Schüler der Charlottenburger Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Nizza (Quelle: rbb)
Video: rbb Fernsehen | Himmel und Erde | 15.07.2017 | Harriet Kloss und Markus Thöß

Dokumentation im rbb Fernsehen - Überlebende des Nizza-Attentats sprechen über diese Nacht

Vor einem Jahr rast ein Attentäter mit einem Laster in Nizza in eine Menschenmenge. Er tötet binnen Minuten 86 Menschen. Darunter zwei Schülerinnen und eine Lehrerin aus Berlin. Die überlebenden Jugendlichen und Lehrer sprechen über diese Nacht in einem Film im rbb Fernsehen. Von Ulrike Bieritz

30.000 Menschen feierten am 14. Juli 2016 in Nizza den französischen Nationalfeiertag, als ein LKW in die Menge raste. 86 Menschen starben, 400 wurden zum Teil schwer verletzt. Unter den Opfern ist auch eine Klasse und zwei Lehrer der Charlottenburger Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule aus Berlin. Zwei Schülerinnen und eine Lehrerin sterben. Amal überlebt schwer verletzt. Das rbb Fernsehen begleitet Amal und ihren Kampf ins Leben zurück seit Monaten in der Dokumentation "Auf Leben und Tod – Das Unfallkrankenhaus Berlin".

Amal, Schülerin der Charlottenburger Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule (Quelle: rbb)
Amal musste nach dem Anschlag notoperiert werden

Für alle ist das Leben von einem Tag auf den anderen aus den Fugen geraten. Jetzt, ein Jahr nach dem schrecklichen Ereignis, sprechen Schülerinnen, Schüler, Eltern und Lehrer darüber. Bisher haben sie es in dieser Art und Weise noch nicht getan. Die Geschehnisse sind immer noch sehr präsent. Entstanden ist aus den vielen Gesprächen der Film "Klassenfahrt nach Nizza – ein Jahr nach dem Anschlag", für das rbb Fernsehen.

Klassenfahrt nach Nizza

Es sollte der Höhepunkt des Schuljahres werden. Nizza, französische Riviera, Strand, Sonne, ein wenig Urlaub und am Abend das Feuerwerk zum Französischen Nationalfeiertag. "Wir waren einfach eine coole Truppe, wir waren alle happy", erinnert sich Amal. Sie spricht von einem schönen Lebensgefühl, und dass es einer der schönsten Momente gewesen sei, den sie hatte.

Und dann war mit einem Schlag alles anders

Um 22.45 Uhr rast ein weißer LKW in die Menschenmenge. Der Terrorist Mohamed Bouhlel überfährt auf der Promenade des Anglais über 80 Menschen und verletzt mehr als 400. Die Schülerinnen und Schüler, eine Lehrerin und ein Lehrer der Paula–Fürst–Gemeinschaftsschule sind unter ihnen. Melina konnte sich mit anderen retten. Sie hätten Glück gehabt, meint sie. Es sei alles so schnell gegangen. Sie habe ein dumpfes Geräusch gehört und Schreie. Schutz finden sie in einem Gebäude, laufen aufs Dach.

Franziska, Schülerin der Charlottenburger Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule (Quelle: rbb)
Franziska sagt, wir konnten nicht weinen

Es folgen bange Stunden, bis es zur Gewissheit wird, die Lehrerin und zwei Mädchen gehören zu den Todesopfern. Amal liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Für alle verändert sich von einem Moment auf den anderen alles. "Wir wussten alle nicht, was wir machen sollen. Saßen da, also man konnte im ersten Moment auch nicht weinen, das war einfach ein Gefühl des Schocks", sagt Franziska. Vor allem der Moment als klar war, die Lehrerin und zwei Mitschülerinnen, Freundinnen, sind tot. Amal muss notoperiert werden, ihre Eltern reisen sofort nach Nizza.

Umgehen mit dem Geschehen

Zu Hause in Berlin teilt die Schule Mitschülern und Eltern die schreckliche Nachricht mit. Das sei so furchtbar gewesen, berichtet Horst Schallnas, der stellvertretende Schuldirektor. Am schlimmsten sei gewesen, den Namen der verstorbenen Kollegin aus der Kollegiumsliste zu streichen.

Für die meisten Schülerinnen und Schüler ist es schwer, sich wieder auf den Schulalltag zu konzentrieren, auf die Prüfungen und das Abitur vorzubereiten. Die Freundinnen fehlen, aber sie haben auch das Gefühl, enger zusammenzurücken. Sie wünschen sich eine Gedenkstätte, sammeln dafür Ideen, die Schulleitung unterstützt sie. Ein Gedenkstein wird gesetzt.

Erinnerungen kommen zurück

Als im Dezember Anis Amri den LKW in den Berliner Weihnachtsmarkt auf den Breitscheidplatz lenkt, kommen Erinnerungen wieder hoch und Angst. Aber davon wollen sie sich nicht bestimmen lassen, wie Jacob für alle sagt: "Diese Menschen wollen einem Angst machen. Das geben wir ihnen nicht. Wir geben ihnen nicht die Angst".

Die Schüler und Lehrer geben sich gegenseitig Halt, sie sind näher zusammengerückt. Sie alle wird das Geschehen nicht mehr loslassen. Die einen haben Abitur gemacht, wollen ein neues Kapitel aufschlagen. Andere können es noch nicht.

Die Dokumentation "Klassenfahrt nach Nizza - ein Jahr nach dem Anschlag" wird am 15.07.2017 um 18 Uhr im rbb Fernsehen gezeigt.

Beitrag von Ulrike Bieritz

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(Quelle: dpa/Burgi)

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