Der Weg am Flutgraben damals und heute: Links hinter der Mauer verbarg sich auf Westseite das Fischerhäuschen. Die Werkstatt im Backsteingebäude führte die Mauer zur Spree weiter (Bild: rbb/Mona Ruzicka)
Bild: rbb/Mona Ruzicka

Zirkeltag | Club der Visionäre und Arena - Fischbude im Westen, Werkstatt im Osten

Am Flutgraben des Landwehrkanals ging die alltägliche Arbeit auch während der Teilung Berlins ganz dicht an der Mauer weiter, im Osten wie im Westen. Auf der einen Seite wurde Fisch verkauft, auf der anderen geschraubt. Heute wird gefeiert. Von Mona Ruzicka

Bis 1989: In einem kleinen Schleusenhäuschen am Flutgraben direkt an der Vorderlandmauer arbeiteten  Fischer und verkauften ihre Ware in West-Berlin. Ein paar Meter weiter, auf der Ostseite, arbeiteten DDR-Bürger in einem Werk der Verkehrsbetriebe. 

Heute: Rund um den Flutgraben des Landwehrkanals und am angrenzenden Spreeufer haben sich zahlreiche Clubs angesiedelt, darunter der Club der Visionäre und der Arena Club (gehört zu Arena Berlin).

Der Club der Visionäre hat in seiner Fassade zwei Mauerstücke integriert. Die ursprüngliche Vorderlandmauer stand wenige Meter weiter Richtung Osten. (Bild: rbb/Mona Ruzicka)
Mauerreste am Club der Visionäre | Bild: rbb/Mona Ruzicka

Eigentlich trennt der Flutgraben des Berliner Landwehrkanals die Stadtviertel Kreuzberg und Treptow. Und deswegen hätte eigentlich genau hier die Mauer zwischen West- und Ostberlin stehen müssen. Doch für ein kleines Fischerhäuschen am Ostufer rückte die Mauer einige Meter zurück.

Der heutige Club der Visionäre war einst Teil der Schleusenanlage des Landwehrkanals. Ein Fischer nutzte das eng ans Ufer geschmiegte Haus, um dort Fische, die er im Flutgraben hielt, an Kreuzberger Gastronomen zu verkaufen. Da die Anlage noch zum Westbezirk gehörte, machte die Vorderlandmauer eine kleine Kurve. Zwei Mauerteile sind heute in die Fassade des Clubs eingebaut; sie verbergen sich unauffällig hinter aufgeklebten Stickern und rankenden Pflanzen.

Zugemauerte Fenster bis heute erhalten

Nur wenige Schritte weiter, hinter der Mauer auf der Ostseite, arbeiteten jeden Tag über 800 Arbeiter in einer Werkstatt der Ost-Berliner Verkehrsbetriebe. Sie schraubten an Bussen und Bahnen, während auf dem Dach Grenzer patrouillierten.

Auf der Treptower Seite des Flutgrabens ist an der Puschkinallee noch ein Grenzturm der DDR-Soldaten erhalten. (Bild: rbb/Mona Ruzicka)Auf der Treptower Seite steht noch ein Grenzturm

Im Gebäude gibt es heute zahlreiche Hinweise auf die DDR-Vergangenheit. Zugemauerte Fenster und Backsteine mit Aufschriften von Grenzsoldaten sind immer noch erhalten.

In den großen Backsteinhallen brummen heute statt Motoren die Bässe des Arena Clubs: Er gehört zu den Kultur-Betreibern der Event-Firma Arena Berlin. Sie teilen sich das große Haus unter anderem mit dem Kunstverein Flutgraben.

Leben auf dem Mauerstreifen - weitere Orte

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    rbb/Mirjam Banz

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    rbb/Anton Stanislawski

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  • Zirkeltag | Stadtrandhof Schönefeld 

    Elisabeth Wrede von Stadtrandhof Schöneberg mit zwei Zicklein (Quelle: rbb/Juliane Gunser)
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    Das Baumhaus in Kreuzberg (Quelle: rbb/ Laura Kingston)
    rbb/ Laura Kingston

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  • Zirkeltag | Grenzgebiet am Jungfernsee 

    Der ehemalige Wachtturm an der Bertini-Enge (Quelle: rbb/ Laura Kingston)
    rbb/ Laura Kingston

    Stacheldraht im Weltkulturerbe

    Die Gegend rund um den Potsdamer Jungfernsee war eine der wichtigsten Wasserpassagen zwischen Ost- und Westdeutschland – und damit auch eine der am strengsten bewachten. Heute ist sie ein teures und schönes Wohnviertel. Von Mauergeschichte kaum eine Spur. Das soll sich aber ändern. Von Laura Kingston 

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    rbb/Mona Ruzicka

    Utopie in der Sicherheitszone

    Auf dem Holzmarkt-Gelände wird getanzt, es gibt Kunst und Kultur, entstanden ist ein Freiraum mitten in der Stadt. Früher war das Gebiet mit Stacheldraht und Grenzpatrouillen gesichert – um Fluchtversuche über die Spree zu verhindern. Von Mona Ruzicka

Mehr im Programm

Schriftzug Zirkeltag 5. Februrar und zwei Frauen sitzen auf der Mauer und freuen sich(Quelle: rbb)
rbb

Zirkeltag

Am 5. Februar 2018 ist die Mauer so lange weg, wie sie da war: 28 Jahre, 2 Monate und 26 Tage. Keine andere Region in Deutschland ist von den dramatischen Ereignissen und epochalen Umbrüchen so geprägt wie Berlin-Brandenburg. Der rbb berichtet umfangreich in seinen Programmen.

Sendung: Radioeins, 05.02.2018, 10.00 Uhr

Beitrag von Mona Ruzicka

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