Im kleinen Saal des Stadtbades Neukölln (Quelle: dpa/Rainer Jensen)
Video: Abendschau | 13.09.2017 | Frank Drescher

Sanierungs- und Wartungsarbeiten - Acht Berliner Schwimmhallen öffnen mit Verspätung

Die meisten Schwimmer zieht es wegen kühler Temperaturen in die Halle. Doch einige von ihnen sind - anders als angekündigt - noch nicht offen, etwa wegen maroder Wasserrohre oder Legionellen. Sportvereine kritisieren die späte Information. Von Annette Bräunlein

Acht Berliner Schwimmhallen öffnen nach der Sommerschließzeit später als ursprünglich angekündigt. Das teilten die Berliner Bäderbetriebe (BBB) auf Anfrage von rbb|24 am Mittwoch mit. Insgesamt seien zehn der 37 Hallenbäder noch geschlossen. Grund seien in der Regel noch nicht abgeschlossene Sanierungs- oder Wartungsarbeiten, so Sprecher Matthias Oloew.

Bäder, die länger geschlossen sind als ursprünglich angekündigt:

  • Stadtbad Neukölln – bis 8.10.
  • Stadtbad Lankwitz – bis 22.9.
  • Schwimmhalle Hüttenweg – bis 17.9.
        Update vom 18.9.: Das Nichtschwimmerbecken ist bis auf Weiteres gesperrt.
  • Stadtbad Wilmersdorf I (Mecklenburgische Straße 80) – bis 13.9.
  • Stadtbad Tempelhof – bis 17.9.
  • Schwimmhalle Finckensteinallee – bis 22.9.
  • Stadtbad Mitte – voraussichtlich bis Mitte Oktober
  • Stadtbad Märkisches Viertel – bis 8.10.

Laut BBB-Angaben planmäßig noch geschlossen:

  • Stadtbad Schöneberg – bis 22.9.
        Update vom 18.9.: Das Schwimmbad kann bereits am 20.9. öffnen.
  • Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) – bis 24.9.

Jedes Bad müsse ein Mal im Jahr für Wartungs- und eventuell auch Sanierungsmaßnahmen "vom Netz genommen" werden, erklärt Sprecher Oloew. Regulär dauere das drei Wochen. "Aber wenn Probleme auftauchen, verzögert sich die Wiedereröffnung." Vor allem Sanierungsarbeiten ließen sich nicht verschieben, ohne Gefahr zu laufen, dass das Bad dauerhaft geschlossen werden müsse.

Fasern in der Lüftungsanlage

Für die Verzögerungen gebe es zahlreiche Ursachen. Zum Beispiel, wenn Sanitärräume neu gefliest werden müssten, und sich dabei herausstelle, dass auch die darunter liegenden Wasserrohre unbedingt saniert werden müssen. Das sei etwa im Stadtbad Mitte der Fall.

Oder wenn bei der Reinigung der Lüftungsanlage festgestellt werde, dass kernmineralische Fasern darin seien – wie im Stadtbad Neukölln. Dort handele es sich zwar sicher nicht um Asbest, sagte Oloew. Aber gut für die Gesundheit seien die Fasern wohl nicht.

In manchen Fällen seien auch Laborverfahren der Grund, warum ein Bad nicht planmäßig öffnen kann, erläutert der Sprecher. So seien etwa im Stadtbad Lankwitz Legionellen entdeckt wollen. Um sicher zu sein, dass sie vollständig beseitigt wurden, werde eine Wasserprobe benötigt, die erst nach etwa 14 Tagen im Labor beurteilt werden könne.

"Vier Tage vorher ist relativ knapp"

Berliner Sportvereine kritisierten die späte Information über die verspätete Öffnung der Bäder. So habe zum Beispiel die Schwimmgemeinschaft Steglitz nach eigenen Angaben erst vier Tage vorher erfahren, dass die Bäder, die sie nutzt, nicht am 4. September öffnen. Informiert habe der Bezirkssportbund, nicht die Bäderbetriebe, sagte die Vereinsvorsitzende Maren Auer rbb|24. Der Verein habe die Information direkt an seine Mitglieder weitergeleitet. "Aber vier Tage vorher ist doch relativ knapp", so Auer. "Einige standen auch vor verschlossener Tür." Es gab Beschwerden von Mitgliedern.

Bei kurzfristigen Veränderungen der Bäder-Öffnungszeiten informierten die Bäderbetriebe teilweise schnell, teilweise aber auch gar nicht. "Der Informationsfluss könnte besser sein", sagte Auer. Angesichts der aktuellen Verzögerungen hätten die Leistungssportler Ausweichmöglichkeiten organisieren können, die Breitensportler - rund 90 Prozent der 800 Mitglieder - blieben jedoch weitgehend auf der Strecke, erklärte Auer.

Beim Wettkampf-Training im Verzug

Ärger gab es auch beim TSV Zehlendorf 1888. Von den Bäderbetrieben sei der Verein am 1. September über die Verzögerungen informiert worden, sagte der stellvertretende Leiter der Schwimmabteilung, Florian Arendt, rbb|24. Der Verein hätte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr alle Mitglieder erreichen können. "Viele Kinder standen vor verschlossenen Hallen." Die Eltern hätten ihrem Ärger dann beim Verein Luft gemacht. Das sei immer mal wieder der Fall - vor allem bei kurzfristigen Schließungen von Bädern, etwa wegen Erkrankungen.

Besonders für die Leistungssportler sei die längere Schließung der Hallen ein großes Problem. Beim Training für einen Wettkampf Mitte Oktober seien sie "extrem im Verzug", so Arendt.

App für 2018 geplant

Dass die beiden Bäder, die etwa der TSV Zehlendorf 1888 nutzt, Finckensteinallee und Hüttenweg, nicht rechtzeitig öffnen können, sei erst am 1. September klar gewesen, sagte Bädersprecher Matthias Oloew. Erst da habe sich herausgestellt, dass das Filtermaterial der Schwimmbeckenfilter ausgewechselt und neu bestellt werden muss.

In der Regel würden veränderte Öffnungszeiten auf der Webseite der Bäderbetriebe veröffentlicht, sobald sie bekannt sind, so Oloew. Besonders wenn Personal kurzfristig ausfalle, könne es aber auch passieren, dass die Information "im Einzelfall" nicht rechtzeitig funktioniere. Schulen und Sportvereine würden direkt per E-Mail benachrichtigt. Auch Privatleute könnten den E-Mail-Benachrichtungsdienst abonnieren und so Informationen zu den von ihnen ausgewählten Bädern erhalten. Im kommenden Jahr soll der Dienst von einer App abgelöst werden.

Auch an diesem Donnerstagnachmittag bleiben einige Bäder geschlossen, allerdings aus einem ganz anderen Grund: Die Berliner Bäderbetriebe begehen ihr alljährliches Betriebsfest. Alternativen gebe es im Freien: Einige der Sommerbäder seien noch geöffnet.

In der ersten Version dieses Textes hieß es, sechs Berliner Schwimmhallen öffneten später als ursprünglich angekündigt. Diese Information beruhte auf einer fehlerhaften Angabe. Tatsächlich öffnen acht Hallenbäder mit Verspätung.

Sendung: radioBERLIN 88,8, 13.9.2017, 16:33 Uhr

Beitrag von Annette Bräunlein

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