Mähdrescher ernten Raps auf einem Feld am Rand des Oderbruchs (Quelle: dpa/Patrick Peul)

Kauf- und Pachtpreise steigen rasant - Ackerland in Brandenburg wird immer teurer

Wer in Brandenburg Landwirtschaft betreiben will, muss zunehmend tiefer in die Tasche greifen: Seit 2006 haben sich die Ackerpreise mehr als verdreifacht, das geht aus Angaben der Bundesregierung hervor. Einfache Landwirte können sich neue Äcker kaum noch leisten.  

Die Kaufpreise für Ackerland in Brandenburg sind in den vergangenen Jahren um fast das Vierfache gestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Demnach erhöhte sich der Kaufpreis in der Mark von 2.776 Euro pro Hektar im Jahr 2006 auf 10.489 Euro im Jahr 2016. 2015 lag der durchschnittliche Preis mit 12.549 sogar noch darüber.

Auch die Pachtpreise haben weiter angezogen

Neben den Kaufpreisen stiegen auch die Pachten für Ackerland und sonstige landwirtschaftlich genutzte Flächen. So kletterte der Pachtpreis von 2007 bis 2016 pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in Brandenburg von 80 auf 145 Euro. Bei Neuverpachtungen erhöhte er sich von 93 auf 185 Euro. Die Pacht für Ackerland stieg von 86 auf 157 Euro, bei Neuverpachtungen von 100 auf 194 Euro.

Investoren profitieren von "Share Deals"

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Friedrich Ostendorff zeigte sich besorgt über die Preissprünge. Da immer mehr finanzkräftige Großinvestoren Agrarflächen kauften, sei ein Großteil der Flächen schon in Händen außerhalb der Landwirtschaft. Klassische Bauern
hätten beim Wettbieten keine Chance mehr. Trotz des rasanten Anstiegs waren die Flächen in Ostdeutschland 2016 noch immer deutlich günstiger als im bundesweiten Durchschnitt.

2.300 Hektar Land für die "Münchener Rück"

Auf welche Weise Agrarflächen in die Hand von Finanzinvestoren geraten, zeigt das Beispiel des Agrarkonzerns KTG. Einer der größten Versicherungskonzerne der Welt, die "Münchener Rück", kaufte im Oktober 2015 die Mehrheit an einer KTG-Tochterfirma. Zuvor hatte diese die Agrarflächen von 14 weiteren KTG-Töchtern übernommen. Mit dem Kauf erhielt der Versicherungskonzern somit insgesamt 2.300 Hektar Ackerland in Brandenburg - ein sogenannter Share Deal, für den das landwirtschaftsfremde Unternehmen auf direktem Wege keine Genehmigung erhalten hätte.

Andreas Tietz vom Thünen-Insitut, einer Bundesforschungseinrichtung zum ländlichen Raum, sieht in dieser Praxis eine Umgehung der Regeln, die normalerweise für den landwirtschaftlichen Grundstücksverkehr gelten. "Einerseits ist es möglich, hunderte von Hektar mit einem Share Deal zu erwerben, andererseits wird jeder Kauf von mehr als zwei Hektar an eine beliebige Privatperson durch die Behörde untersagt – mit der Begründung, dass Landwirte diese Fläche kaufen können müssen", sagte Tietz dem rbb Ende 2016.

Sendung: Brandenburg aktuell, 13.09.2017, 19.30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    "Erst wenn der letzte Baum gefällt.....werdet ihr sehen, daß man Geld nicht essen kann". Und nach der perversen Logik der kapitalistischen Wachstumsideologie möchte ich wetten, daß dann die letzten Gestalten unserer Spezies auf die Idee kommen, Geld als Eßpapier zu verkaufen

  2. 1.

    Vielleicht sollte die Redaktion mal den Zusammenhang zwischen steigenden Preisen für landwirtschaftliche Flächen und deren Nutzung zur Bebauung mit Windkraftanlagen recherchieren. Weil Investoren Ackerflächen kaufen, um WKA zu bauen, bieten sie viel höhere Preise dafür an, als sonst üblich.
    Dass ausgerechnet ein Abgeordneter der Grünen darüber jammert, ohne diesen Zusammenhang zu sehen, spricht nicht gerade für Kenntnis von der Realität vor Ort.
    Und gerade für Brandenburg spielen dabei die gewinnmaximierend agierenden Berliner Stadtgüter auch eine sehr gewichtige Rolle. Um "Kohle" für Berlin zu machen, wird Brandenburg verschandelt. Und die dortige Landesregierung sieht zu.

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