Eine Besucherin der Berlin Art Week steht in der Ausstellung Portrait of a Nation, links neben einem Werk des Künstlers Mohammed Al Qassab. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Video: Abendschau | 13.09.2017

Start der Berlin Art Week - Grenzgänge zwischen Kitsch und Ironie

Gespenstisches Hundejaulen, ein rätselhafter Empfang oder Kunst aus den Arabischen Emiraten - bei der Berlin Art Week laden Museen und Galerien zu Ausstellungen, Happenings und Diskussionen ein. Und präsentieren etwa mutige arabische Kunst. Von Barbara Wiegand  

Gespenstisch jault und heult es durch die große Halle der Kunstwerke Berlin. Im Halbdunkel des Raums erkennt man Lautsprecherboxen, aus denen heraus dieses Hundegejaul dröhnt. Der niederländische Künstler Willem de Rooij hat es ganz hoch im Norden, in Grönland aufgenommen.

Als er zum ersten Mal in Grönland war, seien ihm in dem Ort Ilulissat die vielen Hunde aufgefallen. "In Ilulissat wohnen glaube ich 4.000 Menschen und 6.000 Hunde." Jeden Abend fingen verschiedene Gruppen von Hunden an zu kommunizieren. "Eine Gruppe fängt an zu heulen, darauf reagieren dann die anderen Gruppen", erzählt de Rooij.

1997 war diese erste Reise nach Grönland. Gemeinsam mit seinem verstorbenen Partner Jeroen de Rijke hatte sich de Rooij aufgemacht, einen Eisberg zu filmen. Eine langsame Kamerafahrt offenbart Risse, verfolgt das Treiben einzelner Schollen, verliert sich dann im weißen Nichts - als faszinierende Erinnerung an das mittlerweile dahingeschmolzene Eis.

Das offene Museum - eine Illusion?

Geheimnisvoll, zumindest höchst rätselhaft ist auch der Empfang in der Berlinischen Galerie. Denn die Künstlerin Monica Bonvicini lässt den Besucher vor verschlossenen Türen stehen: Vor dem Eingang ins Museum steht jetzt ein komplett mit Metall verkleidetes Baugerüst. "Monica Bonvicini hat sich immer wieder an den Institutionen abgearbeitet und hinterfragt die Wirkungsweise von solchen Gebäuden", sagt Museumsdirektor Thomas Köhler.

"Das offene Museum – gibt es das überhaupt? Der White Cube - ist das nicht nur scheinbar eine neutrale und ganz offene Struktur, sondern gibt es da nicht auch unglaublich viele Zwänge, die da eine Rolle spielen?", erklärt Köhler dieses Spiel mit der vermeintlichen Freiheit der Kunst innerhalb der Institutionen, das die Künstlerin mit ihren Installationen treibt und im Inneren fortsetzt.

Ein Baum, an dem Geld wächst

Die dritte Station auf der Vorabtour: der private me Collectors Room, der den Blick auf Kunst außerhalb Europas lenkt. 50 Künstler aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sind hier zu sehen - mit ganz unterschiedlichen Werken. Manche spielen mit den ornamentreichen Traditionen arabischer Kulturen, andere verharren ziemlich kunsthandwerklich darin. Es gibt mehr oder weniger gelungene Adaptionen westlicher Stile und mutige Grenzgänge zwischen Kunst Kitsch und Ironie - etwa in den Fotoarbeiten von Sara Al Ahbabi.

Sie mache sich über bestehende Klischees lustig und nehme diese in ihren Arbeiten aufs Korn, sagt die Künstlerin. Denn: "So stimmen sie nicht." Als Beispiel nennt sie die romantische Vorstellung, die viele vom traditionellen Leben der Beduinen haben. "Aber wir leben schon lange nicht mehr in Zelten, sondern in richtigen Häusern." Das Vorurteil, dass in den Vereinigten Arabischen Emiraten alle reich sind, hinterfrage sie etwa, indem sie einen Baum male, an dem Geld wächst.

Unkonventioneller mit Performances

Während im me Collectors Room in der Auguststraße die Werke ganz klassisch an der Wand hängen, geht es im Kunstpunkt in der Schlegelstraße unkonventioneller zu. In dem Projektraum sind immer wieder freie Gruppen zu Gast; zur Art Week etwa Zona Dynamic.

"Wir bedienen kaum das Format der klassischen Ausstellung, sondern machen eher so prozesshafte Happenings – also Video, Sound, Performance", erläutert Elisa Goldox von Zona Dynamic. Im kleinen Galerieraum beschränkt sich der Aktivismus ihrer Künstlergruppe zumeist allerdings darauf, Filme und andere Relikte vergangener Kunstaktionen zu zeigen – Relikte, die zur Art Week aber wieder zum Leben erweckt werden, für sicher ziemlich schräge Performances.

Beitrag von Barbara Wiegand

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