Archivbild: Ein Angeklagter, der seinen Geschäftspartner umgebracht haben soll, versteckt sein Gesicht hinter einer gelben Mappe (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Video: Brandenburg aktuell | 11.08.2017 | Andreas Hewel

Potsdamer Landgericht verurteilt 60-Jährigen - Lebenslange Haft für Mord an Geschäftspartner

Die Verteidigung plädierte auf Freispruch, doch das Potsdamer Landgericht urteilte: Lebenslang. Der zuständige Richter sah es als erwiesen an, dass der 60-jährige Angeklagte seinen langjährigen Geschäftspartner aus Habgier erschoss.

Ein 60-Jähriger, der vor acht Jahren in Tschechien seinen Geschäftspartner in einem Waldstück erschossen haben soll, muss lebenslang ins Gefängnis. Das Landgericht Potsdam verurteilte ihn am Freitag wegen Mordes, Betrugs und Untreue. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Nach Überzeugung der Anklage hat der 60-Jährige seinen langjährigen Geschäftspartner aus Habgier ermordet. Der Angeklagte, vollkommen überschuldet, habe den 55-Jährigen, einen Millionenerben aus Glindow, aus Habgier  ermordet, sagte der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter.

Angeklagter bediente sich beim Geschäftskonto

"Wir haben keine eindeutigen Beweise, aber eindeutige Indizien", betonte Horstkötter. Es gebe zwar weder eine Tatwaffe, noch Blutspuren oder ein Geständnis; die Kammer sei aber überzeugt, dass dem 60-Jährigen von seiner Persönlichkeit her die Tat zuzutrauen sei, so Horstkötter: "Sie sind ein Mensch, der so eigensüchtig ist, dass er bereit ist, für seine Ziele auch einen Menschen zu töten."

Der 60-Jährige habe das spätere Opfer sowohl bei Geschäftskontakten als auch privat in einem Schützenverein kennengelernt. Dann habe er den Mann zu angeblich lohnenden Geschäften in Osteuropa überredet und dafür mit ihm eine gemeinsame Firma gegründet. Auf das Geschäftskonto habe der Partner rund eine halbe Million Euro eingezahlt, von dem sich der Angeklagte mehrfach bedient habe, sagte Horstkötter. Unter anderem habe er damit seine Automaten-Spielsucht finanziert. Außerdem habe sich der 60-Jährige von seinem Partner 130.000 Euro geliehen, die er nicht zurückzahlen konnte.

Der Angeklagte war der Letzte, der den Glindower lebend sah. Eine Woche nach dessen Verschwinden habe er 88.000 Euro von einem gemeinsamen Konto abgehoben und mit dem Geld seine zweite Firma gerettet, die vor der Pleite stand.

Verteidigung sieht keine eindeutigen Beweise

Laut Urteil überredete der Verurteilte den Jüngeren am 9. Juni 2009 zu einer Geschäftsreise nach Tschechien und ermordete ihn dort einen Tag später in dem Waldstück. Die Leiche entdeckte ein Pilzsammler Anfang Juli 2009 zufällig. Erst 2011 konnte der 55-Jährige mit einem DNA-Abgleich identifiziert werden.

Die Verteidigung hatte in dem Indizienprozess auf Freispruch plädiert, weil es keine eindeutigen Beweise gebe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

 

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