Wohnanlage im Potsdamer Osten, wo die Mutter mit ihrer Familie lebt. (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 11.08.2017 | Ismahan Alboga

Nach Flucht mit Baby durch 19-Jährige - Mutter aus Potsdam hat ihr Baby wieder

Nach einem Tag voller Ungewissheit sind Mutter und Kind wieder glücklich vereint: Am Freitag konnte eine 35-Jährige aus Potsdam ihr vier Monate altes Baby wieder in die Arme schließen. Eine 19-Jährige hatte das Kind bis nach Hannover mitgenommen.

Was eine 35-jährige Mutter am Donnerstag in Potsdam erlebt hat, möchte man seinem ärgsten Feind nicht wünschen: Eine junge Frau, die die Frau bis dahin noch nie gesehen hat, bietet an, mit ihrem vier Monate alten Baby spazieren zu gehen - und ist wenig später mitsamt dem Baby spurlos verschwunden. Erst Stunden später kann sie gefasst werden, über 250 Kilometer entfernt - in Hannover. Dieser ungewöhnliche Fall ereignete sich am Donnerstagnachmittag in Potsdam.

19-Jährige bot an, beim Einkaufen zu helfen

Laut Polizei sprach die 19-Jährige die Mutter an, als diese mit ihrer vier Monate alten Tochter und den beiden kleinen Söhnen im Potsdamer Zentrum Ost in einem Supermarkt einkaufen ging. Zunächst wollte die junge Frau nur beim Tragen helfen, doch vor der Wohnung schlug sie vor, mit dem Baby im Kinderwagen noch spazieren zu gehen. Die 35-Jährige könne währenddessen die Einkäufe in die Wohnung tragen und den beiden Söhnen Essen machen, habe sie gesagt.

Etwa 20 Minuten später habe die Mutter dann festgestellt, dass die beiden verschwunden waren. "Ich hatte Panik", sagte die Frau am Freitag dem rbb-Nachrichtenmagazin Brandenburg aktuell. "Vielleicht haben sie meinem Baby eine Spritze gegeben" - so die Sorge der Mutter. Eine Stunde lang habe sie vergeblich nach der Frau gesucht - dann habe sie die Polizei alarmiert.

Ermittlungen führten zu Handynummer in Hannover

Wie Heiko Schmidt von der Brandenburger Polizeidirektion West dem rbb am Freitag sagte, sind bei den unmittelbar eingeleiteten Ermittlungen Bereitschafts- und Kriminal-Beamte, eine Rettungshundestaffel und ein Hubschrauber zum Einsatz gekommen. Die Ermittlungen hätten zu einer Handynummer geführt, die später am Abend in der niedersächsischen Landeshauptstadt geortet werden konnte.

Bei der Festnahme der 19-Jährigen sei auch das Baby in Obhut genommen worden. Es sei unversehrt gewesen, verbrachte die Nacht zu Freitag auf Veranlassung der Polizei aber in einem Krankenhaus. Noch am Freitag reiste die überglückliche Mutter mit ihrer Familie nach Hannover und holte das Baby dort wieder ab.

Laut Polizei kann nicht von "Entführung" gesprochen werden

Die 19-Jährige handelte nach Polizeiangaben allein und stellte keine Forderungen, weshalb auch nicht von einer "Kindesentführung" gesprochen werden könne. Sie und die Mutter hätten sich nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht gekannt. Nach Polizeiangaben prüft die Staatsanwaltschaft, ob Haftbefehl gegen die 19-Jährige beantragt wird.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Potsdam handelt es sich bei der Täterin um eine Heranwachsende ohne festen Wohnsitz. "Nach bisherigen Erkenntnissen hat sich die 19-Jährige mal hier und mal dort aufgehalten." Die weiteren Hintergründe der Tat waren zunächst unklar.

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Nein, das heißt es nicht. Da Deutschland ein Rechtsstaat ist, bedarf jede freiheitsentziehende Maßnahme einer rechtlichen Grundlage. Und vor jeder Maßnahme müssen die Voraussetzungen geprüft werden. Keine Entscheidung darf ohne Prüfung der rechtlichen Grundlagen getroffen werden. Es ist also eine Selbstverständlichkeit, dass die Staatsanwaltschaft den Antrag auf Haftbefehl gewissenhaft prüft. Mehr darf sie auch nicht, denn über den Erlass eines Haftbefehls dürfen nur Richter entscheiden.

    Die Mutmaßungen "drei fremde Babys pro Tag von Berlin nach München oder Frankfurt fahren" sind lediglich Horrorfantasien. Die Frau wird nur dann wieder freigelassen werden, wenn keine Wiederholungsgefahr besteht.

  2. 15.

    "Nach Polizeiangaben prüft die Staatsanwaltschaft, ob Haftbefehl gegen die 19-Jährige beantragt wird." Heißt das, dass die "Heranwachsende" einfach so wieder freilaufen kann und drei fremde Babys pro Tag von Berlin nach München oder Frankfurt fahren kann, ohne verhaftet zu werden?

  3. 14.

    Hallo Herr Robson,

    danke für den Hinweis, trotz der Anführungszeichen war das missverständlich, wir haben das geändert.

    Einen schönen Sonntag!

  4. 13.

    Wieso steht den in der Überschrift, dass es eine Entführung war, aber im Text sagt der Polizist, man könne nicht von einer Entführung sprechen?

  5. 12.

    Da "löst" keiner ein Problem mit vollen Gefängnissen durch Jugendstrafrecht. Das ist Unsinn!. Ein Jugendrichter wird ermitteln, welche Erziehungsmaßregel hier am wirksamsten sein wird, um weitere Straftaten zu verhindern.

    Das Jugendstrafrecht hat zwar geringere Strafrahmen, aber nicht zwangsläufig in jedem Einzelfall geringere Strafen. Während das Erwachsenenstrafrecht nur Geld- und Gefängnisstrafe und als Hauptzweck Sühne hat, hat das Jugendstrafrecht als Hauptzweck Erziehung und dafür stehen nicht nur Geld- und Freiheitsstrafe, sondern vielfältige Erziehungsmaßregeln zur Verfügung. Das Jugendstrafrecht ist daher viel wirksamer in Bezug auf Vermeidung weiterer zukünftiger Straftaten durch diese Jugendlichen/Heranwachsenden. Und das sollte das Hauptziel der (Jugend-)Strafe sein!

    Man kann heute genauso viel oder wenig vertrauen wie früher. Früher gab es auch Entführungen und Straftaten. Die Kriminalität geht sogar zurück.

  6. 11.

    @ Wossi

    Die menschliche Entwicklung vom Kind zum verantwortungsvollem Erwachsenen läuft eben nicht so, dass mit dem 18. Geburtstag plötzlich ein Schalter umgelegt ist und alle Kinder über Nacht zu verantwortungsvollen Erwachsenen werden. Deshalb gibt es das Strafrecht für Heranwachsende, wo flexibel je nach Entwicklungsreife das Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewandt wird. Dies ist wichtig, wenn man mit der (Jugend-)Strafe etwas erreichen will, nämlich Straftäter dazu zu bringen, zukünftig ein straftatfreies Leben zu führen. Das ist für die gesamte Gesellschaft billiger, als Wegsperren.

  7. 10.

    @ Wossi

    "Heranwachsender" ist ein juristischer Fachbegriff, definiert im Jugendgerichtsgesetz (JGG):

    "Jugendlicher ist, wer zur Zeit der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn, Heranwachsender, wer zur Zeit der Tat achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist." (§ 1 Absatz 2 Jugendgerichtsgesetz [JGG])

    Für Heranwachsende im Sinne des JGG ist Jugendstrafrecht entsprechend anzuwenden, "wenn
    1. die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters bei Berücksichtigung auch der Umweltbedingungen ergibt, daß er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand, oder
    2. es sich nach der Art, den Umständen oder den Beweggründen der Tat um eine Jugendverfehlung handelt".
    (§ 105 Absatz 1 JGG)

    KEINER, der diese Frau und die näheren Umstände nicht kennt, sollte sich anmaßen vorschnell ein Urteil über den Reifegrad und die Strafmündigkeit dieser Frau zu sprechen! Dies wird das Jugendgericht verantwortungsvoll tun.

  8. 9.

    Unsere Gefängnisse sind doch schon überfüllt. Also "löst" man das Probem, in dem Erwachsene bis 21 nach Jugendstrafrecht (wegen geringerem Strafmaß) behandelt werden. Und da es vor der Justiz bei Entführung noch einen Unterschied macht, ob mit oder ohne Forderung, wird nicht mehr als eine Bewährungssstrafe dabei heraus kommen. Fazit: Kann doch mal eben jeder bis 21 solch ein "Abenteuer" wagen. Schlimm, wirklich schlimm. Außerdem finde ich es sehr traurig, dass man niemandem mehr vertrauen kann und tatsächlich hinter jeder Person zunächst einen potentiellen Straftäter vermuten muss, um nicht selbst gleich als fahrlässig eingestuft zu werden - von wegen "selbst schuld".

  9. 8.

    Um Ihre Frage zu beantworten: in Deutschland. Das Alter für Heranwachsende ist durch das Gesetz geregelt.

  10. 7.

    Wer bestimmt denn das und wie ist das legitimiert? Gibt es etwa Filme ab 21??
    Führerschein mit 17 oder 16, wählen ab 16 usw. Pflichten aber erst ab 21? Ja wo leben wir denn?

  11. 6.

    Tja, solche Vertrauensseligkeiten passieren eben, wenn man die Leute ständig in feministischer Manier indoktriniert, Frauen seien per se Opfer und niemals Täterinnen. Einem 19-Jährigen Mann hätte die Frau ihr Kind garantiert nicht anvertraut.

  12. 4.

    Warum spricht die Staatsanwaltschaft Potsdam von einer Heranwachsenden??? Sie ist doch Wahlberechtigte, über 18 Jahre alt und Erwachsen, was die Rechte angeht! Bei den Pflichten will man es nicht so genau nehmen?? Dieses "Weichspülen" geht langsam der Allgemeinheit auf die Nerven und führt zu noch mehr Wohlstandsproblemen! Die Justiz sollte endlich mal wieder Durchgreifen- oder etwa nicht?
    Übrigens war die Mutter nicht blöd! Ein Grundvertrauen ist Gutmütig.

  13. 3.

    Abgesehen von der Untat der 19-Jährigen ist das weggeben eines 4 Monate alten Babys an eine Fremde Person in meinen Augen eine Kindeswohlgefährdung, die seines Gleichen sucht. Die Mutter gehört vom Jugendamt mal durchgecheckt. Sowas Unverantwortliches!

  14. 2.

    Ja Monika da gebe ich dir voll Recht bin papa einer fast 2 jährige Tochter würde nicht mal meinen besten Freund mein Kind anvertrauen. Höchstens die Erzieherin im Kindergarten und Oma. Mehr net heute zu tage kann man keinen mehr vertrauen. Is meine meinung

  15. 1.

    Wie dämlich muß man eigentlich sein, sein Kind einer fremden Frau anzuvertrauen?????

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