Unions Trainer Jens Keller steht am Spielfeldrand in seiner Coachingzone und hebt die Hand, um in Richtung seiner Spieler zu gestikulieren
Audio: rbb | 13.09.2017 | Statement Jens Keller

Trainer Keller fordert von seinen Profis Herz statt Kopf - Union Berlin auf der Suche nach der Leichtigkeit

Die erste Saison-Niederlage hat Spuren hinterlassen beim 1. FC Union: Nach der 2:3-Pleite in Düsseldorf hat Trainer Jens Keller in dieser Woche mit seinen Spielern Tacheles geredet. Seine Ansage: Bitte weniger nachdenken. Von Stephanie Baczyk

Unions Trainer Jens Keller ist ein ehrlicher Typ. Geraderaus, ohne Umschweife. Also bleibt ihm nicht viel anderes übrig, als auf die Frage nach dem Kopfproblem seiner Mannschaft aufrichtig zu antworten. "Ich dachte, da wären wir schon ein Stück weiter", sagt er und wirkt nachdenklich. Im Schlussspurt der vergangenen Saison war dem 1. FC Union im Aufstiegskampf die Puste ausgegangen, zu oft war der Druck zu offensichtlich. Jetzt, in der neuen Spielzeit, scheint das altbekannte Problem wieder präsent zu sein.

Seit drei Spielen ohne Dreier

"Klar sind alle Spiele wichtig, aber das sind ja jetzt bislang keine k.o.-Spiele gewesen oder Spiele, wo der Druck enorm hoch ist", analysiert Keller die aktuelle Situation, nicht ohne gleich einen Lösungsansatz zu präsentieren: "Wir dürfen nicht zu viel denken. Obwohl es immer heißt: Ein Spiel wird im Kopf entschieden. Nein, ein Spiel wird mit dem Herzen entschieden. Das kennt man doch aus dem normalen Leben: Wenn man sich nicht groß Gedanken macht, dann ist man gut in dem, was man macht." 

Der Frust ist spürbar beim 1. FC Union. Die 2:3-Pleite in Düsseldorf, der späte Gegentreffer in der Nachspielzeit und die damit verbundene Erkenntnis, dass es mit der Konzentration schon mal besser geklappt hat - all das hat Spuren hinterlassen. Plus: Die Eisernen haben es auch in den beiden Spielen davor gegen Nürnberg und Bielefeld verpasst, drei Punkte zu holen - obwohl sie das bessere Team waren.

"Der Wille ist entscheidend!"

"Es greifen noch nicht alle Zahnrädchen ineinander", sucht Abwehrchef Toni Leistner nach Erklärungen. "Jetzt haben wir auch zweimal mit anderen Abwehrketten gespielt, aber ich denke, das darf keine Ausrede sein. Es fehlt einfach das letzte Quäntchen Glück, vielleicht auch das letzte Quäntchen Konzentration in den entscheidenden Situationen." Also haben sie in dieser Woche Tacheles geredet in Köpenick. Themen unter anderem: das Zweikampfverhalten und der zweite Ball.  

"Wir haben die Zweikämpfe nicht aggressiv genug angenommen", sagt Keller. "Wir waren nicht geil auf den Ballgewinn. Und da haben wir jetzt im Training vermehrt Wert drauf gelegt." Zumal am Freitag mit Eintracht Braunschweig eine Mannschaft ins Stadion an die Alte Försterei kommt, die mental extrem stark ist. "Die Jungs spielen schon mehrere Jahre zusammen. Wenige Abgänge, so wie bei uns eigentlich", weiß Toni Leistner. "Der Wille ist entscheidend bei dem Spiel, und dafür werden wir die Jungs ordentlich pushen."

Skrzybski vor Rückkehr in den Kader

Die letzten drei Heimspiele gegen die Niedersachsen hat der 1. FC Union allesamt gewonnen - dazu kommt: Braunschweig hat bislang nur eins von fünf Partien in der Liga gewinnen können, ist zudem in der ersten Runde des DFB-Pokals gescheitert. "Das ist eine Mannschaft, die mit Wucht spielt", warnt Trainer Keller. "Sie probieren immer wieder, mit langen Bällen in das gegnerische Drittel zu kommen und dann auf den zweiten Ball zu agieren. Das wird eine Herausforderung für uns." 

Personell muss der Coach weiter auf Innenverteidiger Marc Torrejon verzichten, dafür steht Flügelspieler Steven Skrzybski nach auskurierter Achillessehnenreizung vor der Rückkehr in den Kader. Er hatte zuletzt gegen Fortuna Düsseldorf pausieren müssen.  

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