Der U-Bahnhof Altstadt Spandau (Quelle: rbb/Friedrich)
Bild: rbb/Friedrich

360-Grad-Fotos aus dem U-Bahnschacht - Diese Bahnhöfe der U7 stehen jetzt unter Denkmalschutz

Vom Siemensdamm nach Spandau fahren Berliner künftig durch zahlreiche denkmalgeschützte Bahnhöfe. Denn sieben weitere Stationen sind jetzt auf der Schutzliste gelandet. rbb|24 hat die U-Bahnhalte mit der 360-Grad-Kamera erkundet.

Sieben Bahnhöfe der U7 von Siemensdamm bis Rathaus Spandau stehen jetzt unter Denkmalschutz. Als Zeugnisse der Nachkriegsmoderne werden sie in die Denkmalliste Berlins aufgenommen, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Dienstag.

Gemeinsam mit BVG-Chefin Sigrid Nikutta und dem Leiter des Landesdenkmalamts Jörg Haspel hatte er in die Station Paulsternstraße geladen. "Man sollte mit offenen Augen U-Bahn fahren und den öffentlichen Raum bewusst wahrnehmen", sagte Lederer. "Unser vielfältiges baukulturelles Erbe kann alt oder jung, modern oder postmodern sein - oder auch alltagstauglich, wie die jetzt denkmalgeschützten Bahnhöfe der U7 zeigen." Damit stehen 88 der 173 Berliner U-Bahnhöfe unter Denkmalschutz.

Paulsternstraße (erbaut 1980-1981)

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Rümmler als Vertreter der Pop-Architektur

Rainer Gerhard Rümmler (1929-2004) hat die sieben Bahnhöfe entworfen: Rathaus Spandau, Altstadt Spandau, Zitadelle, Haselhorst, Paulsternstraße, Rohrdamm und Siemensdamm. Er habe sich bei der Gestaltung an den oberirdischen Gegebenheiten orientiert, erzählt Haspel. So habe ihn zum Beispiel die Erzählung über einen Gastwirt namens Paul Stern zur floralen Gestaltung der Paulsternstraße inspiriert.

Rümmler ist ein bedeutender Vertreter der Postmoderne und der Pop-Architektur. Als Referatsleiter für Bauentwurf des Senats trieb er den Ausbau der U-Bahn in West-Berlin maßgeblich voran. Über die sieben Bahnhöfe hinaus gestaltete er weitere U-Bahnstationen in Berlin. Auch bei diesen werde nun überprüft, ob sie unter Denkmalschutz gestellt werden können, sagte Haspel.

Zitadelle (erbaut 1977-1983)

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Rathaus Spandau (erbaut 1977-1983)

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Umbauarbeiten sind weiterhin möglich

Für die Nutzer der BVG hat der neue Status der Stationen keine Folgen. Auch Umbauten, um beispielsweise Aufzüge einzubauen und Bahnhöfe barrierefrei zu machen, seien in Absprache mit dem Denkmalamt möglich, versicherte der Bauleiter der BVG, Uwe Kutscher. Dem rbb sagte er, der Denkmalschutz habe lediglich Folgen für seine Arbeit: Denn Genehmigungen und Baupläne müssten nun vor der Umsetzung immer auch mit dem Denkmalamt abgestimmt werden.

BVG-Chefin Nikutta lobte die bisherige Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt. "Wir müssen immer auch die Bedürfnisse unserer Fahrgäste nach Barrierefreiheit und Sicherheit im Blick haben. In den vergangenen Jahren haben wir schon bei vielen Projekten im Dialog gute Lösungen gefunden."

Siemensdamm (erbaut 1976-1979)

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Haselhorst (erbaut 1980-1981)

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Erhaltung im öffentlichen Interesse

Um ein Gebäude oder eben einen U-Bahnhof unter Denkmalschutz zu stellen, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein: Das Bauwerk muss von historischer, künstlerischer, städtebaulicher oder wissenschaftlicher Bedeutung sein. Seine Erhaltung muss im öffentlichen Interesse sein. Diese Kriterien sind nach Ansicht der Behörde bei den sieben Bahnhöfen der U7 erfüllt.

Rohrdamm (erbaut 1975-1979)

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Altstadt Spandau (erbaut 1977-1982)

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Sendung: Inforadio, "Der Morgen" | 29.03.2017 | 8.29 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    An einem Teil der Bahnhöfe offenbart sich die Schwierigkeit, dass Denkmalschutz allein als Zeugnisgebung der jew. Zeit angesehen wird, unabh. von Schönheitsvorstellungen. Die seien eben rein subjektiv. Mithin werden nicht nur subjektiv und intersubjektiv schöne Anlagen unter Denkmalschutz gestellt, sondern auch jene, die heute ästhetisch als bedenklich gelten.

    Das ICC ist für mich in seiner Klobigkeit und in seinem Erschlagenden eines der schlimmsten Bauwerke in Berlin. Dennoch steht es nahezu lupenrein für den Geist der 1970er, mit seiner Umgebung von Schnellstraßen, Tunnel für die Fußgänger, weil die ja als Straßenquerende dort nichts zu suchen hätten, und Radfahrende standen seinerzeit eh nicht auf der Agenda.

    Soll dieser Zeitgeist lupenrein konserviert werden, würden damit auch Verheerendes konserviert. Beim ICC-Umfeld wurde radverkehrsmäßig nachgebessert, auch entgegen des ursprünglichen "authentischen Zeugniswertes".

    Ich sehe die Bahnhöfe mit gemischten Gefühlen.

  2. 1.

    Ich finde, dass die Bahnsteige bei einem Teil dieser Bahnhöfe viel zu schmal sind. Ein Wunder dass es kaum zu Unfällen kommt.

    Vielleicht sollte man neben den denkmalgeschützten alten Stationen neue Stationen bauen, die ausreichend breite großzügige Bahnsteige aufweisen, anstatt sich diese veralteten baulichen Unzulänglichkeiten schönzureden.

    Oder man baut die Stationen ordentlich aus unter übernahme der alten Architektonischen Gestaltung.

    Vielleicht hat man die Stationen aber auch nur deshalb unter Denkmalsschutz gestellt, um einen Grund zu schaffen, die notwendigen Investitionen nicht tätigen zu müssen.

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