Abfertigungsschalter von Air Berlin

Krankmeldung von Piloten - Air Berlin fliegt offenbar wieder weitgehend normal

Kaum noch gestrichene Verbindungen: Der Flugbetrieb von Air Berlin von und nach Berlin-Tegel läuft wieder weitgehend normal. Fünf Flüge wurden bislang gestrichen. Nun schauen alle gespannt auf das Bieterverfahren.

Nach den zahlreichen Krankmeldungen von Air-Berlin-Piloten hat sich der Flugverkehr bei der Airline am Donnerstag offenbar weitgehend normalisiert. Am Mittwoch noch musste Air Berlin rund 70 Flüge streichen, darunter etliche am Flughafen Tegel.

Für Donnerstag wurden bislang fünf Verbindungen als "gestrichen" gekennzeichnet (Stand: 7 Uhr), am Morgen etwa je ein Flug aus und nach Frankfurt oder nach Stuttgart. Damit scheint Air Berlin seine Ankündigung, spätestens ab Mittwochabend alle Verbindungen wieder regulär stattfinden zu lassen, weitgehend einhalten zu können. Am Donnerstag werde man in ganz Deutschland zum Normalverkehr zurückkehren, hatte die Airline mitgeteilt.  

Grund für die Ausfälle waren am Mittwoch erneut massenhafte Krankmeldungen von Air-Berlin-Piloten.  

Auch Eurowings von Krankmeldungen betroffen

Auch bei der Fluggesellschaft Germanwings scheint der Flugverkehr ab Berlin seit Mittwochabend wieder regulär zu laufen. Auf der Abflug-Übersicht des Airports Tegel war seit Mittwochmittag kein gestrichener Flug mehr zu finden.

Etliche Crews hätten sich am Mittwoch wieder gesund gemeldet und für Flüge zur Verfügung gestellt, berichtete Germanwings am Mittwoch. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schilderte allerdings, dass einzelne Crews trotz vorhandener Maschinen nicht fliegen konnten, weil die Fluggesellschaften vorsorglich Verbindungen aus dem Flugplan gestrichen hatten.

Eurowings war ebenfalls von den Krankmeldungen betroffen, da es 33 Maschinen samt Personal von Air Berlin geleast hat. Wegen der fehlenden Piloten hatte die Lufthansa-Tochter bis Mittwochmittag 35 Verbindungen gestrichen.

Kunden sollen Ansprüche auf Erstattung geltend machen

Fluggäste, deren Flüge wegen der Krankmeldungen der Piloten ausgefallen sind, haben zwar in diesem konkreten Fall einen Anspruch auf Rückzahlung des Ticketpreises, wie Rechtsberaterin Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin im rbb-Inforadio erklärte. Nach der Fluggastrechteverordnung hätten die Kunden zudem einen Anspruch auf Ausgleichszahlung. Aber: "Durch die Insolvenz ist natürlich eine Zahlung so gut wie ausgeschlossen", so Klar am Mittwoch.  

Die Verbraucherschützerin empfielt Fluggästen dennoch, ihre Ansprüche geltend zu machen. Sollte ein Insolvenzverfahren für Air Berlin eröffnet werden, könne man sich so in die Gläubigerliste eintragen lassen. Allerdings machte Klaar kaum Hoffnung darauf, dass die Passagiere ihr Geld wiederbekommen. "Es ist eigentlich davon auszugehen, dass das Geld verloren ist." Aus diesem Grund fordern die Verbraucherzentralen Klaar zufolge schon seit Jahren einen Insolvenzschutz für Flugreisende, wie er bereits bei Pauschalreisen besteht. Bei Pauschalreisen sind die Veranstalter dazu verpflichtet, ausgefallene Flüge schnell zu ersetzen.

Management warnt vor Existenzbedrohung

Bei Air Berlin hatten sich bereits am Dienstag etwa 200 Piloten zumeist kurzfristig krank gemeldet. Mehr als 100 Flüge fielen aus, das waren rund 25 Prozent des gesamten Air-Berlin-Flugprogramms. Tausende Passagiere waren betroffen, mehr als 100 Reisende verbrachten die Nacht auf dem Flughafen Tegel.

Die Kosten für die Airline beliefen sich nach internen Berechnungen auf rund fünf Millionen Euro. Das Management sprach von einer existenzbedrohenden Situation für die Airline und kritisierte, ein Teil der Belegschaft spiele mit dem Feuer.

Aufgrund gestrichener Flüge von AirBerlin stauen sich wartenden Menschen am 12.09.2107 im Flughafen Tegel(Quelle: rbb/Sabine Dahl)
Zahlreiche gestrichene Air-Berlin-Flüge sorgten am Dienstag für Gedränge im Flughafen Tegel

Bieterfrist für Airline endet Freitag

Der Vorstand, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Betriebsrat rief die gesunden Mitarbeiter dazu auf, zur Arbeit zu kommen. Die Unternehmensführung betonte: "Wir laufen massiv Gefahr, den Investorenprozess, den wir mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen haben, nicht mehr zu einem möglichst positiven Ende zu führen." Um Investoren nicht zu verschrecken und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten, sei es "entscheidend, den Flugbetrieb kurzfristig zu stabilisieren".

Air Berlin hat Mitte August Insolvenz angemeldet. Die Bieterfrist für die Airline endet am Freitag.

Pilotengewerkschaft fürchtet um Zukunft der Piloten

Die offensichtlich konzertierte Krankmeldung der Piloten hängt mutmaßlich damit zusammen, dass viele von ihnen fürchten, ihre Jobs zu verlieren. Cockpit-Sprecher Ilja Schulz äußerte konkret die Befürchtung, dass der Insolvenzverwalter insbesonders die gut bezahlten Langstreckenpiloten loswerden wolle, bevor es zu einer Übergabe von Betriebsteilen komme.

Ein Indiz dafür sei, dass die Preise für Air Berlin-Langstrecken-Flüge enorm angehoben werden sollen. "Die Langstrecke soll so unattraktiv gemacht werden, dass sie noch vor der Übernahme eingestampft werden kann," befürchtet Schulz. Dann könnten die gut bezahlten Piloten entlassen werden, damit der neue Arbeitgeber billigere Arbeitskräfte einstellen kann. "Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen", sagte Schulz.

Eine kollektive Krankmeldung ist nach Einschätzung des Berliner Arbeitsrechtlers Robert von Steinau-Steinrück rechtlich unzulässig. Der Arbeitgeber habe aber wenig Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren.

Air-Berlin-Chef verspricht Gespräche

Die Piloten wollen mit Air Berlin über mögliche Übernahmekriterien verhandeln. Die Bundesregierung kritisierte das Vorgehen der Piloten. "Das ist durchaus ein riskantes Manöver, was da von einigen Piloten ganz offensichtlich versucht wird", warnte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) betonte, die insgesamt rund 8.000 Beschäftigten "sollten jetzt nicht in Mithaftung genommen werden für die Einzelinteressen von einigen Piloten".

Air-Berlin-Chef Winkelmann indes versprach den Piloten, nach Auswertung der Kaufangebote Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften zu führen. "Unser Ziel ist eine geordnete Überleitung möglichst vieler Arbeitsplätze", schrieb er. "Die kurzfristige Stabilisierung des Flugbetriebs schon Morgen ist die unabdingbare Voraussetzung dafür."

Sendung: Inforadio, 13.9.2017, 21:10 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

12 Kommentare

  1. 12.

    Selbst wenn die Buchung schon vor einem Jahr stattfand, so hätte 'andrae', mit bekannt werden der Insolvenz, ein Umbuchungs- /Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehmen können, siehe Link (Absatz 3):
    https://www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/insolvenz-airberlin

  2. 11.

    Mit dem Unterschied zu Ihnen kenne i.schon die Kommentare v."andrae" aus dem Bericht"Air Berlin droht jetzt offen mit der Einstellung des Betriebes".Daher meine Antwort zu solch eine provokante Fragstellung.Nicht mehr u.nicht weniger.
    Außerdem kenne i.Menschen aus meinem Umfeld die schon vor über einem Jahr keine Flüge mehr bei dieser Airline gebucht haben.Aus guten Grund.

  3. 10.

    Auch fuer Sie gilt,was ich unten schrieb.

    Beim kurzen Nachdenken koennte man darauf kommen, dass die Buchung bereits bis zu einem Jahr zurueck liegen koennte, diese somit bereits lange vor der Insolvenz haette getaetigt worden sein koennen...Wo genau laege da die Schuld des Fragenstellers?

    Und Lotte...wenn Sie keine Lust haben, Ihre Statements zu wiederholen, dann tun Sie dies doch einfach nicht. Derjenige, welcher die Frage stellte, hat nicht Sie persoenlich nach Ihrer Meinung gefragt. Es stand Ihnen also frei, sich nicht zu aeussern, oder etwas sinnvolles zu posten.

  4. 9.

    Da es zu diesem Thema auch andere Berichte gibt, schon einschlägige Kommentare hierzu beigebracht worden sind unter anderem auch v.mir möchte i.mich nicht ständig wiederholen.Aber nur soviel: Wenn Billigflieger weiterhin bei dieser sich selbst abwickelnde in sich auflösende,unsoziale Airline buchen,müssen diese auch mit den nötigen Konsequenzen rechnen.

  5. 7.

    Was für eine wenighilfreiche und von geringem Nachdenken geprägte Antwort.

    Erstens war die Frage nicht provokant und
    zweitens handelt es sich bei dem was Sie geschrieben haben um keine Antwort.

    Schadensersatz Ansprüche sind selbstverständlich gegeben. Ob diese nun bei Air Berlin oder beim Reiseveranstalter geltend gemacht werden müssen hängt von den vertraglichen Umständen ab.

  6. 6.

    Wie gut, dass der 150 Millionen Bundeskredit von den Steuerzahlern überwiesen wurde. Dann kann man gaaaanz sicher sein, dass der Flugbetrieb auch wirklich weitergeht. Das klappt ja wie am Schnürchen.

  7. 5.

    Willkommen in der Welt des Marktes.
    Ein Auto ein Computer oder Telefon, heute gekauft - vom Hof gerollt bzw. benutzt - morgen nichts mehr wert,
    Aktien oder Depotwerte, heute gehandelt - morgen vllt Wert bis Null oder 200% plus.

  8. 3.

    Zitat: "Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte die angeblich erkrankten Piloten auf, an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Um Jobs bei der insolventen Fluggesellschaft zu sichern, sei es wichtig, den Flugbetrieb jetzt bestmöglich aufrecht zu erhalten und nicht die Kunden in Mitleidenschaft zu ziehen."
    Was bildet er sich eigentlich ein mit seiner Behauptung, die Piloten wären "angeblich" erkrankt?
    Sowas kommt nur von realitätsblinden Politikern, die unter ihrer Berliner Käseglocke herausglotzen und damit die abwertende Einstellung beweisen, wie sie über deren Existenzängste denken.
    Ein Schlag ins Gesicht der Leute - danke Herr Dobrindt.
    Sorgen Sie erstmal für den Ausgleich der entstandenen Schäden für die Zahlbürger - siehe Abgaslügen, Mautabrechnung und Airberlinbürgschaft.......

  9. 2.

    Jahrelang wurde das Unternehmen von einem viel zu großen Wasserkopf durch Fehler und Misswirtschaft dahin gebracht, wo es heute steht. Die Mitarbeiter haben in diesem Sommer weit mehr geleistet, als sie hätten leisten müssen (Gepäcksortierung in der Freizeit, entstandene Kosten aus eigener Tasche bezahlt...). Und nun wird sich aufgeregt, wenn ein Teil der Belegschaft gegen den offensichtlichen Abbau ihrer Stellen Maßnahmen ergreift? Herr Dobrindt hat während seiner Amtszeit als Verkehrsminister nur als Mäzen der Konzerne geglänzt und kritisiert nun die Piloten für ihr Vorgehen. Diese Insolvenz war von Anfang an hausgemacht und geplant. Das Unternehmen sollte nie "optimiert" oder "umstrukturiert" werden. Es wurde für den Übernahmeprozess vorbereitet. Die Krankmeldungen sind doch jetzt nicht das Zünglein an der Waage, die das Unternehmen in seiner Existenz bedrohen. Da sollte man lieber zurück Jahre schauen und den schwarzen Peter nicht den Piloten zuschieben.

  10. 1.

    Frage an diie Experten: Eine Pauschalreise bei AB gebucht. Flug fällt aus. Eine andere Airline kann die Beförderung erst in zwei Tagen wegen Platzmangels übernehmen. Zahlt die AB eine Entschädigung oder der Reiseveranstalter für die ausgefallenen Urlaubstage, einschl. Hotelkosten ?

Das könnte Sie auch interessieren