Der Regisseur des Films "Gabi" Michael Fetter Nathansky bei der Berlinale-Premiere (Quelle: rbb/Jule Kaden)

Perspektive Deutsches Kino - Mit dem Jungregisseur zur Weltpremiere

Er ist Regie-Student, gerade mal 23 Jahre alt – und: Sein Kurzfilm "Gabi" hat auf der diesjährigen Berlinale die Sektion Perspektive Deutsches Kino eröffnet. Jule Kaden hat den Berlinale-Debütanten Michael Fetter Nathansky am Tag der Weltpremiere seines Films begleitet.

Kurz vor 17 Uhr am Freitag: Michael Fetter Nathansky sitzt im schnieken Café Kaisersaal am Potsdamer Platz und erzählt davon, wie er vor wenigen Wochen den Anruf bekam, sein Film "Gabi" laufe auf der Berlinale: "Ich hab’s gar nicht so richtig verstanden." Nur ein "Joar, okay", sei da erstmal gekommen, erzählt er, der derzeit noch Regie an der Filmuniversität in Potsdam studiert. Danach hätte Nathansky es gern wie in seinem Kurzfilm gemacht: Einfach nochmal durchgespielt, denn die Freude sei natürlich riesig gewesen.

Das Gabi Filmteam bei den Dreharbeiten (Quelle: GABI)
Das Filmteam von "Gabi" während der Dreharbeiten

Im Blaumann zur Weltpremiere

Der 23-Jährige Drehbuchautor und Regisseur sitzt da - mit Dreitagebart, etwas wirrem Haar und grauem Schlabberpulli. Neben ihm seine "drei Mädels": seine Mitstudentinnen Virginia Martin und Anna-Sophie Philippi, die zugleich die Producerinnen von "Gabi" sind, sowie Gisa Flake, die Hauptdarstellerin. "Ich wollte eigentlich im Blaumann kommen", sagt Nathansky grinsend, "aber ich habe keinen. Ihr erwartet, dass ich mir jetzt noch was anderes anziehe?" Die Frauen lachen laut.

Der 30-minütige Spielfilm ist ihr Gemeinschaftsprojekt - und auf der Berlinale einer der beiden Eröffnungsfilme der Sektion Perspektive Deutsches Kino. Die Protagonistin Gabi ist Fliesenlegerin, wohnt in einem Plattenbau in Potsdam und hat eher weniger Glück: ihr Mann geht fremd, ihr Vater zieht kurzfristig bei ihr ein und ihr Beruf macht ihren Rücken kaputt. Und dann ist da noch ihr Auszubildender, der mit ihr immer und immer wieder übt, wie er am besten mit seiner Freundin Schluss macht. Doch irgendwann findet Gabi Gefallen an der Selbstinszenierung:

Vorbild: Woody Allen

Auf der Berlinale sei für sie vor allem das Netzwerken spannend, erzählen die jungen Filmemacher. In der Perspektive Deutsches Kino seien auch andere Teams, mit mehr Erfahrung. Von denen könnten sie lernen. Und: Eine Akkreditierung für die komplette Berlinale und für alle Filme sei einfach himmlisch.

Der Tag hatte schon einige Stationen: gemeinsames Frühstück mit anderen Nachwuchsfilmemachern, Zeitungsinterview, Pressevorführung. Der Pulsschlag hält sich noch im Rahmen: "Dass jetzt nachher auch unserer Film kommt, hab ich immer noch nicht ganz klar bekommen. Ich denke mir, wir gucken dann 'Gabi'. Und dann - ach ja, wir haben den ja gemacht", sagt Michael Fetter Nathansky.

Mit zwölf Jahren beginnt Nathansky schnulzige Gedichte zu schreiben, daraus werden gute Dialoge und irgendwann Berlinale-würdige Drehbücher. Seine großen Vorbilder: Hollywood-Urgestein Woody Allen und die Dardenne-Brüder aus Belgien.

Dann kommt doch etwas Nervösität auf

Noch eine Stunde bis zur Premiere: Es geht zum Warm-Up im Fünf-Sterne-Hotel - zwar ohne roten Teppich, aber samt Sektempfang, schick angezogenen Menschen und Presse. Die beiden Producerinnen sind sichtlich nervös und schnattern wild durcheinander, auch Nathansky spürt langsam Nervosität. Als in Sakko gekleidete Menschen an ihm vorbeilaufen, ist das Outfit doch nicht mehr egal: "Jetzt fühle auch ich mich langsam ein bisschen underdressed."

Nach ein bisschen Smalltalk, geht's schnell rüber ins ausverkaufte Kino. 400 Leute warten schon. Mit dabei: Familie, Freunde, Filmcrew und die Schauspieler. Selbst sie sehen den Kurzfilm zum ersten Mal – nur Gisa Flake, die Hauptdarstellerin, hat ihn schon gesehen. Ihre Horrorvorstellung war: "Du sitzt hier auf der Berlinale, in einem Kino und guckst 30 Minuten Dich selber an und findest es absolut scheiße."

Das "Gabi"-Filmtem nach der Premiere bei der Berlinale (Quelle: rbb/Jule Kaden)
Das "Gabi"-Filmtem nach der Premiere bei der Berlinale

"Ick sag nüscht und mach allet über die Augen."

Noch drei Minuten bis der Film losgeht. Der Jungregisseur findet keinen Platz - im eigenen Film. In der Aufregung muss wohl wer geschlafen haben. Vorab hatte Nathansky erzählt, dass er sich eine Fliesenlegerin im Publikum wünscht: "Ich würde gern wissen, was sie denkt über den Film. Wenn sie ihn nicht gut findet, würde mich das sogar mehr treffen als bei anderen." Der Film läuft an. Und auch Nathansky hat einen Platz – nicht beim Team, aber immerhin.

Gelacht wird viel in den 30 Minuten. Michael Fetter Nathansky und sein Team sind froh: Nachdem die ersten Lacher im Publikum gezündet hätten, sei die Nervosität verschwunden gewesen. Das Publikum scheint fasziniert von Gisa Flake und ihrer ausdrucksstarken Gabi: "Ick sag nüscht und mach allet über die Augen." Linda Söffker, Sektionsleiterin der Perspektive Deutsches Kino schwärmt: "Gabi ist wirklich besonders, denn es gibt nicht so oft Figuren, die sich außerhalb des typischen Schönheitsideals bei Hauptfiguren bewegen und dann auch noch eine, die sich einem so ins Herz spielt."

Vielleicht gewinnt der Film ja einen Berlinale Förderpreis. Gut für die Crew, der Großteil des Teams hat nämlich ehrenamtlich gearbeitet. Aber erstmal geht's für die Nachwuchsfilmemacher ab in eine lange Party-Nacht.

Im Cafe Kaisersaal Nathansky Philippi Martin Flake
Michael Fetter Nathansky mit Gisa Flake und weiteren Mitwirkenden vor der Premiere seines Films "Gabi"

Beitrag von Jule Kaden

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