Hertha Trainer Pal Dardai nachdenklich auf dem verlassenen Spielfeld des Olympiastadions Berlin. (Quelle: imago)

Enttäuschende Kulisse erwartet - Hertha will mehr Fans für Europa begeistern

Hertha BSC kehrt zurück auf die internationale Bühne - doch die Fans bleiben dem Olympiastadion fern. Für das erste Gruppenspiel in der Europa League gegen Athletic Bilbao sind gerade einmal 18.000 Tickets verkauft worden. Trainer Pal Dardai hat dafür Verständnis. Von Stephanie Baczyk

Pal Dardai ist ein Familienmensch, er hat drei Kinder. Kein Wunder also, dass Herthas Coach Verständnis für eine bestimmte Gruppe Fans aufbringt. "Viele Familien kommen am Wochenende zu unseren Spielen. Aber jetzt, so spät, schlafen die Kinder schon, weil sie am nächsten Tag in die Schule müssen", sagt der Ungar mit Blick auf die dürftige Zuschauerkulisse, die beim Spiel gegen Bilbao - Anpfiff um 21.05 Uhr - erwartet wird. "Ich glaube, dass uns viele Fans vor dem Fernseher die Daumen drücken werden."

Hertha BSC ist zurück im internationalen Geschäft. Letztes Jahr hatte die "Alte Dame" die Gruppenphase der Europa League noch verpasst und war in der dritten Qualifikationsrunde am dänischen Vertreter Bröndy IF gescheitert. Jetzt wird es ernst. "Ich glaube, die meisten Jungs sind aufgeregt", fasst Kapitän Vedad Ibisevic die Stimmung im Team zusammen. "Wir freuen uns alle darauf und wollen unser Ziel in der Europa League dieses Jahr schaffen." Herthas Plan ist simpel: überzeugen und die Gruppenphase überstehen.

Kraft statt Jarstein im Tor

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel hat Dardai vier personelle Änderungen angekündigt, ohne sich dabei zu sehr in die Karten schauen zu lassen. "Da sitzen auch Menschen aus der Scouting-Abteilung, die uns ein bisschen ausspionieren wollen", sagt der Ungar und muss schmunzeln. "Vielleicht werden wir Spieler aus der Startelf auf die Tribüne schicken - und andersrum. Die Spieler müssen lernen, das richtig einzuschätzen."

Fest steht: Thomas Kraft wird anstelle von Rune Jarstein den Platz zwischen den Pfosten einnehmen. "Wir haben schon letztes Jahr die Entscheidung getroffen, bei doppelter Belastung auf der Torwart-Position zu rotieren", begründet Herthas Coach den Wechsel. "Thomas ist ein erfahrener Torwart, eine wichtige Person für die Trainingsatmosphäre. Beim Test gegen Union Berlin zuletzt hat er beispielsweise sehr gut gespielt." 

Bilbao in der Liga noch ohne Gegentor

Mit einem Fragezeichen versehen ist der Einsatz von Innenverteidiger Karim Rekik, der in dieser Saison alle Spiele in der Liga und im Pokal bestritten hat. "Er hat eine muskuläre Sache, und da müssen wir vorsichtig sein", sagt Dardai. "Nicht, dass aus einer kleinen Sache eine große Sache wird." Hertha stehen intensive Wochen bevor, sechs Spiele in 18 Tagen gilt es zu bewältigen. "Die ganze Rotation ist wichtig für das jeweils nächste Spiel", erklärt Herthas Coach. "Und ich kann locker rotieren, weil ich volles Vertrauen in die Spieler habe."

Mit Athletic Bilbao kommt ein attraktiver Gegner ins Berliner Olympiastation, die Basken belegen in der ersten spanischen Liga aktuell Platz vier. "So wie ich das sehe, sind sie momentan besser in Form als wir", analysiert Dardai. Dafür spricht auch die Punkteausbeute und das Torverhältnis: Bilbao hat in drei Ligaspielen sieben Zähler geholt und ist noch ohne Gegentreffer. Auffällig: Im Aufgebot fehlen zwei wichtige Kreativ-Spieler. Trainer José Angel Ziganda hat Benat und Ander Iturraspe nicht berücksichtigt. Dardais knapper Kommentar zu diesen Personalien: "Von mir aus kann er alle zu Hause lassen."

"Wir wollen es genießen!"

Die Berliner wollen ihren Heimvorteil trotz dürftiger Kulisse nutzen. Bislang sind 18.000 Tickets verkauft worden, erwartet werden höchstens 25.000 Fans im Olympiastadion. "Es ist oft so in der Europa League, dass es sehr gute Mannschaften und schwierige Gegner gibt, aber teilweise ist es auch unattraktiv", erinnert sich Kapitän Ibisevic. Der Bosnier kennt den Wettbewerb, ist schon mit dem VfB Stuttgart im Europapokal angetreten. "Aber nichts desto trotz: Wir haben das aus eigener Kraft geschafft, und es ist eine Belohnung für die Mannschaft. Wir wollen es genießen."

Sendung: Inforadio, 14.09.2017, 7.00 Uhr

Inforadio überträgt das Spiel live  

Beitrag von Stephanie Baczyk

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Wirklich, sollte man die Skandale der 70er Jahre noch zur Grundlage nehmen? Sorry, aber in die Alte Försterei passen ja gerade einmal 22.000 Zuschauer... Und bei allem hohem Verständnis für Euch: nein, ihr spielt nicht in der BuLi und ja, wir spielen auch gegen den FC Bayern !

  2. 4.

    Es ist doch albern, wenn Unon-Fans hier Werbung für ihren Verein machen. Soll Union erst mal so gut werden wie Hertha, dann können wir weiterreden (bin übrigens Fan von Bayern)

  3. 3.

    Hertha ist zwar alt aber hat keine Tradition. Zitat Wiki:

    Von 1991 bis 1997 spielte Hertha BSC als „graue Maus“ in der Zweiten Liga bei einem Zuschauerschnitt von anfangs 3.000 Unentwegten, die im für damalige Verhältnisse viel zu großen Olympiastadion für eine trostlose Kulisse sorgten.



  4. 2.

    Hertha ist in Berlin einfach unbeliebt. Das ist doch bekannt.
    Diese ganzen Skandale, die rechte, gewalttätige Fanszene und die Lobbyarbeit zum Schaden aller anderen Berliner Vereine.

  5. 1.

    125 jähriger Geburtstag wird anders als z.b. bei Union Zuwenig in die Waagschale geworfen. Für das EL Spiel wurde kaum Werbung gemacht und die BL Leistungen und das knifflige weiterkommen im Pokal waren bisher mager.

    Das nun noch der Ersatztorwart im Europapokal eingesetzt wird vermittelt den Eindruck das Hertha selbst dieses Spiel als lästige Pflichtaufgabe ansieht.

    Neues Stadion hin oder her....so kriegt man die Bude nicht voll.

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