Eine Bezahlkarte von JustPay für das Berliner Olympiastadion (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Audio: Inforadio | 18.05.2017 | Hertha-Pressesprecher Marcus Jung

Insolvenz des Bezahlsystem-Anbieters - Hertha setzt nicht alles auf eine Karte

Ein Betreiber von bargeldlosen Bezahlkarten in Fußballstadien hat Insolvenz angemeldet. Auch Hertha BSC ist betroffen. Seitdem fragen sich die Fans, was mit ihrem Geld passiert. Am letzten Spieltag sollen die Karten noch mal genutzt werden können - oder gespendet. Von John Hennig

Wenn Hertha BSC am Samstag gegen Bayer Leverkusen der Einzug in die Europa League gelingen sollte, können die Berliner Fans noch im Stadion anstoßen. Und dabei sogleich ihre Bezahlkarten aufbrauchen.

"Die Karten werden wie üblich nutzbar sein", sagte Pressesprecher Marcus Jung am Donnerstag, "mit einer einzigen Einschränkung; dass sie nicht mehr aufgeladen werden können." Wenn das Guthaben auf den Karten aufgebraucht ist, können die Fans aber auch auf Barzahlung umsteigen. Das ging bei Hertha BSC im sogenannten dualen Bezahlsystem seit jeher sowieso.

Abschließende Entscheidung wohl erst im Juli

Dass Pressesprecher Jung überhaupt betonen musste, dass die Karten genutzt werden können, liegt daran, dass der Betreiber der Bezahlkarten, die Payment Solutions Services GmbH, Insolvenz angemeldet hat. Seitdem herrschte große Unsicherheit, was mit dem Guthaben auf den Karten passiert. Denn der Anbieter des bargeldlosen Kassen- und Bezahlsystems im Olympiastadion hatte in einer Pressemitteilung vor einer Woche verkündet, dass seine JustPay-Karten in den Stadien ab sofort nicht mehr nutzbar seien.

Finanzchef Ingo Schiller betonte zwar umgehend, dass man die Pressemitteilung zur Kenntnis genommen habe, aber sich noch im intensiven Austausch befinde, "um für unsere Fans eine gute Lösung zu finden, die einen Einsatz der Karte samt Auszahlung ermöglicht". Wie schwierig die Gespräche gewesen sein müssen, zeigt der Umstand, dass die Verantwortlichen zu Beginn dieser Woche auf Nachfrage von rbb|24 noch auf die Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag verwiesen. Dort konnte man aber wie versprochen eine Lösung präsentieren, ebenso wie angekündigt im Sinne der Fans.

Karten aufbrauchen oder spenden

Wie es nach dem Saisonende weitergeht, ist dagegen noch völlig unklar. Hertha BSC bestätigte dem rbb, dass man zunächst das Insolvenzverfahren abwarte, wie andere betroffene Vereine auch. Eine abschließende Entscheidung über die Behandlung der bestehenden Guthaben auf den Karten könne "voraussichtlich erst im Juli 2017" getroffen werden, teilte der Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz mit.

Hertha hatte bereits angekündigt, für mögliche Verluste von Fans aufzukommen, falls es dann keine Möglichkeit mehr einer Auszahlung gebe. Nun hofft der Verein aber, dass zum Saisonabschluss der überwiegende Teil der Anhänger die Gelegenheit nutzt, sein Guthaben aufzubrauchen oder die Bezahlkarten zu spenden. Denn Jung verwies zugleich auf die von Hertha-Fans initiierte und vom Verein unterstützte Aktion "Spendet Becher - rettet Leben", bei der neben dem Becherpfand auch die Karte gespendet werden könne. Neben dem Restguthaben wären das auch die zwei Euro Kartenpfand.

Zahlreiche weitere Vereine betroffen

Von der Insolvenz des Bezahlkarten-Anbieters sind derweil zahlreiche weitere Erst- und Zweitligisten betroffen, darunter der FC Augsburg und Eintracht Frankfurt sowie 1. FC Kaiserslautern und Dymano Dresden. Interessant ist, dass etwa Kaiserslautern und Dresden mitteilten, dass eine Bezahlung mit einer JustPay-Karte am letzten Spieltag nicht möglich sei.

Bezahlkarten sind nicht erst seit den aktuellen finanziellen Problemen umstritten. Der 1. FC Köln war 2014 etwa wieder zur Bargeldzahlung zurückgekehrt, nachdem 80 Prozent der Fans in einer Umfrage sich dafür ausgesprochen hatten. Auch andere Vereine sind zwischenzeitlich wieder abgesprungen. Und im Winter deckte ein Team der "ARD-Radio-Recherche Sport" gemeinsam mit Verbraucherschützern auf, wie Fans durch sogenannte Schlummergroschen um Geld gebracht werden.

Dass die Karten nicht auf große Gegenliebe stießen, zeigten auch die Zahlen: Das 2006 gegründete Hamburger Unternehmen Payment Solution Services erwirtschaftet seit Jahren rote Zahlen. Laut Bundesanzeiger betrug der "nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag" Ende 2015 mehr als zehn Millionen Euro. Anfang Mai stellte das Unternehmen nun den Insolvenzantrag, nachdem "der Mehrheitsgesellschafter nicht mehr von der nachhaltigen Tragfähigkeit der vorgelegten Zukunftskonzepte für die payment solution services GmbH überzeugt werden konnte", wie es in einer Pressemitteilung der Muttergesellschaft Sandpiper Digital Payment heißt.

Beitrag von John Hennig

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Eisbären-Spieler versucht einem Münchener den Puck abzunehmen. (Quelle: imago/Nordphoto)

Siegesserie gerissen - Eisbären Berlin verlieren beim Meister

Der Meister war einfach eine Nummer zu groß: Nach vier Siegen in Serie endet die Erfolgsgeschichte der Eisbären der letzten Wochen in München - vorerst natürlich. Nach turbulenten ersten Minuten zeigten die Münchner den Berlinern die Grenzen auf.