Archivbild: Der Berliner Mittelfeldspieler Erich Beer (r, vorn) versucht vor den Belgrader Gegenspielern an den Ball zu kommen. Fußball-Bundesligist Hertha BSC Berlin gewinnt am 25.04.1979 im heimischen Olympiastadion das Halbfinal-Rückspiel im UEFA-Cup gegen die Elf von Roter Stern Belgrad mit 2:1, scheidet aber aufgrund des Belgrader Gegentores aus dem Wettbewerb aus. (Quelle: dpa/Chris Hoffmann)
Audio: Inforadio | 12.09.2017 | 16.15 Uhr

Hertha und die Europapokal-Historie - Alte Dame auf Europa-Tournee

Erstmals seit acht Jahren hat sich Hertha BSC für das internationale Geschäft qualifiziert. Am Donnerstag empfangen die Berliner in der Europa League Atletic Bilbao. Vor dem Comeback auf internationalem Parkett schauen wir zurück auf Herthas Historie im Europapokal. Von Jakob Rüger

Es war der 24. April 1979: Hertha BSC stand dicht davor, erstmals ein europäisches Pokalfinale zu erreichen. Erich Beer und Wolfgang Sidka hatten die Berliner gegen Roter Stern Belgrad mit 2:0 in Führung gebracht, nach dem 0:1 im Hinspiel fehlten Hertha 15 Minuten bis zum UEFA-Cup-Finale.

Doch dann ließ Milos Sestic den Traum der Blau-Weißen platzen, er traf vor offiziell 75.000 Zuschauern bei strömendem Regen im Berliner Olympiastadion zum 2:1. Wegen des erzielten Auswärtstores endete Herthas Reise in diesem UEFA-Cup-Halbfinale.  

Bis heute ist dies der größte europäische Erfolg der Clubgeschichte. 1963 spielte Hertha erstmals international, scheiterte aber schon in der ersten Runde am AS Rom.

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Hertha in der Königsklasse

Die Krönung der internationalen Spiele erlebte Hertha 1999. Im zweiten Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg wurden die Berliner Dritter in der Bundesliga: Der Lohn war die Champions League und damit das Who is Who der Weltklasseteams: AC Mailand, Galatasaray Istanbul, FC Chelsea. Hertha gewann die Heimspiele gegen Chelsea und den AC Mailand und erreichte die damals noch ausgespielte zweite Gruppenphase. Die Gegner: FC Porto, FC Barcelona, Sparta Prag. Dem FC Barcelona trotzte Hertha im legendären Nebelspiel im Olympiastadion ein 1:1 ab.  

Jahrelang international, jahrelang harmlos

Ab dem Jahr 2000 waren die Berliner Stammgast im international zweitklassigen UEFA Cup. Doch für Schrecken sorgte die Alte Dame nie. 2003 war das polnische Grodzisk eine Nummer zu groß für den Hauptstadtclub. 2006 folgte das Erstrundenaus gegen das kleine Odense aus Dänemark.

Peinlich für Kapitän Arne Friedrich und Co. Hertha und der Europapokal, nicht gerade eine Erfolgsgeschichte. 2002 schafften es die Berliner immerhin bis ins UEFA- Cup-Achtelfinale.

Der letzte Europapokalauftritt vor acht Jahren wäre gegen Teams wie Heerenveen oder Ventspils fast in der Gruppenphase zu Ende gegangen. Mit dem damaligen Trainer Friedhelm Funkel schafften die Berliner es noch ins Sechzehntelfinale, dort scheiterte Hertha an Benfica Lissabon.

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2017: Bilbao, Östersund, Luhansk und geringes Zuschauerinteresse

Nun beginnt ein neues Kapitel in Herthas Europapokalgeschichte. Insgesamt geht es für die Berliner in die 18. Europapokalsaison. Die Gegner: Atletic Bilbao, Östersunds FK und Sorja Luhansk. Für Kapitän Vedad Ibisevic ist diese Gruppe von der "Attraktivität her ok. Es hätte besser und schlechter kommen können. Unser Ziel ist es, weiterzukommen. Das scheint in dieser Gruppe machbar."

Acht Jahre lang haben Verein und Fans auf das internationale Geschäft hingefiebert, jetzt hält sich die Euphorie der Zuschauer in Grenzen: für das Heimspiel gegen Atletic Bilbao am Donnerstag rechnet Hertha mit gerade einmal 25.000 Zuschauern. Gegen das ukrainische Team Luhansk am 7. November und die Schweden von Östersunds FK am 7. Dezember werden wohl kaum mehr Menschen ins Olympiastadion kommen.

Vielleicht gelingt es der Alten Dame ja, international zu überzeugen. Und wenn es, wie vor fast 40 Jahren, wieder bis ins Europapokal-Halbfinale geht, kommen sicher auch die Fans ins Stadion.  

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