Die Ausstellung All Included (Quelle: Jugend Museum Berlin)
Audio: Inforadio | 20.06.2017 | Anna Pataczek | Bild: Jugend Museum Berlin

"All Included" des Jugend Museums - Berliner Museumsprojekt erhält Preis für kulturelle Bildung

Das Projekt "All Included" des Jugend Museums Berlin gilt als herausragendes Beispiel dafür, wie gute Museumsarbeit und kulturelle Vermittlung funktionieren. Am Dienstagabend wurde es mit einem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro ausgezeichnet. Von Anna Pataczek

Braucht es in Berlin ein Aufklärungsprojekt für sexuelle Vielfalt überhaupt noch? Mitten in der Großstadt, wo doch alle so sein können wie sie wollen? Ellen Roters, Leiterin des Jugend Museums in Schöneberg, findet ja. "Letztes Jahr gab es eine Untersuchung vom Deutschen Kinder- und Jugendinstitut, die queere Kinder und Jugendliche befragt haben und über 90 Prozent haben Mobbing- und Diskriminierungserfahrungen", sagt sie.

Vor zwei Jahren hat sie das Projekt "All Included" mitbegründet. Zwölf Berliner Klassen aus Grund- und Oberschulen sind beteiligt. Immer wieder laden die Museumsleute auch Erwachsene ein. Schwule, lesbische und transsexuelle Gesprächspartner, die alle Fragen ganz offen beantworten. Roters sagt: "Da war einfach eine ganz große Neugierde da: Wie kommt jemand dazu? Wie fühlt man das?" In der Ausstellung wurden auch Sprechblasen aufgestellt, in denen Fragen von Jugendlichen standen wie: "Wem hast du's als erstes gesagt?"

Shampoo mit Tanzstange

Es geht aber auch um die Kinder und Jugendlichen selbst, um Klischees und Geschlechterzuschreibungen. Wie nehme ich mich wahr? In einem kleinen Film zu diesem Bundesmodellprojekt erlebt man die Schüler, wie sie sich dem Thema nähern. In einem Spiel sollten sie sich selbst beschreiben, indem sie sich Gegenstände zuordnen.

Ein Mädchen wählte Spitzenschuhe für sich, weil es gerne Ballett tanzt sowie ein kleinen Oldtimer, da es Autos liebt. Ein anderes Mädchen philosophiert in dem Film über Lieblingsfarben und stellt fest: "Eigentlich gibt es auch Jungen, die mögen richtig doll rosa und das ist auch ihre Lieblingsfarbe. Also meine Lieblingsfarbe ist Grün."

Auf diese Weise soll Schubladendenken aufgebrochen werden. Was gar nicht so einfach ist, wenn man im Alltag immer wieder alten Klischees begegnet. Eine zehnte Klasse wurde losgeschickt, um Shampoo zu kaufen. Das für Jungs war sportlich blau. "Und für Mädchen war das für gut kämmbare Haare", sagt Roters. "Und da gab es auch kleine Abbildungen drauf. Und da hat einer der Schüler gesagt: 'Kuckt mal, das ist Table Dance.' Und wir sagten so: 'Jetzt übertreib mal nicht', das war unsere Reaktion." Beim genaueren Betrachten sei festgestellt worden, dass etwas, was wohl einen Wasserstrahl darstellen sollte, unter dem das Werbemädchen duschte, tatsächlich eher an eine Tanzstange erinnerte.

Kinder konzipieren eine Ausstellung über Rollenbilder

Was haben all diese Workshops mit Museumsarbeit zu tun? Leiterin Roters findet eine ganze Menge: "Unsere Art des Sammelns und der Recherche bedeutet auch, mit Kindern gemeinsam zu arbeiten." Langfristig soll so eine Ausstellung entstehen, bei der Kinder schon am Konzept mitarbeiten. Später soll diese so präsentiert werden, "dass sowohl Kinder als auch Erwachsene damit was anfangen können", sagt Roters.

Das Berliner Jugend Museum hat mit dem Projekt "All Included" die Jury des bundesweiten Preises für kulturelle Bildung überzeugt. Als einer der drei Siegerbeiträge erhielt "All Included" ein Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro. Allein für die Nominierung wurde den zehn besten Einsendungen jeweils 5.000 Euro zugesprochen. Die Gewinner wurden von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verkündet.

Beitrag von Anna Pataczek

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren