Werbefilm von Audi bei BERLIN FASHION FILM FESTIVAL (Quelle: BERLIN FASHION FILM FESTIVAL)
Audio: Kulturradio | 07.06.2017 | Vera Block | Bild: BERLIN FASHION FILM FESTIVAL

Filmleute, Werbe-Profis, Designer - Berlin Fashion Film Festival zeigt Trends der Modebranche

Fashion-Filme sind Visitenkarten der Modeunternehmen. Aber sie zeigen mehr als neueste Kollektionen: Sie vermitteln Ideen zur Selbstdarstellung und Selbstgestaltung. Am Donnerstag beginnt in Berlin das Fashion Film Festival. Von Vera Block

Fashion-Filme sind die Musikvideos von heute – wird Frank Funke, der Gründer des Berlin Fashion Film Festivals (BFFF) gerne zitiert. So wie früher die Musiksender ganze Generationen in Stil und Haltung prägten, tun es heute die Fashion-Filme. Ihr Einfluss ist so groß, dass es inzwischen mehrere Fashion-Film-Festivals weltweit gibt. Das Berlin Fashion Film Festival gilt als eines der einflussreichsten. Seit 2012 kommen in Berlin im Juni Filmleute, Werbeprofis und Modemacher zusammen, um neue Trends auszuloten, Ideen auszutauschen und im Wettbewerb, an dem mehrere hundert Kurzfilme teilnehmen, die besten zu wählen.

Sex sells. Image sells better.

Manches scheint sich dabei allerdings nicht zu ändern: Brüste, Hintern, Muskeln - es geht in der Modebranche nicht ohne. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die Kleidung umso besser verkauft, je weniger die Models bekleidet sind. Und so gehört es nach wie vor zum Pflichtprogramm des Fashion-Films, knappe Höschen auf apfelrunden Pobacken in pixelgewaltigen Nahaufnahmen abzulichten.

Doch ganz so einfach ist es heutzutage auch nicht mehr. "Sex sells" gilt zwar in der Modebranche wie eh und je. Noch besser verkauft sich allerdings eine Idee, eine Vorstellung von Lebensgefühl, verpackt in den entsprechenden Kleidungsstil.

Es ist dieses Gefühl, diese Idee eines "Ich", das durch die Kleidung eine neue Orientierung bekommt. Bei Miu Miu orientiert es sich am "Früher", dieser bunten und heiteren Zeit, als "alles besser war".

Der aktuelle Fashion Film von Nike wählt eine andere Orientierung: Selbstakzeptanz.

Eine Haltung wird zum Trend

Das Sportlabel will mit seiner neuen Kollektion die Straßen erobern und Streetware verkaufen. Sein Imagefilm zeigt, an wen: an alle, die cool und lässig sind oder es werden wollen. Menschen, die Albinismus haben, Menschen, die Menschen des gleichen Geschlechts lieben oder die sich die Haare blau färben oder Hunde haben oder nackt auf Pferden reiten.

Die gut gemeinte Botschaft dahinter ist ganz im Sinne der Inklusion. "We believe in the Power of Love" ("Wir glauben an die Kraft der Liebe"), sagt Nike auf alle erdenklichen Weisen in einem zweiminütigen Musikvideo. Hauptsache man trägt dabei die Schuhe mit der geschwungenen Linie – dem legendären Swoosh.

Fashion-Filme sind wahre Chamäleons der Werbebranche. Sie passen sich jeder Mode, jedem Stil, jedem Publikum und jedem Format an. Vom Zehn-Sekunden-Schnipsel für den Nachrichten-Dienst Snapchat bis zum Kurzfilm mit aufwändiger Kulisse – alles ist möglich. Vor allem über die sozialen Netzwerke verbreiten sich die Fashion-Filme rasant. Ein Like ist schnell gesetzt. Die interaktiven Produktionen ermöglichen sogar eine Bestellung, noch während der Film läuft.

Jürgen Teller fotografiert Vivienne Westwood mit Model beim Modeshooting, Nairobi, Kenia 2011 (Quelle: BR/Reiner Holzemer)
Vivienne Westwood mit Model beim Shooting | Bild: BR/Reiner Holzemer

Großes Kino groß in Mode

Dabei wirken die Fashion-Filme viel raffinierter als die plumpe "Kauf mich!"-Werbung. Sie erzählen Geschichten. Unprätentiöse, wie die von den Miu-Miu-Mädchen am Strand. Oder aufwändige, mit Drehbuch und Sienna Miller in der Hauptrolle, wie "The Tale of Thomas Burberry". Der kurze Film wirkt wie ein Trailer für ein Historiendrama à la Hollywood und wurde vom Oscar-Gewinner Asif Kapadia gedreht. Die Burberry-Modeklassiker sind darin nur Nebendarsteller in einer Story um Liebe, Unternehmergeist, den ersten Weltkrieg und das schwarz-beigefarbene Check-Karomuster. Man würde gerne den ganzen Film sehen. Und dabei den berühmten Burberry-Schal tragen.

Andere Fashion-Filme kommen auch ohne eine Story aus: Eine Reihe von Lippenstiften, die wie Dominosteine umfallen, oder eine Mann, der sich aus einem Berg feinster Stoffe herausbuddelt -  das reicht, um ein viraler oder kommerzieller Erfolg zu werden. Wie cool das wirken kann, zeigt die Berliner Elektro-Band Moderat in ihrem Video "Eating Hooks".

Ob Newcomer oder die Großen der Modebranche wie Rankin - der Fashion-Film ist ein reizvolles Genre für alle. Sein Einfluss reicht weiter als bis in den Kleiderschrank. Es kreiert Lifestyle und bietet Ideen für ein Lebensgefühl – selbst wenn es nur für eine Saison ist.

Beitrag von Vera Block

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