Liberale und Grüne starten Wahlkampf - Nach keiner Sau braucht nun jede Lesbe die FDP

"Keine Sau braucht die FDP!" - mit diesem Slogan hatten die brandenburgischen Liberalen bislang im Wahlkampf um Stimmen geworben. Experten bezweifeln indes, dass Selbstironie beim Wähler ankommt. Am Donnerstag erläuterten die Liberalen nun Stufe zwei ihrer Kampagne.

Die brandenburgische FDP ist mit einer gehörigen Portion Selbstironie in den Wahlkampf gezogen. "Keine Sau braucht die FDP!" prangte es zuletzt von zahlreichen Plakaten. Auch  auf der  Homepage der märkischen Liberalen sah man mit großen blauen Buchstaben auf gelbem Grund nichts anderes als den flapsigen Spruch - kein Menü, keine Inhalte, keine weiterführenden Links. Mutmaßungen, dass die Website von feindlichen Hackern gekapert wurde, stellten sich schnell als falsch heraus. Denn auch auf der Mailbox des Landeschefs Gregor Bayer hieß es: "Keine Sau braucht die FDP!". Es folgte eine Einladung an die Presse für Donnerstag in die Landesgeschäftsstelle nach Potsdam, wo die FDP die Kampagne erläuterte.

Danach war der Gaga-Spruch nur der erste Schritt im Wahlkampf, nun folgen die  Inhalte. Präsentiert wurden großflächige Plakate, auf denen die FDP verrät, wer sie denn nun braucht: "Jeder Arbeitslose braucht die FDP, damit neue Jobs kommen", heißt es auf einem. Und auf einem anderen: "Jede Lesbe braucht die FDP, damit Toleranz in der Gesellschaft herrscht."

Die Thüringer sind dann mal weg

In der Bundes-FDP ist man jedenfalls skeptisch, ob auch jeder die Selbstironie der bisherigen Kampagne verstanden hat. Mitarbeiter der Berliner Zentrale zeigten sich wenig begeistert. Das Ganze sei eine "grobe Kopie" des Wahlkampfs in Thüringen, hieß es. Dort plakatieren die Liberalen den Spruch: "Wir sind dann mal weg". Damit wollen sie den Wählern vor Augen führen, was passiert, wenn die FDP aus dem Landtag fliegt. "Wir sind dann mal weg - genau wie der Mittelstand. Wir sind dann mal weg - genau wie die Schulnoten", so die Botschaft hinter dem Slogan. Das, meint die Bundes-FDP, sei die elegante Variante, dem Bürger mit einem Schuss Selbstironie zu sagen, was passiert, wenn man die Liberalen auf dem Wahlzettel ignoriert.

FDP-Chef Lindner "hält den Atem an"

FDP-Chef Christian Lindner zeigte dann am Donnerstagmorgen auch Verständnis für seine Parteikollegen in Brandenburg. Zwar habe er bei dem Slogan "Keine Sau braucht die FDP" auch "erst einmal den Atem angehalten", sagte Lindner im ZDF-"Morgenmagazin". Doch er habe verstanden, dass die Kollegen mit der "ironischen, pointierten und provokanten Zuspitzung" nach Möglichkeiten suchten, in die Öffentlichkeit zu kommen, um für ihre Argumente zu werben.

Lindner verwies darauf, dass die FDP seit dem Ausscheiden aus dem Bundestag im vergangenen September Schwierigkeiten habe, mit Inhalten in die Medienberichterstattung zu kommen. "Das Kernproblem einer Partei in der außerparlamentarischen Opposition ist es, Aufmerksamkeit zu gewinnen", sagte er im ZDF. Die Parteispitze mische sich zudem nicht ein in die Wahlkampfgestaltung der Landesverbände. Diese entschieden selber über "die Art und Weise, wie sie den Wahlkampf führen".

Bei Umfragen im nicht messbaren Bereich

Dass sich die FDP gerade in Brandenburg versuchet sich an jeden Strohhalm zu klammern, ist nachvollziehbar. Denn dort sehe es in den Umfragen noch düsterer aus als für die Kollegen in Thüringen oder Sachsen, wo sie nach jetzigem Stand der Dinge bei zwei bzw. vier Prozent der Stimmen liegen und damit auch nicht mehr ins Parlament kämen.

Bei der letzten rbb-Umfrage wollten die Meinungsforscher der brandenburgischen FDP nicht einmal eine Prozentzahl nennen - nicht messbar, lautete das Ergebnis. Grund: Die Zahl derjenigen, die FDP wählen wollten, sei so gering, dass es nicht für eine repräsentative Aussage reichte.

"Das ist schon alles sehr verzweifelt"

Immerhin spreche man jetzt wieder über die FDP, sagte der Wahlkampf-Berater Frank Stauss am Mittwoch im rbb zu der PR-Aktion der Brandenburg-FDP. Stauss hat mehrere Wahlkämpfe für die SPD organisiert und ist Autor des Buches "Höllenritt Wahlkampf". "Das erste Ziel dieser Kampagne - dass man überhaupt über sie spricht, ist erreicht", sagte Stauss. "Wobei ich große Zweifel habe, ob das zweite Ziel, nämlich einen Wahlimpuls zugunsten der FDP abzuleiten, erfolgreich sein kann. Das ist schon sehr verzweifelt, was wir im Moment erleben - nicht nur in Brandenburg, auch in Sachsen und Thüringen."

Die Thüringer Kampagne "Wir sind dann man weg" sei darauf ausgerichtet, Verlustängste zu schüren. "Nur wenn eben keiner Angst hat vor dem Verlust, dann funktioniert das nicht", so Stauss. Das grundsätzliche Problem sei, dass man nicht mehr wisse, wofür diese Partei steht.

Mit Informationen von Alex Krämer und Robert Kiendl