Eingang zur Degewo-Zentrale in Berlin (Quelle: imago/Schöning)

Nach "Kommunikationspanne" - Berliner Wohnungsbaugesellschaft suspendiert Pressesprecher

Die Senatsbauverwaltung soll Recherchen behindert haben, so lautet der Vorwurf der "Berliner Zeitung". Das Blatt bezieht sich dabei auf eine fehlgeleitete Mail des Pressesprechers der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo. Diese "Kommunikationspanne" kostete den Sprecher nun seinen Posten.  

Die Berliner Wohnungsbaugesellschaft Degewo hat ihren Pressesprecher Lutz Ackermann mit sofortiger Wirkung suspendiert. Das teilte das landeseigene Unternehmen am Samstag mit. Hintergrund ist eine Mail, die Ackermann irrtümlich auch an einen Redakteur der "Berliner Zeitung" geschickt hatte, obwohl sie eigentlich an die Sprecher anderer landeseigener Wohnungsbaugesellschaften gerichtet war.  

Darin empfahl er, die kritischen Fragen des Redakteurs nicht vor der Abgeordnetenhauswahl zu beantworten. Er berief sich dabei auch auf den Sprecher der Stadtentwicklungsverwaltung. Die Degewo und die Senatsverwaltung distanzierten sich von Ackermanns Darstellung.

Baugesellschaften sortierten Bewerber aus

Anlass der E-Mail war eine Anfrage der "Berliner Zeitung" zur Wahl der Mieter-Beiräte. Wie auch die rbb-Abendschau berichtet hatte, hatten die Wohnungsbaugesellschaften im Vorfeld der Wahl über 100 Bewerber einfach aussortiert. Die Beiräte sollen die Interessen der Mieter gegenüber den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften vertreten, beispielsweise wenn diese modernisieren oder instand setzen wollen. Die "Berliner Zeitung" wollte am Freitag nun wissen, wie viele Beschwerden zur Wahl eingegangen seien und war vertröstet worden.

Zugleich erhielt der Redakteur aber eine E-Mail, die der Pressesprecher der Degewo nur an seine Kollegen in den anderen Wohnungsunternehmen richten wollte. Darin berichtet Ackermann von einem Gespräch mit Martin Pallgen, dem Sprecher von Bausenator Andreas Geisel (SPD). Bei einer Grundsteinlegung am Donnerstag habe ihm Pallgen signalisiert, dass die Senatsverwaltung kein Interesse an kritischer Berichterstattung zur Wahl der Mieter-Beiräte habe.

Anfragen "auf die nächste Woche vertrösten"

Solange die sechs Baugesellschaften noch an einer gemeinsamen Pressemitteilung zu dem Thema arbeiteten, wolle man den anfragenden Redakteur "auf die nächste Woche vertrösten". Weiter heißt es in der E-Mail:

"Zudem ist es die Position von SenStadtUm, dass kritische Berichte zur Mieterratswahl vor diesem Sonntag möglichst zu unterbinden sind. Dies hat mir Herr Pallgen gestern am Rande unserer Grundsteinlegung gesagt."

Auf Nachfrage des rbb räumte Degewo-Sprecher Ackermann am Freitag ein, dass ihm eine Kommunikationspanne unterlaufen sei. Der Redakteur der "Berliner Zeitung" sei irrtümlich in den E-Mail-Verteiler geraten; es habe sich lediglich um ein Abstimmungsgespräch unter Pressesprechern gehandelt. Er betonte außerdem, dass er sich unglücklich ausgedrückt habe. Es habe aus der Politik keine solche Direktive gegeben. Auch Pallgen wies den Verdacht von sich, irgendeine Art von Anweisung erteilt zu haben. Die Darstellung sei "komplett frei erfunden", sagte Pallgen der "Berliner Zeitung".

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