Sondierungsgespräche in Potsdam - Charmant, charmant: CDU hofiert Brandenburger SPD

Zweite Runde beim Speed-Dating in der brandenburgischen Staatskanzlei: Nachdem die SPD zuerst die bei der Landtagswahl arg gebeutelten Linken zum Sondierungsgespräch geladen hatte, kam am Freitag die CDU zum Zug. Die hat vergangenen Sonntag zugelegt und will ebenfalls mitregieren. Deshalb legte sich Fraktionschef Schierack mächtig ins Zeug - und ließ seinen Charme spielen. Von Alex Krämer

Michael Schierack strahlt. Er strahlt schon, als er morgens kommt, und als er mittags wieder geht, strahlt er immer noch, während SPD-Generalsekreätrin Klara Geywitz ihr Resümee zieht. "Wir haben es ganz gut geschafft, vom Wahlkampfmodus in den Gesprächsmodus zu kommen," sagt sie. Intensiv sei man einzelne Themen durchgegangen, habe viele gemeinsame Schnittmengen entdeckt und sich für eine zweite Gesprächsrunde verabredet.

Und dann fügt Geywitz hinzu: "Es war ein charmantes Gespräch." Wer war denn charmant, wird Geywitz gefragt - die dreht den Kopf nach links, lächelt zum ebenfalls lächelnden Michael Schierack und sagt. "Ich glaube, es war Herr Schierack." Der nimmt den Ball gerne auf und berichtet: "Ich habe diese Unterredung als sehr angenehm und auf Augenhöhe empfunden, und das wollen wir gerne, und da freue ich mich drüber, in einer zweiten Runde fortsetzen.

Die CDU will Vertrauen aufbauen - die SPD ist offenbar empfänglich

Nun mag einem diese ganze Lächelei etwas albern und unwichtig vorkommen, aber das ist sie nicht - weder zwischen SPD und Linker noch zwischen SPd und CDU gibt es ernsthafte inhaltliche Hürden für ein Regierungsbündnis, und deshalb spielt die Atmosphäre eine große Rolle. Zur Linken hat die SPD schon Vertrauen, die kennt sie, die CDU muss da nacharbeiten, Offenheit und Verlässlichkeit signalisieren - und das hat sie offenbar getan.

SPD-Strategin Geywitz zeigte sich jedenfalls angetan. "Im Wahlkampf haben wir ja noch relativ gegensätzliche Positionen vertreten und haben es jetzt relativ schnell geschafft, in ein sachliches Gespräch zu kommen, das war schon sehr gut." Bleibt die Frage, ob die SPD die CDU auch als stabil ansieht, ob sie davon ausgeht, dass Schierack tatsächlich Herr im Haus ist, einer, mit dem man ein Bündnis schließen kann, zu dem dann auch die ganze Mannschaft steht.

Der angedeutete Flirt könnte auch bloß Taktik sein

Geywitz antwortet diplomatisch: "Er ist der Landesvorsitzende, da hat man seinen Laden im Griff." Klingt erstmal logisch, war aber in Brandenburgs CDU lange nicht so - deshalb könnte der angedeutete  Flirt mit der Union auch nur Taktik sein, eine Botschaft an die Linken. Geywitz kann definitiv gut pokern, und weiß, dass man den Preis besser drücken kann, solange zwei potenzielle Partner im Spiel sind.

Die Linken kommen am Montag wieder, die CDU dann am Dienstag - zu seinen Chancen will Michael Schierack lieber nichts sagen."Was nützt ihnen das, wenn ich sage 45 zu 55 oder 50 zu 50, das bringt gar nichts, das ist Kaffeesatzleserei." Einen gänzlich unatmosphärischen, gut greifbaren, mathematischen Vorteil hätte ein Bündnis mit der CDU jedenfalls. Nämlich vier Sitze mehr im Parlament.

Soll die CDU die neue Schwester werden?

Beitrag von Alex Krämer

Mehr zum Thema

Rot-Rot und Rot-Schwarz im Koalitionscheck - Weitermachen oder zurück zur Ex?

Ministerpräsident Woidke und seine SPD haben die Wahl: Setzen sie die Koalition mit der Linken fort - oder schwenken sie um zur CDU, mit der sie bis 2009 regierten? Eine folgenschwere Entscheidung auch für alle Brandenburger, wie unser Koalitionscheck zeigt: denn Rot-Schwarz würde völlig andere Schwerpunkte setzen als Rot-Rot.