Fahrkartenentwerter im U-Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin (Quelle: imago/Schöning)

Debatte um SPD-Vorschlag - Billigeres Sozialticket könnte Berlin ordentlich kosten

Zehn Millionen Euro könnte es das Land Berlin kosten, den Preis für das Sozialticket um elf Euro zu senken - das sagte am Montag Verkehrssenator Geisel (SPD). Haarig: Noch vor wenigen Monaten gab es von offizieller Seite ganz andere Zahlen.

Nach seinem Vorschlag für ein günstigeres Sozialticket bekommt Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) noch mehr Contra aus Berlin: Eine Preissenkung werde deutlich mehr kosten als die von Geisel genannten rund zehn Millionen Euro, hieß es von den Berliner Verkehrbetrieben in der "Berliner Morgenpost" vom Mittwoch.

So würde die BVG durch die vorgeschlagene Preissenkung um elf Euro rund 16 Millionen Euro weniger einnehmen, die S-Bahn Berlin mindestens vier Millionen Euro. Außerdem könnten sich die Verluste noch dadurch erhöhen, dass mehr Menschen eine Monatskarte nutzen, statt sich Einzeltickets zu kaufen.

Auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft unter Senatorin Cornelia Yzer (CDU) hatte im Juli in einer Antwort auf eine Anfrage der Linken mitgeteilt, eine Preissenkung um elf Euro würden "zusätzliche Kosten von überschlägig rund 23 Millionen Euro pro Jahr bedeuten, die den Verkehrsunternehmen als Ausgleich für entgangene Fahrgeldeinnahmen zustehen."

Grüne und Linke über Alleingang verärgert

Noch-Verkehrssenator Geisel hatte am Montag überraschend ins Gespräch gebracht, den Preis für das Sozialticket von 36 auf 25 Euro zu senken. Mit diesem Ticket fahren Empfänger von Arbeitslosengeld II günstiger Bus und Bahn.

Linke und Grüne, mit denen die SPD momentan Koalitionsgespräche führt, zeigten sich verärgert über Geisels Vorstoß. "Schön, dass auch die SPD erkennt, dass Bus- und Bahnfahren in Berlin wieder günstiger werden muss", erklärte Grünen-Chef Daniel Wesener am Dienstag. "Das nächste Mal würden wir aber lieber vorher und mit allen drei Koalitionsparteien darüber sprechen."

Grundsätzlich aber fordern jedoch Linke wie Grüne einen niedrigeren Preis für das Sozialticket. Die Grünen kündigten auch an, bei einer Regierungsbeteiligung wollten sie die für den Jahreswechsel geplanten Preiserhöhungen für reguläre Tickets stoppen. Einzelfahrausweise in Berlin sollen dann zehn Cent teurer werden. Die SPD hingegen rechtfertigte diese Erhöhung zuletzt.

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5 Kommentare

  1. 5.

    Warum sollte man Berliner Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger mit bezahlbahreren Fahrtickets versorgen. Bloß damit Menschen die Berlin mal mitgestaltet haben, diese rücksichtslose baulich und moralisch verwahrloste Stadt, die viele von ihnen nicht wieder erkennen würden, sich ansehen können. Sie würden an manchen Stellen einen Schock kriegen was die Touri-und Saufgeneration aus Berlin gemacht hat. Nee Politiker und Medienleute macht weiter so: Schäuble als Ehrenbürger und Gas-Gerd Schröder als Retter der Kaisers Mitarbeiter, sowas braucht diese Stadt und dieses Sch...land. Ich kenne viele dieser Abgehängten die froh sind das sie nicht noch 30-40 Jahre in so einer A-lochgesellschaft weiter leben müssen, gut das keiner von denen Islamist ist.

    Ciao
    DD

  2. 4.

    Diese Entscheidung ist richtig und Sinnvoll, denn die Kosten für Bahn und Bus in Berlin sind nicht grade gering. Zudem soll der Hilfeempfänger ja Mobil und Flexibel sein, dass kann er aber nur wenn er problemlos Bus und Bahn nutzen kann.
    Und da 25,00 Euro im Regelsatz dafür vorgesehen sind, stimmt der Preis mit dem Regelsatz überein.
    Das sollte der Bund vielleicht für ganz Deutschland regeln, dass Nahverkehrsunternehmen dazu verpflichtet werden bei Vorlage eines gültigen SGB II Bescheids den Fahrpreis für ein Monatsticket auf 25,00 Euro zu beschränken . Immerhin gilt fordern und fördern. Wir haben in Deutschland auch eine Buchpreisbindung, warum also keine Fahrpreisbindung für Menschen mit Sozialhilfe und SGB II Leistungen.

  3. 3.

    Warum wurde dsa S-Ticket auf 36€ überhaubt so angesetzt?
    Das S-Ticket muss so viel kosten wie der Regelsatz es hergibt (25€)und nicht teurer, denn es heißt ja Sozial-Ticket.
    Denn so fördert man das Schwarzfahren, wenn arme Kunden es sich nicht leisten kÖnnen.
    Ich wünsche mir eine Preissenkung , die ist notwendig.

  4. 2.

    im Hartz 4 Regesatz ist nur 25€ für Verkehr vorgesehn.
    Selbst viele Bezieher/in können sich keine S-Ticket leisten (36€), auch Leute die sehr wenig Lohn haben und noch Hartz bezeihen (aufstocker).
    Ich und viel andere begrüßen es ,das die Preise für BVG usw. runter gehn müssen für sozialschwache Leute.

  5. 1.

    Insgesamt die Fahrpreise runter wäre sinnvoller.
    Letzendlich wieder ein Beispiel in dem Familien,
    die knapp überhalb der Transferleistungsgrenze liegen,
    deutlich schlechter gestellt sind.

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