Chris Dercon, neuer Intendant der Berliner Volksbühne, spricht über die Inhalte seiner ersten Spielzeit am 16.05.2017 auf einer Pressekonferenz in Berlin (Quelle: dpa/ Jörg Carstensen))
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Video: Abendschau | 16.05.2017 | Christian Titze | Bild: dpa/ Jörg Carstensen

Programm der neuen Volksbühne - Dercon bekennt sich zu Sprechtheater und Avantgarde

Die neue Volksbühne nimmt Gestalt an. Nun hat der künftige Intendant Chris Dercon sein Programm. Gestartet wird in Tempelhof, erst im Herbst geht es in der Volksbühne weiter. Ensemble-Star Sophie Rois bleibt dem Haus erhalten - ist aber erst mal nicht verfügbar.

Der umstrittene neue Berliner Volksbühnenchef Chris Dercon (58) und sein Team haben am Dienstag ihr mit Spannung und einiger Skepsis erwartetes erstes Programm vorgestellt. Dercon startet mit Künstlern aus Syrien, Deutschland, Frankreich und Thailand in seine erste Saison als Intendant. "Wir wollen am Programm gemessen werden", sagte Dercon (58) am Dienstag. "Endlich müssen wir nicht mehr über mich reden", so der Theaterchef, der sich in den vergangenen Monaten heftiger Kritik aus der Kulturszene ausgesetzt sah. Dercon sagte, die Volksbühne werde "Stadttheater ohne Grenzen" bieten.

Zum Auftakt am 10. September lässt der französische Choreograph Boris Charmatz die Zuschauer auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof tanzen. Das Projekt "Fous de danse - Ganz Berlin tanzt" gibt den Startschuss zu einer vierwöchigen Premierenserie am temporären Tempelhofer Spielort der Volksbühne.   

Bis Ende Januar stehen dann insgesamt 16 Premieren auf dem Programm. Davon seien 13 Eigenproduktionen der Volksbühne, so Dercon und Programmdirektorin Marietta Piekenbrock. Künstler wie die Syrer Mohammad Al Attar und Omar Abusaada, die Deutsche Susanne Kennedy,
der Thailänder Apichatpong Weerasethakul und die Dänin Mette Ingvartsen inszenieren an der Volksbühne. Spielorte sind neben der großen Bühne und dem Tempelhofer Feld auch der Rote und der Grüne Salon der Volksbühne sowie das Kino Babylon gegenüber und der Prater in Prenzlauer Berg. Zusätzlich soll es mit "Volksbühne Fullscreen" auch eine digitale Plattform geben.

Sophie Rois soll bleiben - hat aber erst mal "Gastier-Urlaub"

Dercon will das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz nach eigenem Bekunden als "Laboratorium der Avantgarde" erhalten. Die Volksbühne sei immer ein einzigartiger Ort gewesen, sagte er weiter. Programmdirektorin Marietta Piekenbrock lobte "das seismographische Gespür" der Volksbühne für gesellschaftliche Spannungen. Das Theater habe der Avantgarde den Weg bereitet. "Das ist unser Auftrag", unterstrich die Theaterdramaturgin.

Dercon bekannte sich dazu, die Tradition des Sprechtheaters fortzusetzen. Zu Befürchtungen, er wolle die Volksbühne zu einem Eventhaus machen, sagte Dercon am Dienstag dem rbb, eines der ersten Projekte unter seiner Leitung würden beispielsweise die drei Einakter von Samuel Beckett sein. Die Menschen sollten zusehen und zuhören, woher das moderne Theater komme. Es werde werde aber nicht nur Sprechtheater geben auf der großen Bühne, sondern auch sogenanntes "Sprech-Denk-Theater" im Roten Salon.

Mit welchem Ensemble er genau arbeiten wird, ist noch offen. Der Stellenplan sieht 27 Ensemble-Spieler vor, elf davon sind derzeit besetzt. Drei der aktuellen Volksbühnen-Schauspieler wollen und können Dercon zufolge auch in der neuen Volksbühne arbeiten. "Wir werden weiterarbeiten mit Silvia Rieger, mit Sir John Henry und mit Sophie Rois - aber sie hat Gastier-Urlaub nächstes Jahr", sagte Dercon dem rbb. Der Rest des Ensembles soll erst ab Beginn der Spielzeit aufgebaut werden, allerdings nicht nur mit Schauspielern, sondern auch mit Tänzern, Performern und anderen Künstlern.

Kritiker besorgt um den Ruf der Bühne

Dercons Intendanz beginnt offiziell am 1. August, er folgt auf Frank Castorf, der nach 25 Jahren an der Spitze der Volksbühne gehen muss. Die Berufung Dercons war immer wieder scharf kritisiert worden. Als Protest gegen den neuen Intendanten sollte zuletzt das Volksbühnenrad abgebaut werden. Die Volksbühnen-Mitarbeiter stellten sich gegen den neuen Chef und auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) formulierte immer wieder Vorbehalte.

Dercon war zuletzt Direktor des Londoner Museums Tate Modern. Kritiker haben immer wieder gewarnt, der Museumsmann und Kunstexperte könne die Volksbühne zu einer Art Ereignis- und Eventstätte machen und den Ruf des Hauses ruinieren.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Hört sich an wie HAU. Nur langweiliger.

  2. 1.

    Bin gespannt wie nen Flitzebogen! Die unkündbare Sophie Rois wird hoffentlich auch in den Produktionen berücksichtigt werden.

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