Ein roter amerikanischer Sumpfkrebs krabbelt auf Pflastersteinen im Berliner Tiergarten (Quelle: dpa/Britta Pedersen)

Ursprünglich mit 200 Exemplaren gerechnet - Mehr als 3.000 Sumpfkrebse im Tiergarten gefangen

Im Berliner Tiergarten leben wesentlich mehr Sumpfkrebse als bislang angenommen. Innerhalb der vergangenen zwei Wochen seien bereits mehr als 3.000 Rote Amerikanische Sumpfkrebse am Neuen See im Tiergarten gefangen worden, sagte Wildtierexperte Derk Ehlert von der Umweltverwaltung am Mittwoch. "Wir sind mehr als überrascht über die Menge."

Ehlert hatte den Bestand der in Deutschland eigentlich nicht heimischen Tiere zuvor auf etwa 200 Exemplare geschätzt.

Die Tiere seien mithilfe von professionellen Reusen und Handkeschern gefangen worden, hatte der Wildtierreferent des Landes Berlin vergangene Woche mitgeteilt. Zudem habe man als "biologische Maßnahme" junge Aale, die aber erst noch heranwachsen müssten, in den Tiergarten-Gewässern ausgesetzt.

Krebse werden "fachgerecht entsorgt"

Die bisher gefangenen Tiere seien zwischen einem und vier Jahren alt, so Ehlert. Sie würden in kochendem Wasser getötet und anschließend geschreddert. Eine Fachfirma kümmere sich um die Entsorgung. Die Tiere sind prinzipiell essbar und werden anderswo als Nahrungs- und Futtermittel verwendet, erklärte Ehlert.

Bislang übernähmen die Mitarbeiter die Aufgabe im Rahmen der Gewässeraufsicht - für eine Bekämpfung in der Zukunft brauche es andere Lösungen, betonte nun Ehlert. Dauerhaft sei dies nicht im Budget. Ehlert rechnet aber damit, dass die roten Krebse lediglich dezimiert werden können: "Wir gehen davon aus, dass wir nicht alle rausholen können".

Sumpfkrebse könnten heimischen Arten schaden

Das Fischereiamt hatte Ende August mit Fangaktionen begonnen, da eine Abwanderung der Krebse in andere Gewässer befürchtet worden war. Dies zu verhindern, ist auch die Vorgabe: Der Sumpfkrebs steht auf einer Liste der EU-Kommission mit eingewanderten Arten, die potenziell schädlich sind - etwa für einheimische Arten und Ökosysteme.

Auch im Britzer Garten haben sich die Krebse laut dem Wildtierexperten Ehlert inzwischen ausgebreitet und sollten gefangen werden. Sichtungen habe es zudem in Buckow, Rudow und im Tegeler See gegeben.

Sollten sich die Krebse in Berlin etablieren, könnte man darüber nachdenken, sie beispielsweise in Fischereirecht aufzunehmen, sagte Ehlert.

Sendung: Abendschau, 13.09.2017, 19.30 Uhr

Tiergeschichten aus dem Berliner Sommerloch

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren