S-Bahn lässt die Maske fallen - Die sogenannte Frontmaske (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 12.09.2017 | Boris Hermel

Aufmöbeln der Alt-Flotte - S-Bahn kämpft mit 30 Jahre alten Wagen

Kein Tag, an dem es nicht irgendwo im Berliner S-Bahn-Netz Probleme gibt. Was technische Probleme an den Wagen angeht, hat die S-Bahn Besserung versprochen – störanfällige Baureihen sollen etwa aufgemöbelt werden. Das ist aufwendiger als gedacht. Von Thorsten Gabriel

Dicht an dicht stehen die S-Bahn-Züge aufgebockt im Werk Schöneweide. Teils in unversehrtem Zustand, teils völlig skelettiert. Unter einem Fahrzeug der Baureihe 480 steht Maik Nachtigall und deutet auf einen großen Technikcontainer unter dem Waggon. Er weiß, der Austausch eines gesamten Antriebscontainers ist die "aufwändigste technische Maßnahme bei dieser Baureihe". Nachtigall ist stellvertretender Leiter des Fahrzeugmanagements im Werk. Er kennt die verschiedenen Baureihen und Fahrzeugtypen in- und auswendig. "Die mehr als 30 Jahre alte Technik ist so anfällig geworden, dass wir uns entschieden haben, sie komplett zu ersetzen. So wollen wir einen stabilen und zuverlässigen Betrieb gewährleisten."

Eine Million Euro pro Wagen

Insgesamt rund eine Million Euro pro Wagen investiert die S-Bahn in ihre alten Züge. Dies alles, damit die in die Jahre gekommen Wagen auch die nächsten Jahre noch rollen können – und das möglichst pannenfrei.

Die Kompletterneuerung des Antriebs zeige schon erste Erfolge, sagt Nachtigall: "Wir haben schon mehr als 45 Fahrzeuge dieser Baureihe umgerüstet und nach einem nochmaligen Stabilitätsupdate durch die Firma ABB laufen jetzt diese Fahrzeuge tatsächlich sehr zuverlässig im Betrieb."

Alte S-Bahnen wieder fit gemacht

Neue Wagen sind im Anmarsch

Einer hört das besonders gern: S-Bahn-Chef Peter Buchner. Er überlegt deshalb, die Baureihe 480 sogar noch länger rollen zu lassen als nur bis 2023. Berlin sei eine wachsende Stadt und die Wahrscheinlichkeit, dass bis dahin mehr Bahnverkehr benötigt werde, hoch. Da ist es gut, wenn die alten Züge noch ein bisschen durchhalten.

Zumindest solange, bis mehr und mehr der gerade im Bau befindlichen neuen S-Bahn-Wagen am Start sind: "Die neuen Fahrzeuge sind nach wie vor eine Erfolgsstory", erklärt er.

106 sind bestellt und werden derzeit vom Siemens-Stadler-Konsortium gebaut. Im nächsten Monat soll schon der erste Wagenkasten bei Stadler in Pankow ankommen, dann soll der Innenausbau starten. Die Wagenkästen, also die leeren Zughüllen, werden in einem Spezialwerk in Ungarn hergestellt, der Rest wird in Berlin zusammengeschraubt und eingebaut.

S-Bahn-Chef nennt verbindlichen Temirn für neue Züge

Ein täuschend echt aussehendes Holzmodell der neuen Zugreihe, das die Filmstudios Babelsberg für die S-Bahn hergestellt haben, steht in Schöneweide und war bereits Anlaufpunkt für Fahrgäste und verschiedene Nutzergruppen. Sie konnten testen und sagen, was ihnen an den neuen Fahrzeugen gefällt und wo die S-Bahn nachbessern sollte. Was in den kommenden Jahren folgt, sind Testfahren und Feinjustierungen.

Und der S-Bahn-Chef spricht bei dem Rundgang schon mal eine Einladung aus: "Wer mit dem ersten neuen Zug gleich mit dabei sein will, kann sich mit mir am 1. Januar 2021 gegen vier Uhr morgens in Südkreuz treffen und dann geht’s los mit der S47 Richtung Spindlersfeld."

Beitrag von Thorsten Gabriel

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1 Kommentar

  1. 1.

    Um es rundheraus zu sagen: 30 Jahre sind für U- und S-Bahnen nahezu nichts. Wir leben in einer geradezu abgehetzten Zeit, die derartige Zeiträume als unerträglich lang definiert. Nun muss ja nicht unbedingt in Nostalgie geschwärmt werden, doch es sollte immerhin ein Zeichen sein, dass die Stadtbahner-Züge mehr als 70 Jahre durchgehalten haben.

    Mithin ist es immer auch eine Abwägung, inwieweit Robustheit und inwieweit hochgerüstete Kompliziertheit herrschen soll. In den Extremen schließen sich beide Prinzipien nahezu aus. Dazwischen sind alle möglichen Wege möglich. Ich sehe allerdings ausschl. eine Tendenz zur Ausgefeiltheit.

    Dazu ein Weiteres: Die vernachlässigte, will sagen, nachträgliche Wartung der S-( und U-) Bahnen scheint mir ein Übriges zu tun, weshalb die Verbilligung der Instandhaltung uns allen teuer zu stehen kommt.

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