Baustelle im Altarsaal des Pergamonmuseums (Quelle: dpa/Rainer Jensen)
Video: Abendschau | 29.10.2016 | Laurence Thio | Bild: dpa

Satte vier Jahre Verzögerung - Pergamonaltar wird offenbar erst 2023 fertig

Die Sanierung des Pergamonaltars verzögert sich um volle vier Jahre. Und auch die Kosten laufen aus dem Ruder: Sie steigen auf fast eine halbe Milliarde Euro. Landespolitiker überrascht diese erneute Hiobsbotschaft bei einem öffentlichen Bauprojekt kaum noch.

Die Bauarbeiten am Berliner Pergamonmuseum werden deutlich mehr Zeit und Geld in Anspruch nehmen als bislang geplant. Der Bund rechne derzeit mit Kosten von 477 Millionen Euro, teilte das Bundesbauministerium am Samstag mit. Ursprünglich waren 261 Millionen Euro veranschlagt. Zudem werde sich die Eröffnung auf Mitte 2023 verschieben. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" berichtet.

Das Pergamonmuseum mit dem weltberühmten Pergamonaltar ist das Herzstück der als Weltkulturerbe geschützten Berliner Museumsinsel. Mehr als 80 Jahre nach seiner Eröffnung und späterer massiver Beschädigung im Zweiten Weltkrieg wird es seit 2013 erstmals einer Generalsanierung unterzogen. Das Gesamtprojekt sollte voraussichtlich 2025/26 abgeschlossen sein, die Wiedereröffnung des Altarsaals war für 2019 geplant.

Überraschend aufgetauchte Pumpenhäuser im Baugrund

Hauptgrund der gestiegenen Kosten und des Zeitverzugs sind nach Angaben des Ministeriums zwei überraschend aufgetauchte Pumpenhäuser im Baugrund. Die Pumpen hatten während der Erbauung zwischen 1910 und 1930 Grundwasser abgesaugt, wurden danach laut Ministerium jedoch offenbar nicht entfernt. Vor Beginn der Sanierung habe es keine Hinweise auf die Hindernisse gegeben. Um den Museumsbetrieb nicht früher als nötig zu stören, sei auf Probebohrungen verzichtet worden, teilte das Ministerium mit.

"Das ist ein echtes Drama"

"Das ist für die Weltgemeinschaft der Archäologie-Interessierten ein echtes Drama. Der Pergamon-Altar ist das einzige Weltwunder, das sich in einem Museum befindet", kommentierte der Kunstwissenschaftler Nikolas Bernau auf Anfrage des rbb die Hiobs-Botschaften. "Die Attraktivität des Museums leidet darunter sehr, und nicht zuletzt die staatlichen Museen. Natürlich werden trotzdem viele Leute kommen, aber es führt sicherlich zu Besucher-Einbußen", meint auch Moritz van Dülmen, von der Kulturprojekte Berlin GmbH.

Um eine erneute Steigerung der Kosten zu vermeiden, veranschlagte das Bauministerium in seiner aktuellen Kalkulation nun eine Risikovorsorge von 45 Millionen Euro. Nur wenn sämtliche einkalkulierten Risiken eintreten, werden die Gesamtkosten auf die genannten 477 Millionen Euro steigen, hieß es. Dies sei eine dramatische Entwicklung, sagte eine Sprecherin von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) der "Morgenpost" (Sonntag). Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner sagte dem Blatt, die Verzögerung sei eine schlechte Nachricht für die Kultur der Stadt.

Grüne: In der Planungsphase wird nicht sorgfältig genug untersucht

BER, Staatsoper - und nun auch noch der Pergamonaltar. Warum laufen bei so vielen öffentlichen Bauprojekten Zeit- und Kostenpläne aus dem Ruder? Die grüne Kulturpolitikerin Sabine Bangert hat eine Erklärung: "Das Problem ist, dass wir in der Planungsphase meistens wenig Mittel und Geld haben, und das nicht sorgfältig genug untersucht werden kann. Das wir immer wieder in solche Situationen kommen, ist da vorprogrammiert."

Die ehemalige Stadtentwicklungs-Senatotrin Katrin Lompscher (Linke) stimmt zu, dass es eine schlechte Nachricht in Bezug auf große öffentliche Bauprojekte sei, schränkt aber ein: "Ich bin mir gar nicht sicher, ob es bei privaten Bauprojekten, die so kompliziert wären, nicht auch Ärger geben könnte."

Das Pergamonmuseum gestern, heute und morgen

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