Ordner und Polizisten zwischen den Fans bei Auseinandersetzungen beim Spiel Babelsberg - Energie (Quelle: Imago / Björn Draws)

Verein sieht couragiertes Auftreten bestraft - SV Babelsberg will gegen NOFV klagen

Für die Fan-Kultur des FC Energie Cottbus war der 28. April ein echter Tiefpunkt: Während des Auswärtsspiels beim SV Babelsberg 03 kam es zu rechtsextremen Ausschreitungen. Die 03-Anhänger stellten sich gegen die Hetzer - und wurden dafür bestraft. Zu Unrecht, findet der Verein.

Fußball-Regionalligist Babelsberg 03 will die gegen ihn erlassene Geldstrafe nicht akzeptieren und gegen den Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) klagen. Das bestätigte Pressesprecher Thoralf Höntze am Mittwochabend dem rbb.

Nach den Ausschreitungen beim Spiel gegen den FC Energie Cottbus am 28. April waren die Babelsberger zu 7.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Der SVB hatte gegen das Urteil Widerspruch eingelegt, dieser war vom Verband allerdings zurückgewiesen worden. Nun werde der Verein sein Recht "auf zivilem Rechtsweg einklagen", sagte SVB-Vorstand Archibald Horlitz am Mittwoch.

"Nazischweine raus!"

Die Partie gegen Cottbus musste wegen Abbrennens von Feuerwerk zweimal unterbrochen worden, zudem skandierten Cottbuser Fans Nazi-Parolen. Der FCE war daraufhin zu einer Geldstrafe in Höhe von insgesamt 16.000 Euro und zu einem Geisterspiel verurteilt worden.

Das Spiel vor leeren Rängen konnten die Cottbuser in der Berufungsverhandlung allerdings abwenden. Auch die Geldstrafe wurde abgemildert - auf 10.000 Euro, wobei 4.000 Euro zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Das Urteil gegen den SVB dagegen blieb bestehen, unter anderem weil sich die Babelsberger Fans am 28. April die rechte Hetze nicht gefallen lassen wollten. So hatte ein Anhänger des SVB "Nazischweine raus!" in Richtung Cottbuser Fanblock gerufen, was vom NOFV moniert worden war.

Sein Club solle für etwas bestraft werden, was DFB-Chef Reinhard Grindel zuletzt anlässlich der Vorkommnisse beim Länderspiel in Prag gefordert habe: Couragiertes Auftreten gegen Nazis - so SVB-Chef Horlitz am Mittwoch.

"Wir lassen uns nicht den Mund verbieten"

"Wir erkennen an, dass das Abbrennen von Pyrotechnik während des Spiels und Fehlverhalten von Fans geahndet wird. Aber wir wehren uns mit aller Kraft dagegen, dass wir den Mund halten sollen, wenn es gefordert ist. Dafür bestraft zu werden, ist ein Skandal", hieß es in einer Pressemitteilung des Vereins. Durch sein Urteil mache der NOFV "rechtes Gedankengut in den Stadien salonfähig".

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.09.2017, 14:00 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 3.

    Also ich meine, dass sich offensichtlich rechtsextreme Fans von Energie Cottbus, die sich wiederholt durch Naziparolen eindeutig verfassungsfeindlich geäußert, haben nicht in vergleichbarer Weise zu bestrafen sind wie Babelsberger Fans.
    Mag sein, dass es auch einige Babelsberger Fans gibt, die dem schwarzen Block angehören, doch solange sie nicht verfassungsfeindlich auftreten, gewalttätig sind oder Pyrotechnik abfeuern ist ihre politische Gesinnung ihre Sache und in keiner Weise strafbar. Fanrufe die als Reaktion auf Naziparolen mit " Nazischweine raus" beantwortet werden, stellen für mich auch irgendwie keine Herabwürdigung der Lausitzer Fans dar. Schon seltsam die wie die Verantwortlichen des NOFV zum dem Strafmaß gekommen sind.

  2. 2.

    Nachvollziehbare Reaktion. Mich interessiert nur die Urteilsbegründung. Babelsberg mit 7.000 € bestraft, Cottbus zu 6.000 e. Das klingt irgendwie falsch.

  3. 1.

    Die sogenannten Fans von Babelsberg sind keinen Millimeter besser als Fans aus der rechten Ecke. Sie kommen aus dem Spektrum des "Schwarzen Blocks" in Hamburg. Wenn Extremisten im Stadion nichts verloren haben, dann von rechts und von links. Wenn der Verein sich von denen nicht distanziert, kann er gar nicht hart genug bestraft werden.

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