Auf der Verkehrsinsel un der Mitte der Friedrichstraße steht das alte Kontrollhäuschen der Alliierten (Bild: rbb/Tobias Schmutzler)
Bild: rbb/Tobias Schmutzler

Zirkeltag | Checkpoint Charlie - Grenzsoldat im Minijob

Viele halten sie für den Inbegriff von Erinnerungskitsch: Die verkleideten US-Soldaten am Checkpoint Charlie schießen für drei Euro Selfies mit Touristen. Ein Job, der gute Laune auf Knopfdruck verlangt. Von Tobias Schmutzler

Bis 1989: Der Checkpoint Charlie der Alliierten, der den US-amerikanischen mit dem sowjetischen Sektor verband. Der Kontrollpunkt wurde als Folge des Mauerbaus errichtet.

Heute: Das ehemalige Kontrollhäuschen der Alliierten auf einer Verkehrsinsel. Drum herum Fast-Food-Läden, kleine Museen und jede Menge Touristen.

"Stop right there!", ruft Maxim S.* einem asiatischen Touristen entgegen. Der lacht verlegen - und das ist schon die halbe Miete auf dem Weg zum Selfie. "Want to take a picture?", fragt Maxim in seiner Verkleidung als US-Grenzer am Checkpoint Charlie. Der Tourist nickt. "Drei Euro, please", sagt Maxim nach getaner Arbeit.

Manchmal zehn, manchmal zwanzig Stunden pro Woche spielt er Grenzsoldat. 450 Euro macht das im Monat. Bald will sich Maxim etwas Neues suchen. Aber im Moment findet er nichts anderes, weil der Studienabschluss aus seiner osteuropäischen Heimat in Deutschland nicht anerkannt wird, sagt er.

Das Museum am Checkpoint Charlie (Bild: rbb/Tobias Schmutzler)
Museum am Checkpoint Charlie | Bild: rbb/Tobias Schmutzler

Toll findet er seinen Schauspiel-Minijob nicht. Kurz vorher sagt ihm der Chef meist am Telefon Bescheid, wann er seinen nächsten Einsatz am Checkpoint Charlie hat. Dort steht er sich pro Schicht zehn Stunden die Beine in den Bauch - bei Sonnenschein genauso wie bei Frost.

Seine gute Laune kann er von jetzt auf gleich anschalten. "Let me see your passport!", herrscht er eine junge Frau mit eiserner Miene an - um gleich darauf mit breitem Grinsen zum Selfie zu schreiten. "Wir machen aber nicht nur Fotos", sagt Maxim. Viele Touristen wollen Wegbeschreibungen oder geschichtliche Fakten zum Checkpoint Charlie. Gerne hilft Maxim aus, und wenn er mal nicht weiter weiß, schickt er die Fragenden zum Museum ein paar Meter weiter.

Die verkleideten Grenzsoldaten sind für viele Berliner der Inbegriff von Erinnerungskitsch. Zwischen Fast-Food-Läden und Autos, die die Friedrichstraße hochrasen, wirken die schauspielenden Soldaten wie eine Mischung aus Nostalgie und Geldmacherei. Dagegen verteidigt sich Maxim: "Ich mache das auch nur zum Übergang, bis ich etwas Besseres habe."

Ein Glück, dass die allermeisten Touristen kein Deutsch verstehen. Sonst käme ihnen der verkleidete US-Soldat, der mit osteuropäischem Akzent Deutsch spricht, vielleicht doch etwas spanisch vor.

* Name geändert

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    rbb/ Laura Kingston

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  • Zirkeltag | Club der Visionäre und Arena  

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Sendung: Radioeins, 05.02.2018, 10.00 Uhr

Beitrag von Tobias Schmutzler

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