Symbolbild: Ungefallener Baum nach einem Unwetter über Berlin im Jahr 2007. (Quelle:imago stock&people/imago stock&people)

Unwetter-Schäden in Treptow-Köpenick - Das Leiden der Straßenbäume

Die starken Unwetter haben viele Bäume in Berlin zu Fall gebracht. Besonders groß sind die Schäden in Treptow-Köpenick: 46 Laubbäume müssen gefällt werden - so viele wie nie zuvor im Bezirk. Doch sie zu ersetzten, dürfte sehr schwierig werden.Von Ariane Böhm

Der diesjährige Sommer lässt sich in einem Wort zusammenfassen: nass. Starkregen und Stürme haben dabei viele Bäume entwurzelt und beschädigt. Besonders betroffen ist Treptow-Köpenick. Laut der Leiterin des Grünflächenamtes im Bezirk, Ingrid Lehmann, müssen 46 Bäume gefällt werden. Insbesondere in den Ortsteilen Altglienicke und Friedrichshagen gebe es viele Baumschäden, so Lehmann gegenüber rbb|24.

Außerdem müsse bei rund 80 Laubbäumen die Krone gepflegt werden, erklärte die Leiterin des Grünflächenamts weiter. Bei der Kronenpflege werden hängende Äste entfernt oder die Wunden an beschädigten Stellen versorgt. Manchmal müssten auch weitere Äste weggeschnitten werden, "um die Kronenstatik wieder herzustellen", fuhr Lehmann fort.

Selbst eine gesunde Eiche wurde entwurzelt. Da waren unsere Gärtner auch fassungslos.

Ingrid Lehmann, Leiterin Grünflächenamt Treptow-Köpenick

Die Straße: Kein gutes Pflaster für Bäume

So schlimm wie Treptow-Köpenick hat es keinen anderen Bezirk getroffen. In anderen Bezirken, wie beispielweise Kreuzberg oder Zehlendorf, hat es nur vereinzelt Unwetter-Schäden an Bäumen gegeben.

Derk Ehlert, der Umweltexperte der Umweltsenatsverwaltung bestätigte rbb|24: "Uns sind keine anderen Flächen bekannt, in denen so viele Bäume betroffen sind wie in Treptow-Köpenick." Das liege daran, dass Starkregen und Windhosen meist sehr lokal auftreten, so Ehlert weiter.

Außerdem sind die Lebensbedingungen für Bäume in der Stadt grundsätzlich schlecht: Böden sind oft versiegelt oder verdichtet, die Bäume werden regelmäßig von ein- oder ausparkenden Autos angefahren, im Sommer bekommen sie zu wenig Wasser, im Winter leiden sie unter Streusalz. Auch diese Faktoren sorgen dafür, dass Straßenbäume schneller entwurzeln als Waldbäume. Ein Forst schütze die Bäume auch vor Wind, erklärte Ehlert, zudem seien die Wurzeln der Waldbäume oft tiefer verankert als bei denen im urbanen Raum.

Lehmann: "Eine solch hohe Schadenstatistik hatten wir bisher noch nicht"

In Treptow-Köpenick gibt es rund 43.000 Bäume an Straßen und rund 80.000 Bäume in Grünanlagen, die vom Grünflächenamt gepflegt werden. "Da mag die Zahl der zu fällenden Bäume erst einmal nicht hoch erscheinen. Aber sie ist hoch", erklärt Lehmann. Der Schaden sei sogar so hoch wie nie zuvor.

In einem durchschnittlichen Jahr würden zwischen 600 und 800 Bäume gefällt, "meist weil sie altersgemäß geschwächt sind" und den Verkehr gefährden könnten, so Lehmann. Bei den Bäumen, die nun gefällt werden müssen, handle es sich aber um gesunde Bäume, die nicht auf der Liste für Fällungen standen.

Nicht alle gefällten Bäume können ersetzt werden

Der Naturschutzbund BUND sieht die Fällungen aus Gründen der Verkehrssicherheit grundsätzlich kritisch: "Dadurch werden immer wieder Bäume vorbeugend radikal gestutzt oder gar gefällt. Weil der Stadt das Geld fehlt, können fehlende Bäume aber oft nicht mehr ersetzt werden", schreibt der BUND-Referent Herbert Lohner auf deren Website. Das gilt auch für die Bäume, die wegen des Sturms so stark beschädigt wurden, dass sie gefällt werden müssen.

Für die Baumarbeiten rechnet das Grünflächenamt mit Kosten in Höhe von 150.000 Euro. Hinzu kommen weitere Kosten für neue Bäume: Einen Baum zu pflanzen koste 500 Euro, die Pflege in den Folgejahren noch einmal genauso viel. "Wir können leider nicht davon ausgehen, dass die Bäume alle zeitnah ersetzt werden. Dafür ist kein Geld da - leider", sagte Lehmann rbb|24.

Unwetter-Schaden am Auto: Zahlt die Versicherung?

Die umgeknickten und umgefallenen Bäume sowie herumfliegende Äste haben auch Autos getroffen und beschädigt. Ab einer Windstärke von mindestens acht übernimmt die Teilkasko-Versicherung die Kosten für den entstandenen Schaden. In Treptow-Köpenick herrschte am vergangenen Donnerstag Windstärke neun - betroffene Autobesitzer bekommen die Kosten somit erstattet. Wer eine Voll­kasko­versicherung abgeschlossen hat, kann übrigens auch Schäden unter Wind­stärke acht geltend machen.

Den Bäumen hilft das allerdings wenig. Wer sich für die Pflanzung neuer Bäume in der Stadt engagieren möchte, kann aber die Kampagne "Stadtbäume für Berlin"

Beitrag von Ariane Böhm

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1 Kommentar

  1. 1.

    Spenden können helfen http://www.berlin.de/senuvk/umwelt/stadtgruen/stadtbaeume/kampagne/de/karte/

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