Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin (Quelle: imago/Stefan Zeitz)

Interview | Flüchtlingsunterbringung in Sporthallen - "Das ist ein Versagen auf ganzer Linie"

Sporthallen sind keine optimalen Unterkünfte für Flüchtlinge, darin dürften sich Berlins Senat und Landessportpräsident Klaus Böger einig sein. Wie schnell jedoch die Hallen wieder für die Sportvereine zugänglich gemacht werden, darüber gibt es heftigen Streit.

rbb: Von den leergeräumten Sporthallen sind bislang zwei an den Sport zurückgegeben worden. Sie haben dem Berliner Senat deshalb Unfähigkeit vorgeworfen...

Klaus Böger: Anders kann man das nicht nennen. Wir verlangen, dass sich der Senat an seine Beschlüsse hält. Zu Jahresbeginn hat der Senat gesagt, dass er es bis Anfang des Schuljahres 2016/17 schaffen will. Im September hieß es dann bis Ende 2017. Und vor Kurzem hat Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen am Rande einer Pressekonferenz gesagt, dass der Senat erst zum Schuljahresbeginn 2017/18 alle Sporthallen freigeräumt und saniert haben will. Man kann es nicht anders sagen, aber das ist das Gegenteil von guter und verlässlicher Politik. Das ist ein Verschiebebahnhof und ein Versagen auf ganzer Linie.

Auch die Standorte für Wohncontainer sind noch nicht geklärt. Dadurch wird der Freizug der Turnhallen aber noch länger dauern...  

Das ist ja das Verwirrspiel, das uns alle ärgert. Ich finde es richtig, Menschen in Not zu helfen. Jawohl, das tue ich, das tut der Sport und viele andere Menschen. Man muss das konsequent wollen, auch in den Bezirken und im Senat. Turnhallen sind - zurückhaltend ausgedrückt - keine optimale dauerhafte Unterkunft für Menschen. Deshalb muss man sich um Ersatzquartiere kümmern. Stattdessen werden Gebiete angegeben, von denen man vorher weiß, dass es gar nicht geht. Dann gehen zwei Monate ins Land und es heißt: Oh, hier geht es ja nicht.

So kann man nicht damit umgehen, so verliert man Vertrauen. Dass dies nun ausgerechnet den Sport trifft, ist besonders bitter, weil der Sport sehr viel für die Integration tut. Das kann und will er auch und das werden wir weiterhin tun. Zum anderen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene davon betroffen, die einfach Sport treiben wollen. In jeder Sonntagsrede wird gesagt, wie bedeutsam der Sport ist, und im Laufe der Woche lässt man das liegen.

Sie sind wie der Regierende Bürgermeister Müller SPD-Mitglied und waren auch mal Senator. Sie müssten doch eigentlich einen guten Draht zur Regierung haben? Oder haben Sie sich mit Ihrer Kritik nur noch Ärger in der Partei eingehandelt?

Ich vertrete den Sport in Berlin und den vertrete ich konsequent. Es ist nicht so, dass Sport überhaupt keinen Rückhalt hätte: Das stimmt weder bei der Großen Koalition, die eine wunderbare Beschlusslage hat, an die sie sich nur nicht gehalten hat, noch stimmt das bei anderen Parteien. Man muss aber offensichtlich jeden Tag darum ringen, dass in den politisch wichtigen Feldern in Berlin der Sport nicht untergeht. Das tue ich nachhaltig, da ist mir Ärger vollkommen wurscht.

Was wird nun in Zukunft passieren?

Ich hoffe sehr, dass der Weckruf auch ankommt. Ich habe gehört, dass sich manche nun zumindest intensiver darum kümmern müssen. Wir haben eine amtierende Regierung, das Gehalt läuft weiter und auch die Arbeit von ihr muss weiterlaufen. Da kann man nicht einfach so tun, als wäre man nicht erreichbar.

Ich erwarte, dass man sich dieser Aufgabe tatsächlich annimmt und eben zügig ausschreibt. Wir haben auch Vorschläge gemacht, etwa vereinfachte Ausschreibungen zu machen, um nicht noch bürokratische Hemmnisse aufzuwerfen. Man kann das machen.

Insgesamt kann ich nur sagen: Auch in der Politik gib es Quittungen für solches Verhalten. Sportler sind geduldsame Menschen, aber wenn man Vertrauen verspielen will, muss man so handeln. Ich aber kann das nicht und will das nicht akzeptieren. Und ich will eigentlich auch nicht glauben, dass die Berliner Politik weiterhin so handelt.

Das Interview führte Thomas Kroh für das rbb-Inforadio.

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(Quelle: dpa/Burgi)

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