Kinderschuhe stehen in einer Kita aneinandergereiht (Quelle: dpa)

Geld soll vom Land kommen - Potsdam will Personalschlüssel in Kitas verbessern

Viele Potsdamer Kitas sind personell unterbesetzt - nun sagt Oberbürgermeister Jakobs mindestens drei Millionen Euro zusätzlich zu. Das Geld will er sich notfalls vom Land einklagen. Denn das lasse die Kommunen nachweislich im Stich.

Potsdamer, deren Kinder in eine Kita gehen, können künftig mit einem verbesserten Personalschlüssel rechnen. Das kündigte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung an. Demnach wolle die Stadt im kommenden Jahr mindestens drei Millionen Euro zusätzlich in den Haushalt einstellen.

Damit lässt sich rechnerisch rund eine zusätzliche Stelle pro Kita finanzieren. Das ist dringend nötig, denn laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung müssen Potsdamer Erzieherinnen rund zwei Kinder mehr betreuen als im Bundesdurchschnitt. Bislang kümmert sich in der Brandenburgischen Landeshauptstadt eine Erzieherin im Schnitt um 6,5 Kinder unter drei Jahren. In den Gruppen der 3- bis 6-Jährigen liegt der Betreuungsschlüssel bei 11,1 Kindern.

Gutachten ergibt, dass das Land deutlich zu wenig zahle

Das Geld für das zusätzliche Personal will sich Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) vom Land zurückholen - und dafür notfalls klagen. Denn die Beiträge des Landes zur Kita-Finanzierung reichten bei weitem nicht aus, um die realen Kosten der Kommunen zu decken. "Wir werden nun Gespräche mit dem Land über höhere Zuschüsse führen und dabei mit einer größeren Verbindlichkeit als bislang auftreten," sagte Jakobs am Donnerstag dem rbb.

Dass auch andere Städte und Gemeinden eine ähnliche Situation haben, mache es ein Stück weit leichter, die Forderungen gegenüber dem Land zu vertreten. Jakobs stützt sich dabei auf ein Rechtsgutachten, dass die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Es kommt zu dem Schluss, dass die Zuschüsse des Landes bei Weitem nicht ausreichten. Denn Brandenburg zahle lediglich für sechs Stunden Betreuung pro Kind und Tag. Tatsächlich sind jedoch viele Kinder acht bis zehn Stunden in der Kita.

Träge drohten bereits, Zehn-Stunden-Verträge zu reduzieren

Weil der Personalschlüssel für diese längeren Arbeitszeiten nicht ausreiche, hatten einzelne Kita-Träger bereits angekündigt, nur noch eine begrenzte Zahl von Zehn-Stunden-Verträgen anzubieten - auch wegen zunehmender Überlastungsanzeigen von Mitarbeitern.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.09.2017, 07:44 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Lustig: das rote Pdm. will von der roten Landesregierung Geld für Kinderbetreuung ausgerechnet jetzt vor der Wahl. Da drängen sich Gedanken auf: tendenziell wollen rote Parteien nicht Mittel erwirtschaften sondern verteilen. In Talks wird bessere Bildung versprochen. Da brauch man nur nach Brandenburg schauen, um zu sehen was damit gemeint ist. Sogar die zweite Fremdsprache soll als Pflichtfach abgeschafft werden! Gut das sich die Brandenburger Politik nicht in ganz Deutschland verbreitet. Deshalb unbedingt wählen gehen!

Das könnte Sie auch interessieren

Julia Hübner, Stella Bauhaus, Shai Hoffmann und Jakob Mader vor dem Bus der Begegnungen

"Bus der Begegnungen" - Politisches Dating im Doppeldecker

Menschen zusammenbringen, miteinander ins Gespräch kommen, für eine offene Gesellschaft werben – all das wollten die Initiatoren des "Bus der Begegnungen", während sie im roten Doppeldecker durchs Land tourten. Der Gründer erzählt, ob dieser Plan aufgegangen ist.