Der designierte Intendant des Staatsballetts Berlin, Johannes Öhman und die Choreographin Sasha Waltz nehmen am 28.04.2017 in Berlin an einer Pressekonferenz des Staatsballetts Berlin teil. (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)
Video: Abendschau | 28.04.2017 | Christian Titze | Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Konflikt um Sasha Waltz am Staatsballett - "Zeit für eine gemeinsame Vision"

Sie wolle "die Kluft zwischen klassischem Ballett und zeitgenössischem Tanz schließen": Nichts weniger als diesen Spagat kündigte Sasha Waltz, die künftige Intendantin des Berliner Staatsballetts, am Freitag in einer Pressekonferenz an. Christian Titze war dabei.

Für Sasha Waltz und Johannes Öhmann ist es kein leichter Gang am Freitag vor die Presse. Am Vortag fand das erste Gespräch mit dem Ensemble des Berliner Staatsballetts seit der Ernennung von Waltz und Öhmann statt. Es war ein Versuch, Barrieren auszuräumen.

"Ich glaube, es ist an der Zeit für eine gemeinsame Vision, Zeit dafür, dass wir einen gemeinsamen Weg gehen im Staatsballett", sagt Sasha Waltz auf der Pressekonferenz.

Auch die Ballettsprecherin Elionor Jagodnik wird kurz nach vorne gebeten: "Wir hatten sehr viele Fragen und die meisten wurden auch beantwortet", sagt sie über das Gespräch mit Waltz und Öhmann vom Vortag. "Das war sehr konstruktiv. Wir werden sehen, was alles noch passiert."

Wenig Begeisterung für die neuen Chefs

Es wurde viel geredet, aber nichts gesagt. Auf der Pressekonferenz zeigen Tänzer und designierte Intendenaten die hohe Kunst der Diplomatie. Doch seit Monaten brodelt es hinter den Kulissen. Das Ensemble zeigt sich bisher wenig begeistert von den neuen Chefs. Es gibt wohl weiter Vorbehalte gegen Waltz, die eben für modernen Tanz steht. Ein Gespräch kann da mutmaßlich nicht alle Bedenken ausgeräumt haben.

An Sasha Waltz, die gut acht Monate öffentlich geschwiegen hat, ist die Geschichte nicht spurlos vorübergegangen. "Es geht nicht um meine Person", sagt sie dem rbb. "Es geht um einen viel tieferen Konflikt zwischen dem klassischen Ballett und dem zeitgenössischen Tanz. Und ich stehe nun mal für den zeitgenössischen Tanz. Das wurde quasi an meiner Person verhandelt."

Öhmann startet eine Saison vor Waltz

Die wichtigste Aufgabe der beiden ist jetzt, möglichst viele Mitglieder des Ensembles für ihre Strategie zu begeistern. Sasha Waltz erklärt ihr Vorhaben so: "Wir wollen eine Brücke bauen. Sie soll die Kluft schließen, die zwischen dem zeitgenössischen und dem klassischen Tanz besteht."

Klassik und Moderne sollen also in Zukunft am Staatsballett möglichst gleichwertig nebeneinander stehen. Dass Johannes Öhmann - der für das klassische Ballett zuständig sein wird - eine Saison vor Waltz die Zügel in die Hand nimmt, macht die Sache nicht gerade leichter. Nach dem ersten Fehlstart braucht das Duo jetzt einen gelungenen Neuanfang.

Beitrag von Christian Titze

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