Ein aufgeblasenes Schwein auf der "Wir-haben-es-satt"-Demo (Quelle: imago/Commonlens)
Video: Abendschau | 21.01.17 | Sabrina N'Diaye

Kundgebung für Umwelt- und Tierschutz - Tausende demonstrieren auf "Wir haben es satt"-Demo

Zum siebten Mal haben am Samstag tausende Menschen in Berlin für besseren Umwelt- und Tierschutz demonstriert - sie fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen. Ein Konvoi aus etwa 130 Traktoren knatterte zum Brandenburger Tor. Landwirte einer Gegendemo signalisierten Gesprächsbereitschaft.

Zeitgleich zur Grünen Woche haben auch in diesem Jahr tausende Menschen für mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft in Berlin demonstriert. Die inzwischen siebte "Wir haben es satt"- Demonstration am Samstag stand unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt!" und war um zwölf Uhr am Potsdamer Platz gestartet.

Den Auftakt der Demonstration bildete ein Konvoi aus mehr als 100 Traktoren, die zum Landwirtschaftsministerium  - und von dort bis um Brandenburger Tor. Die Veranstalter zählten 18.000 Demonstranten - die Polizei etwa 10.000. Zur Demo aufgerufen hatten rund 100 Organisationen, darunter Verbände von konventionell und ökologisch wirtschaftenden Bauern, Natur- und Tierschützern sowie kirchliche Hilfswerke.

"Schwächster Landwirtschaftsminister der letzten Jahrzehnte"

Sie alle einte Kritik an der Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung. Ein zentraler Vorwurf: Die Existenz von kleinen Agrarbetrieben sei bedroht. "Es sterben immer mehr Höfe, es geht um den Strukturwandel, der geht uneingeschränkt weiter. Es geht um die Konzernmacht, die uns Bauern belastet  - und das gefährdet alles unsere Zukunft", sagte der Landwirt Lothar Goldmann aus Seeburg dem rbb.

Das Bauernbündnis, das zur Demo aufgerufen hatte, rechnete vor, dass in den vergangenen Jahren mehr als 100.000 kleinere Bauernhöfe hätten schließen müssen. Daher sei eine Kurskorrektur dringend nötig, sagte Ulrich Jasper von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Jasper kritisierte, der Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) lasse Bauern und Gesellschaft mit der Aufgabe allein, die Landwirtschaft umwelt- und tierfreundlicher zu gestalten. Das Bündnis fordert beispielsweise, weniger Antibiotika einzusetzen und Obergrenzen für Viehbestände festzulegen.

Auf Transparenten plädierten Demonstranten unter anderem gegen "Tierfabriken", "Megaställe" und "Landgrabbing". Eine Teilnehmerin sagte über den Bundesminister: "Der könnte viele Lösungen hier finden. Hier sitzen Leute, die machen das Tag für Tag. Und der ignoriert kontinuierlich und ständig alles und sagt das Gegenteil von dem, was wir wollen", sagte die Frau dem rbb.

Protest gegen Massentierhaltung

Auch Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kritisierte auf der Kundgebung die Massentierhaltung. Das Tierschutzgesetz lasse immer noch "die millionenfache Qual von Tieren in landwirtschaftlicher Haltung zu", sagte Schröder und nannte als Beispiele die massenweise Tötung männlicher lebensfähiger Küken und die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung. "Das alles haben wir satt", betonte Schröder.

Heftige Kritik kam am Samstag auch von Gewerkschaften. Sie beklagten eine wachsende Macht von Agrar- und Nahrungsmittelkonzernen. Besonders prekär sei die Lage im Bereich der Fleischverarbeiter. Dort würden Regelungen für vernünftige Arbeitsplätze, wie etwa die Einhaltung des Mindestlohnes ignoriert, kritisierte Matthias Brümmer von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Gegendemo: "Wir machen euch satt"

Der Demo stellte sich am Samstag auch eine andere Kundgebung von Landwirten entgegen. Die Veranstalter sprachen von etwa 800 Demonstranten, viele von ihnen waren junge Bauern aus Brandenburg. Unter dem Motto "Wir machen Euch satt" forderten sie am Vormittag auf dem Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof Dialog statt Protest - auf ihren Bannern stand geschrieben: "Redet mit uns, statt über uns". So wollen die Landwirte ins Gespräch mit Verbrauchern kommen.

"Irgendwo müssen wir auf den Bürger zugehen. Die Landwirte werden derzeit in den Medien mehr oder weniger platt gemacht - der neudeutsche Begriff heißt 'Bauernbashing'. Und um dagegen ein Zeichen zu setzen sind wir heute hier", sagte Peter Wilke von der Agrargenossenschaft Nauen dem rbb.

Die Demonstranten warfen der Bundesregierung Sprunghaftigkeit bei deren Auflagen für die Landwirtschaft vor. Dadurch würden am Ende gerade Familienbetriebe in ihrer Existenz bedroht. Durch Anfeindungen, pauschale Vorwürfe und wechselnde gesetzliche Vorgaben fühlten sich viele Landwirte verunsichert, sagte ein Redner auf der Demonstration.

Die Route der Demonstration "Wir haben es satt" in Berlin. (Quelle: Veranstalter)

2016 waren der Deutsche Bauernverband und Minister Schmidt auf Distanz zu der jährlichen, industriekritischen Großdemonstration gegangen. Nach Veranstalterangaben zogen damals 23.000 Menschen durch Berlin, die Polizei sprach von 13.500.

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Hej, reg dich nicht auf.
    Die bestehende agrarindustrielle "Alternative", um die du dich zu sorgen scheinst, wird jährlich mit etlichen Millionen Steuergeldern subventioniert. Durch die Verteilung der Gelder aus der AgrarPolitik der EU und auch direkt, wie z.B. jetzt gerade wieder ein Züchtungsprojekt für Hybridweizen, das ausschließlich den Saatgutkonzernen und ihren Aktionären nutzt. Denn Hybridweizen ist vom Ertrag nicht wirklich besser, kann aber nicht mehr nachgebaut werden. Das freut diejenigen, die gerne Profit mit Saatgut machen und die Bundesregierung unterstützt dieses Projekt mit Millionenschweren Subventionen. Wenn hier jemand beschissen wird, dann die Bäuerinnen und Bauern!

    Für eine Kleinbäuerliche Landwirtschaft!
    ...in der jede Bäuer*in ihren Hof so bewirtschaften kann, wie sie es in ihrem Umfeld für sinnvoll erachtet.
    ...in der es ein gesellschaftliches Bewusstsein für den Wert unserer Lebensmittel gibt und dessen Produktion als kollektive Aufgabe verstanden wird.

  2. 4.

    10 Gründe, warum es keinen Fleisch essenden Umweltschützer gibt
    1. Fleisch essen schadet dem Klima
    2. Fleisch essen zerstört den Regenwald
    3. Fleisch essen verringert die Artenvielfalt
    4. Fleischkonsum ist Energieverschwendung
    5. Fleisch zu essen verschwendet Wasser
    6. Die Tierwirtschaft verschmutzt zudem das Wasser
    7. Fleisch essen verursacht dicke Luft
    8. Der Konsum tierischer Produkte laugt den Boden aus
    9. Fleisch essen verpestet den Boden
    10. Fleisch essen ist einfach nicht gerecht

  3. 3.

    @Friedrich:
    Die Landwirte kamen aus dem ganzen Bundesgebiet und es wurden Spenden für deren Anfahrtskosten gesammelt. Da jetzt von Steuer-/Subventionsbetrug zu sprechen ist lächerlich. War doch viel Aufwand für die Landwirte und dient ja einem gutem Zweck :) nicht immer nur meckern

  4. 2.

    Schön das alle satt sind.

  5. 1.

    .... dann lasst Euch mal die tagesaktuellen Quittungen über offiziell an Tankstellen getankten Diesel bzw. die Jahresteuererklärung zeigen ziegen!!
    Ansonsten ist das Steuer- / Subventionsbetrug, wenn sie mit hofeigenem Diesel fahren, der nur zu landw. Arbeiten verbraucht werden darf, aber am Jahresende Steuerückesrtattung von 25.56 % pro Liter Diesel eingereicht werden dürfen.
    Dazu gehören nämlich keine Fahrten zu Demonstrationen!
    Da sollte vielleicht auch mal recherchiert und objektiv berichtet werden.

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(Quelle: dpa/Burgi)

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