Reale Wachstumszahlen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Prozent (Quelle: rbb / datawrapper)
Video: Brandenburg aktuell | 20.10.2016 | Markus Woller

Erstes ostdeutsches Wirtschaftsforum - Warum der Osten langsamer als der Westen wächst

Natürlich ist das Bad Saarow nicht Davos. Oder doch? In dem Kurort im Landkreis Oder-Spree tagen seit Donnerstag nach schweizerischem Vorbild Experten, um sich mit der ostdeutschen Wirtschaft zu befassen. Warum kommt der Osten nicht in die Puschen?

Nach dem Vorbild des Weltwirtschaftsforums in Davos reden Politiker, Wissenschaftler und Manager seit Donnerstag in Bad Saarow (Oder-Spree) unter dem Titel "Wirtschaft, Wachstum, Zukunft" über die Probleme und Aussichten der ostdeutschen Wirtschaft.  

Schere zwischen Ost und West vergrößert sich weiter

In den vergangenen Jahren war die ostdeutsche Wirtschaft langsamer als die im Westen gewachsen. Die Schere zwischen Ost und West vergrößerte sich damit weiter. Nach dem jüngsten Bericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit lag die Wirtschaftskraft je Einwohner im Osten 2015 noch immer 27,5 Prozent unter dem Niveau in den alten Ländern. Als eine der Hauptursachen gilt die Abwanderung vor allem junger Fachkräfte in den Westen, aber die Industriearmut weiter Landstriche.

Zum Auftakt legte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) als Hauptredner dar, auf welche Punkte es künftig ankommt. Gabriel sagte, die problematische demografische Entwicklung könne durch Zuwanderung ein Stück weit abgefedert werden. "Dafür ist aber eine weltoffene Haltung wichtig", so der Bundeswirtschaftsminister weiter. Denn nach einem schwachen Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren sei der Osten Deutschlands auf Weltoffenheit und mehr Forschung angewiesen. Die Firmen müssten Stärken wie gute Ausbildung, bezahlbaren Wohnraum und hervorragende Kinderbetreuung ausspielen, um bei der Fachkräftesicherung konkurrenzfähig zu sein, erklärte der Vizekanzler.  

Reale Wachstumszahlen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Prozent

Zwei intensive Tage in Bad Saarow

Auf dem zwei Tage dauernden Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow wollen Politiker, Manager und Forscher neben ganz konkreten Lösungen über die grundsätzlichen wirtschaftlichen Aussichten des Ostens beraten.

Nach der Auftaktrede von Gabriel soll eine Studie des Ifo Instituts zu den Aussichten ostdeutscher Firmen in den nächsten 25 Jahren vorgestellt werden. Am Freitag sollen dann unter anderem Unternehmer und die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), zu Wort kommen.

Ihre Teilnahme zugesagt haben auch Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, die Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt), Bodo Ramelow (Thüringen) und Dr. Dietmar Woidke (Brandenburg) sowie Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.

In Berlin läuft die Konjunktur gut

In Berlin, so das Ergebnis des Konjunkturberichts der Berliner IHK, der am Donnerstag vorgestellt wird, läuft die Konjunktur weiter gut. Doch rund zwei Drittel der Unternehmen in der Stadt sehen ihren Erfolg als Betrieb auch hier dadurch gefährdet, dass es zu wenige Fachkräfte gibt. Nach Angaben der IHK war dieser Wert noch nie so hoch.

Sollte die Nachfrage weiter steigen, befürchten die Unternehmen, sie nicht befriedigen zu können, weil qualifizierte Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden sind.

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