Ein aus Syrien geflohener Mann blättert in einer neu eröffneten Asylothek in einem Buch (Quelle: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)

Bibliotheken kommen zu den Menschen - Bücherkisten für Berliner Flüchtlingsheime

Die Berliner Bibliotheken bauen ihr Angebot für Flüchtlinge weiter aus. Demnächst soll es in Unterkünften in der ganzen Stadt Bücherboxen geben. Bereits jetzt nutzen Flüchtlinge die Bibliotheken rege. 5.200 Leseausweise sind schon herausgegeben worden.

Die Bibliotheken der Stadt Berlin wollen künftig Flüchtlingsunterkünfte flächendeckend mit Bücherkisten versorgen. Nach Angaben der Sprecherin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), Anna Jacobi, stellt der Senat dafür 125.000 Euro zur Verfügung.

Mahnaufkommen nicht höher als beim Rest der Leserschaft

Die Boxen sollen eine erste Versorgung mit Büchern bieten. Bücherkisten gibt es laut Jacobi bereits jetzt vereinzelt in Flüchtlingsunterkünften. Das Geld vom Senat - es kommt aus dem Masterplan für Integration und Sicherheit - solle nun aber eine breite Versorgung sichern. In den Kisten sollen unter anderem Informationen über Berlin, Sprachkurse oder auch Comics liegen, die das Deutschlernen erleichtern.  

Seit gut einem Jahr geben die Bibliotheken auch Nutzerausweise an Flüchtlinge aus, die noch keine feste Wohnadresse haben. Aktuell haben sich rund 5.200 Leser ein solches Dokument ausstellen lassen. Die Zahl der seit September ausgegebenen Nutzerausweise für Flüchtlinge ohne amtliche Meldebescheinigung sei sehr schnell gestiegen, sagte Jacobi. Die Ausweise, mit denen Medien ausgeliehen werden können, würden in der Regel auch nicht missbraucht. "Wir haben ganz gute Erfahrungen gemacht. Das Mahnaufkommen ist nicht höher als beim Rest der Leserschaft", sagte Jacobi.

Viele Menschen nutzen das Angebot auch ohne Ausweis

Die Ausweise sind jeweils drei Monate gültig. In der Regel sei der Aufenthaltsstatus in dieser Zeit auch geklärt und die Leser bekämen dann einen regulären Ausweis. Um in den Bibliotheken lesen oder das kostenlose WLAN nutzen zu können, sei aber kein Ausweis nötig. Daher nutzten auch viele Menschen ohne Ausweis das Angebot.

Darüber hinaus gibt es weitere Angebote für die Flüchtlinge. "Für alle Schüler aus Willkommensklassen gibt es unter anderem Führungen und Workshops", sagte Jacobi. Die Bibliotheken stellen ihren Angaben zufolge auch Volkshochschulen ihre Räume für Deutschkurse zur Verfügung.

Insgesamt komme das Angebot bei den Flüchtlingen sehr gut an. "Wir erreichen auch Menschen, die vorher nicht unbedingt in Bibliotheken gegangen sind", sagte die Sprecherin. Dies sei auch freiwilligen Helfern zu verdanken. Diese kämen oft mit ganzen Flüchtlingsgruppen und unterstützten diese bei ihren ersten Schritten.

Bibliotheksverband fordert klare Definition per Gesetz

Der Deutsche Bibliotheksverband lobt die Integrationsleistung der Bibliotheken, fordert aber eine gesetzliche Regelung. Stefan Rogge vom Vorstand des Landesverbands Berlin erklärte, dass die Berliner Bibliotheken in Abstimmung mit der Senatskanzlei sehr schnell reagiert hätten, als die erste große Welle an Flüchtlingen kam. Berlin sei beispielsweise die erste Stadt gewesen, in der es so schnell und unbürokratisch Ausweise gab.

 "Aber die Integrationsleistung der öffentlichen Bibliotheken ist nirgendwo verankert. Es gibt keine Aussage, was Bibliotheken leisten sollen", kritisierte Rogge. Es werde zwar Geld ausgereicht, aber das Maß des Engagements sei nicht klar definiert. "Es wäre hilfreich, wenn bestimmte Aufgaben im Bibliotheksentwicklungsplan oder Bibliotheksgesetz festgeschrieben würden", so Rogge. Der letzte Entwicklungsplan stamme aus dem Jahr 1996 und sei nicht mehr ganz aktuell.

Das könnte Sie auch interessieren

(Quelle: dpa/Burgi)

Video | Höhere Strafen - Handyverbot am Steuer verschärft

Wer am Steuer mit seinem Telefon hantiert, muss künftig mit härteren Strafen rechnen: Bei Verstößen werden in Zukunft 100 Euro statt bislang 60 Euro fällig. In bestimmten Fällen drohen sogar ein doppelt so hohes Bußgeld und Fahrverbot.