man das noch mit einer Pointe versieht, dann ist eigentlich schon sehr viel gelungen.

Man muss jetzt auch nicht jedem Furz hinterherlaufen und wenn Herr Gauland jemanden entsorgen will, dann ist das ein guter Gag - und mehr Aufmerksamkeit muss dann auch nicht sein."

Florian Schroeder über den kabarettistischen Umgang mit der AfD

Überlegst Du Dir vorab dreimal, ob Du einen Gag bringst oder nicht ? 

Nein, das wäre der Tod meiner Arbeit, wenn ich vorher überlege: "Oh Gott, kann ich das machen?" Ich denke natürlich über jeden Gag nach, ob der beispielsweise in einer Diskussion zu dem Thema besteht. Aber das habe ich immer so gemacht. Geändert hat sich das Feedback, das zum Teil kommt.

Es gibt einen Großteil, den ich dann auch ignoriere, weil ich glaube, dass man auch nicht jedem eine Öffentlichkeit bieten muss. Aber alles, was sich sachlich auseinandersetzt, kriegt eine Antwort und dann beschäftige ich mich damit, klar. 

Wie hältst Du es mit der AfD? Wägst Du ab, ob Du dem rechtsextremen Raum Aufmerksamkeit schenkst ? 

Ich mache das punktuell, aber häufig ist es ein Satz und dann ist die Sache auch erledigt. Man muss jetzt auch nicht jedem Furz hinterherlaufen und wenn Herr Gauland jemanden entsorgen will, dann ist das ein guter Gag - und mehr Aufmerksamkeit muss dann auch nicht sein.

Wir wissen, dass es die gibt, wir wissen, was die wollen und wir wissen, dass jeder, der die wählt, ein Rassist ist. Und das nicht, weil er zwangsläufig rassistische Überzeugungen hat, sondern, weil er Leute wie Gauland und Höcke damit unterstützt. Punkt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Das Gespräch führten Christoph Azone und Stefan Rupp

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