Symbolfoto: Neugeborenes in den Händen des Doktors (Quelle: imago/Westend61)

Herausforderungen für Berliner Kreißsäle wachsen - Geburtsklinik in Friedrichshain an jedem zweiten Tag überlastet

In manchen Berliner Kliniken ist wegen der steigenden Geburtenzahlen der Ansturm auf die Kreißsäle so groß, dass Rettungswagen mit Schwangeren woanders hinfahren müssen. Das Problem ist nur: In anderen Bezirken sieht die Lage kaum besser aus.

Der Babyboom in der Hauptstadt stellt einige Berliner Kliniken vor immer größere Herausforderungen. "Im Juli musste zum Beispiel die Anfahrt zu den Kreißsälen des Klinikums im Friedrichshain wegen des Andrangs an 15 von 31 Tagen eingeschränkt werden", sagt Kristina Tschenett, Sprecherin des kommunalen Klinikkonzerns Vivantes. "Wir bitten dann bei der Feuerwehr darum, nicht mehr von Rettungswagen mit Gebärenden angefahren zu werden."

Natürlich bleibe kein Notfall unversorgt, betonte Tschenett. Aber wenn noch genug Zeit bis zur Geburt bleibt, organisiert das Krankenhaus die Niederkunft in einer anderen Berliner Klinik mit. Aber auch das werde zunehmend schwieriger, ergänzte die Sprecherin.

Auch an der Charité gibt es Engpässe

In den Vivantes-Geburtskliniken kommt rund jedes dritte Berliner Kind zur Welt. 2016 waren es 12.602 - und damit rund 500 mehr als im Vorjahr. Zum Halbjahr wird die Anzahl der Niederkünfte bei Vivantes nicht erhoben.

An der Charité gab es zwischen Januar und Juli 2.655 Geburten, bei denen 2.752 Babys das Licht der Welt erblickten. Auch dort wird es manchmal richtig voll. "Durch unsere zwei Standorte der Geburtsmedizin können wir Engpässe aber in vielen Fällen gut kompensieren", sagte eine Sprecherin. 2016 wurden in der Charité 5.441 Babys geboren.

"Es werden eindeutig mehr Geburten, auch, weil Berlin eine wachsende Stadt ist", ergänzt Vivantes-Sprecherin Tschenett. Am Klinikum im Friedrichshain, das nah an Berlins östlichen Szene-Bezirken mit vielen jungen Paaren liegt, gab es seit dem Wendejahr 1989 nicht mehr so viele Niederkünfte. "Wir haben bereits einen zusätzlichen Behandlungsraum eingerichtet", berichtet Tschenett.

Hebammen müssen bis zu fünf Geburten parallel betreuen

Auch weil immer mehr junge Menschen nach Berlin ziehen, sind die Geburtenzahlen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Wurden 2010 noch 34.969 Kinder in Berlin geboren, waren es 2016 bereits 41.738. Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung betonte in der Vergangenheit, dass der Geburtenanstieg "in erster Linie erfreulich" sei: "Die Versorgung ist nicht gefährdet, eine Entbindung ist nur nicht immer am Wunschort möglich."

Der Berliner Hebammenverband sieht das anders. Die Vorsitzende Susanna Rinne-Wolft beschreibt, "dass Frauen teilweise mit Wehen von einem Kreißsaal zum nächsten fahren und zu hören bekommen, tut uns leid, wir können sie nicht aufnehmen." In den Kliniken müssten dann die Hebammen im Extremfall bis zu drei, vier oder gar fünf Frauen gleichzeitig bei der Geburt betreuen.

In Berlin gibt es 16 Geburtskliniken. Schwangere können ein Wunschkrankenhaus angeben, doch eine Garantie für die Niederkunft dort gibt es nicht. Nach einer Umfrage der Krankenkassen AOK, Barmer und der Bertelsmann-Stiftung unter rund 15.600 Müttern würden 80 Prozent nach der Entbindung die jeweilige Klinik ihrer besten Freundin weiterempfehlen. Das liegt unter dem Bundesdurchschnitt von 83 Prozent. Die höchste Zufriedenheit gab es nach dieser Erhebung mit Ärzten und Hebammen (jeweils 84 Prozent), die niedrigste mit Organisation und Service (77 Prozent).

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Der Senat spart und die Krankenhäuser sind nur am wirtschaftlichen Erfolg interessiert. Was soll denn dabei heraus kommen? Sicher nicht das Wohl des Patienten.

  2. 1.

    Hier muss der Senat schnellstmöglich aktiv werden. Sonst könnte sich der positive demographische Trend, den wir in Berlin gerade haben, sehr schnell wieder umkehren.

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