Jemand liegt in einem Schlafsack in einem Berliner U-Bahnhof (Quelle: imago/PEMAX)

Steigende Zahlen, menschenunwürdige Bedingungen - Die BVG will Obdachlose aus den Bahnhöfen holen

BVG-Chefin Nikutta zeigt sich besorgt: In die beiden Kältebahnhöfe der Verkehrsbetriebe kommen in diesem Jahr nachts immer mehr Obdachlose. In einem Alarmbrief an den Senat pocht sie auf eine bessere Lösung für die Betroffenen.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen Obdachlose aus den U-Bahnhöfen herausholen. BVG-Chefin Sigrid Nikutta hat deswegen einen Brief an den Berliner Senat geschrieben und eine bessere Lösung eingefordert. Das bestätigte BVG-Sprecherin Petra Reetz am Donnerstag rbb|24.

Auslöser sei die gestiegene Zahl von Obdachlosen, die in den sogenannten Kältebahnhöfen übernachten, so Reetz. Das Verkehrsunternehmen öffnet im Winter jede Nacht die beiden Bahnhöfe Südstern und Schillingstraße für Wohnungslose. Die Zahl derer, die dieses Angebot annehmen, habe eine "neue Dimension" erreicht, so BVG-Sprecherin Reetz. Genaue Zahlen konnte sie nicht nennen, aber sie lägen im zweitstelligen Bereich. Der Brief stehe nicht in direktem Zusammenhang mit der Feuerattacke auf einen Obdachlosen im U-Bahnhof Schönleinstraße an Weihnachten. Er sei schon vorher verschickt worden.

Keine Toiletten, kein Wasser

Die Bahnhöfe seien ein "Notnagel", aber "kein Ort, an dem man sich im Winter dauerhaft gut aufhalten kann", betonte Reetz. So gebe es weder Toiletten noch fließend Wasser. In manchen Nächten sei die Situation "menschenunwürdig".

In dem Brief fordert das Verkehrsunternehmen die Senatsverwaltung dazu auf, sich des Themas anzunehmen. "Als Verkehrsunternehmen haben wir nicht die Kompetenz, eine Notunterkunft anzubieten", so Reetz. Dafür brauche es andere Partner. "Wenn es eine Unterkunft gibt, können wir die Betroffenen dorthin fahren", so das Angebot der BVG. Anfang Januar soll es dazu laut Sprecherin ein Treffen mit der neuen Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) geben.

Längst nicht alle Betroffenen wollen in Unterkünfte

Das Vorstandsmitglied der Diakonie Berlin-Brandenburg, Martin Matz, sprach von einem nachvollziehbaren Anliegen. Dass U-Bahnhöfe keine geeigneten Schlafplätze darstellten, sei klar. Allerdings kämen gerade die Menschen, die sich über Nacht in den U-Bahnhöfen aufhalten, aus verschiedenen Gründen nicht in die Einrichtungen der Kältehilfe. Obdachlose hätten oft psychische Probleme und fühlten sich in den Notübernachtungen nicht wohl, betonte Matz. "Es wird daher kaum gelingen, diese Menschen per Bus zu den Notübernachtungen zu fahren."

Fest stehe aber auch, dass es nicht genug Schlafplätze in der Berliner Kältehilfe für alle Obdachlosen gebe. Die Berliner Kältehilfe von Diakonie, Caritas und DRK bietet seit Anfang November bis Ende März bis zu 700 Schlafplätze. Davon sind laut Matz trotz milder Temperaturen durchschnittlich nur 70 ungenutzt. Schätzungen zufolge gibt es in Berlin rund 7.000 Obdachlose.

Angriff auf Obdachlosen sorgte für Entsetzen

Obdachlose halten sich aber in der kalten Jahreszeit nicht nur in den Kältebahnhöfen, sondern auch in anderen U-Bahnhöfen auf. In einem davon, in der Schönleinstraße in Neukölln, hatten über Weihnachten sieben Jugendlichen aus Syrien und Libyen versucht, einen 37-jährigen Wohnungslosen anzuzünden. Die Feuerattacke hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Durch schnelle Hilfe von Passanten blieb der Obdachlose unverletzt. Die mutmaßlichen Täter sitzen in Untersuchungshaft.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

6 Kommentare

  1. 6.

    Geht es wirklich um die Opfer, oder ist die Dame und Diakonien uvm. in Wirklichkeit mehr daran Interessiert einen Angenehmeren Anblick für Die Gäste ihrer U-Bahnhöfe darzustellen. Das Elend der Obdachlosen ist der Vrwaltung ist denen doch Scheißegal nur Lug und Betrug. Obdachlose sie werden einfach als einnahme Quelle betrachtet damit ausgemusterte Bedienstete der Verwaltung und Beamte weiterhin beschäftigt werden können.

  2. 5.

    leider ist das ganze ein gesellschaftliches Problem.Wir schaffen es das Flüchtlinge in Wohncontaiern, alten Schulen und Kitas, Turnhallen, Alten Flughafengebäuden oder alten Krankenhäusern untergebracht werden

    aber wir schaffen es nicht, das all die Obdachlosen zumindest für den Winter ein Dach über den Kopf haben

    es ist echt traurig
    mir geht es nicht darum diese beiden Gruppen gegeneinander auszuspielen
    aber es tut mir leid das zu sagen, es interessiert leider viele Politiker und Bürger einen feuchten D... was mit Obdachlosen ist, während man sich um die Flüchtlinge in punkto Unterkunft, Versorgung und Betreuung hervorragend kümmert und dort auch genügend Geld vorhanden ist.

  3. 4.

    Das kann nicht Ihr Ernst sein. Bitte machen Sie sich sachkundig bevor Sie einen solchen Müll verzapfen. Und mit der Finanzfrage braucht mir auch niemand kommen. Es ist niemandem zu vermitteln das wir genug Geld für eine Million Flüchtlinge haben aber nichts für die Obdachlosigkeit in unseren Städten ausgeben. Insofern ist Ihr letzter Satz komplett für die Tonne.

  4. 3.

    Wie naiv sind meine Vorredner eigentlich? Das Problem ist nicht, dass niemand versucht die Obdachlosen unterzubringen. Viele wollen nicht in Wohnungen wohnen. Lieber am Ku'damm auf der Straße als in Marzahn im Plattenbau. Da ist nicht zu helfen. Es wird in unserem Sozialsystem genug getan. Wer nicht will muss eben sehen. Es muss auch mal akzeptiert werden, dass man nicht allen helfen kann. Wer das möchte kann ja gern persönlich seine Hilfe anbieten oder wie soll das finanziert werden?

  5. 2.

    Seit Jahren frag ich mich, wieso gerade die Kirchen mit ihrem vielen Geld NICHT in der Lage sind dafür zu sorgen, dass Obdachlose endlich von der Straße weg kommen. Die Mitarbeiter/innen geben h angeblich barmherzig einfach Stullen und sonstige Almosen, ohne sich wirklich seelisch um dieser Menschen zu kümmern.
    Ich kenne mich bestens in Kalkutta aus und weiß, wie schwer es dort ist, Menschen aus den Elend zu begleiten.
    Aber hier in einem so reichen Land? Wäre alles nicht nötig, wenn Staat und besonders die Kirchen diese armen heruntergekommenen Menschen ernst nehmen und richtig in ein Leben in Würde begleiten würden.
    Man kann den Menschen durchaus sagen, dass sie auch selbst mithelfen müssen und vor allem dass sie von JESUS geliebt sind, wenn sie auch von Eltern und Freunden verlassen und vielleicht schwer traumatisiert worden sind.

    Wenn Menschen fühlen, dass man ihnen etwas zutraut, dann finden sie neuen Lebensmut.

  6. 1.

    Vorneweg: Ich habe vom Thema "Obdachlosigkeit" keine Ahnung. Aber als "Normalbürger" frage ich mich, warum wir als Gesellschaft es überhaupt zulassen, dass bei uns in Berlin mehrere Tausend Menschen ohne festes Dach über dem Kopf leben. Aus meiner Sicht ist es dringend erforderlich, für jeden dieser Menschen eine Lösung zu finden, die besser als eine Brücke oder ein U-Bahnhof ist. Natürlich ist es nicht mit der Wohnmöglichkeit getan. Gleichzeitig muss es psychologische Hilfen bis hin zur Therapie geben. Und es ist maximale Kreativität gefragt. Wenn Leute meinen, sie müssen unbedingt unter einer Brücke oder auf einem U-Bahnhof leben, dann muss man ihnen eben einen geschützten Raum schaffen, den man so gestaltet wie den Bereich unter einer Brücke oder in einem U-Bahnhof. Wenn das alles nichts hilft, muss man allerdings auch über eine Zwangsunterbringung nachdenken.

Das könnte Sie auch interessieren

(Quelle: dpa/Burgi)

Video | Höhere Strafen - Handyverbot am Steuer verschärft

Wer am Steuer mit seinem Telefon hantiert, muss künftig mit härteren Strafen rechnen: Bei Verstößen werden in Zukunft 100 Euro statt bislang 60 Euro fällig. In bestimmten Fällen drohen sogar ein doppelt so hohes Bußgeld und Fahrverbot.