Das Filmstill zeigt eine Szene des Films "Murder on the Orient Express" (2017), (uelle: imago/Nicola Dove)
Bild: imago/Nicola Dove

Geschlechterrollen in Kino und TV - Männer beherrschen die Bildschirme und Leinwände

Männer dominieren in der Unterhaltung und im Informativen und erklären dort die Welt. Eine Studie zu Geschlechterrollen im Fernsehen und Kino zeigt: Frauen kommen weitaus seltener vor. Besonders eine Gruppe fällt oft raus. Von Jule Kaden und Vanessa Klüber

Wie oft kommen Frauen, wie oft Männer im Fernsehen und im Kino vor? Und wie werden sie dargestellt? Diese Fragen stellte sich wohl Schauspielerin Maria Furtwängler und initiierte eine Studie zu Geschlechterrollen im deutschen Fernsehen. Ihr sei "wichtig zu verstehen, welches Geschlechterbild mit der enormen Wirkungsmacht des Fernsehens und Kinos transportiert wird", wird sie in der Studie zitiert. Gefördert wurde die Studie unter anderem von ARD und ZDF.

Um die Fragen zu beantworten, schauten Forscher rund um Elizabeth Prommer, Professorin an der Universität in Rostock, etwa 3.000 Stunden Fernsehen und 800 Kinofilme. Ihre Ergebnisse präsentieren sie am Mittwoch in Berlin mit der Studie "Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland".

MARIA FURTWÄNGLER
Initiatorin der Studie: Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler | Bild: imago stock&people

Am realitätsnahesten bei Verteilung Soaps und Telenovelas

Die zentralen Ergebnisse: Frauen sind deutlich unterrepräsentiert im deutschen Kino und Fernsehen. In mehr als zwei Dritteln aller untersuchten Produktionen sind die Hauptakteure männlich.

Besonders deutlich wird das im Kinderfernsehen (72 Prozent Männer) und bei non-fiktionaler Unterhaltung (69 Prozent Männer) wie Quiz-, Comedy-, Unterhaltungs- und Kochshows. Auch Nachrichtensendungen, Reportagen, Sportsendungen oder Dokus sind zu knapp 70 Prozent männerdominiert. Am realitätsnahesten sei die Geschlechterverteilung in Soaps und Telenovelas.

Mansplaining - Männer erklären die Welt

In der Studie gibt es neben der Unterrepräsentation von Frauen drei weitere zentrale Ergebnisse:

  • Altersgap: Wenn Frauen vorkommen, dann als junge Frauen. Ab einem Alter von 30 Jahren kommen Frauen sukzessive seltener vor.
  • Männer erklären die Welt: Sie sind zum großen Teil Experten, Gameshow-Moderatoren, Journalisten und Sprecher.
  • The Future is equal? Nicht, wenn es nach dem Kinderfernsehen geht.

Am wenigsten kommen Frauen ab 50 vor

Die Studie zeigt zudem, Frauen sind bei Informationsangeboten, wenn sie vorkommen, mit 47 Prozent am ehesten noch die Moderatorin. Expertin sind sie in nur 21 Prozent der Fälle.

Bis zu einem Alter von Mitte 30 Jahren kommen Frauen und Männer in etwa gleich oft vor.
Ab Mitte 30 verändert sich dies jedoch. Hier kommen auf eine Frau zwei Männer. Am wenigsten kommen Frauen in der Gruppe ab 50 vor.  In diesem Bereich sind es 80 Prozent Männer und 20 Prozent Frauen.

Im Kinderfernsehen ist nur eine von vier Darstellern weiblich. Besonders imaginäre Figuren sind fast ausschließlich männlich besetzt. Auf eine weibliche Tierfigur kommen neun männliche.  

Bislang umfassendste deutsche Studie

Die am Mittwoch in Berlin veröffentlichte Studie ist nach Angaben der Wissenschaftler die bislang umfassendste deutsche Studie zu diesem Thema. Die letzte große deutsche Untersuchung sei  bereits mehr als 20 Jahre alt, in Bezug aufs Kinderfernsehen etwa zehn Jahre. Um eine möglichst aktuelle Einschätzung abzugeben, wurden TV-Beiträge aus dem Jahr 2016 und Kinofilme aus den vergangenen sechs Jahren ausgewertet.

Sendung: Kulturradio, 12.07.2017, 15 Uhr

Beitrag von Jule Kaden und Vanessa Klüber

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Nicht schlecht, was hier alles so erforscht wird.
    Bevor man sich über irgendwelche Quoten auslässt sollte man sich erst einmal um die Qualität der Filme und Fernsehformate den Kopf zerbrechen. Frau Furtwängler nimmt sicher auch nicht jede ihr angebotene Rolle an.

  2. 17.

    Ein richtiges Argument wird nicht dadurch falsch, dass es von einem Mann vorgebracht wird. Außerdem kennen Sie nicht das Geschlecht der Poster, der angegebene Name bedeutet im Internet nichts. Statt sich mit den vorgebrachten Argumenten auseinandersetzen, greifen Sie die Poster wegen einer irrelevanten biologischen Eigenschaft an. Das ist ziemlich billig. Und "getroffene Hunde bellen" ist das blödeste denkbare "Argument". Nach der Logik darf gar nichts kritisiert werden.

  3. 16.

    Getroffene Hunde bellen würde ich da sagen - bezeichnend, dass alle Kommentare über die angebliche Sinnlosigkeit und Falschheit dieser Studie von Männern kommen.

  4. 15.

    Besser kann man diesem irrationalen, man muss schon sagen dämlichen Rundumschlag von Frau Furtwängler nicht begegnen. Zusehen bekommt man übrigens in den ÖR zuweilen an sieben Wochentagen mindestens einen Film pro Tag mit Christine Neubauer, nicht selten auch Christiane Hörbiger, Jutta Speidel und wie diese Damen über 50 (!) alle heißen.
    Die Redaktionsstuben sind erwiesenermaßen bis zu 80% mit Redakteurinnen besetzt und das gängige inhaltliche Format von Fernsehspielen ist seit jJahren immer gleich:
    Alleinerziehende Mutter zweier Töchter wagt mit Hilfe bester Freundinnen endlich den Schritt zur starken Frau.

  5. 14.

    Stimmt! Moderatorinnen von Informationssendungen oder Talkshows sieht man kaum (Maischberger, Will, Illner, Böttinger, Hayali, Schöneberger, Tietjen, Rakers - alles Männer!). Nachrichtensprecherinnen sind die absolute Ausnahme. Korrespondentinnen oder Außenreporterinnen Mangelware. Kaum vorstellbar, Kabarettistinnen oder Komikerinnen könnten mal eine eigene Sendung bekommen. Starke, emanzipierte Frauen, die sich im Berufsleben behaupten (und das auch schon im 19. Jahrhundert)? Gibt's in Fernsehfilmen höchstens ein-, zweimal im Jahr. Und Ermittlerinnen in Fernsehkrimis? Kann man mit der Lupe suchen!

    Allerdings glaube auch ich grundsätzlich nur die Statistiken, die ich selbst manipuliert habe.

  6. 13.

    @alex

    "Feminist ist eine Person die an die soziale, finanzielle und politische Gleichheit der Geschlechter glaubt."

    Kritiker am Feminismus bestreiten das. Zumindest Teile des Feminismus lehnen Gleichheit und Gleichberechtigung bereits theoretisch ab, extreme Auswüchse fordern sogar Genozid gegen Männer. In jedem Fall ist die praktische Politik auf die Errichtung von Privilegien gerichtet. Und Sie zitieren gleich ein Beispiel dafür.

    "Frauen bekommen nachwievor bei gleicher Tätigkeit 25% weniger Gehalt als Männer in Deutschland."

    Dass Frauen und Männer im statistischen Mittel unterschiedliche Einkommen erzielen mag stimmen, aber nicht für die gleiche Arbeit bei gleicher Qualifikation und gleichen Wochen- und Jahresarbeitszeiten. Das sagt schon die Logik dass da was nicht stimmen kann: Solche Tarifverträge gibt es nicht und sie wären verboten wenn es sie gäbe. Grund für die Ungleichheit sind nämlich unterschiedliche Berufswahl und unterschiedliche Arbeitszeitmodelle.

  7. 12.

    Wird oft falsch zitiert, aber Frauen bekommen 25%weniger Gehalt für unterschiedliche Tätigkeiten, nicht für gleiche. Für gleiche ist der Unterschied nur 0-8%, je nach Studie.
    Und zum Thema: Der Gender Gap im Kinderfernsehen wundert mich nicht, wenn Tierfiguren als normativ als männlich angesehen werden: Ist die Maus aus der gleichnamigen Sendung männlich?

  8. 11.

    Feminist ist eine Person die an die soziale, finanzielle und politische Gleichheit der Geschlechter glaubt. Frauen bekommen nachwievor bei gleicher Tätigkeit 25% weniger Gehalt als Männer in Deutschland. Da wundert's mich nicht das nur böse Kommentare von Männern zu dieser Studie hier erscheinen.Gelebte Realität von Frauen ist immer noch Benachteiligung. Wer will denn schon seine bessere Stellung freiwillig aufgeben?

  9. 10.

    Film und Fernsehen sind Spiegelbild der Gesellschaft. Es fehlt oft am zeitgemäßen Frauen- und Männerbild! Stereotypen und Klischees werden bedient, zu wenig differenzierte Geschlechterrollen gezeigt. Das ist eine Frage der Qualität. Es gibt ja Ausnahmen vom Mainstream mit Anspruch. Starke gleichberechtigte Mädchen und Frauen, Jungs und Männer die dem nicht entgegen stehen. Gleich viel Frauen und Männer wird es nicht geben, jedoch sollte die Lücke kleiner und diskutiert werden. Da muss auch noch mehr analysiert werden. Frauenförderung statt Sexismus! Über die Jahrzehnte sehe ich Fortschritte. Dann spielt heute Fernsehen eine andere Rolle als noch vor Jahren (mehr Unterschicht und Ältere). Kinder erleben Männer mehr in der Fiktion als in der Realität.

  10. 9.

    Bravo! Wir brauchen unbedingt eine Frauenquote. Die natürlich strikt einzuhalten ist (es sind gebühren- und/oder steuerfinanzierte Vollzeitarbeitsplätze zu schaffen, von denen aus darüber gewacht und ggf. eingegriffen wird). Und eine Schwulen- und Lesbenquote. Eine Behindertenquote (gegliedert nach körperlich, geistig, mehrfach). Eine Ausländerquote. Eine Asiatenquote. Eine Dunkelhäutigenquote. Eine Atheistenquote. Eine Transsexuellenquote. Eine Judenquote. Eine Rothaarigenquote. Eine Kleinwüchsigenquote. Eine Seniorenquote. Eine Allergikerquote. Eine Mensch/inn/en-ohne-Schulabschluss-Quote. Eine Frutarierquote. Eine ... - bitte verlängern Sie diese Aufzählung beliebig.

    Gleiches Recht für alle. Nur so ist Vielfalt garantiert! Oder haben Sie etwa etwas gegen Vielfalt? Vielfalt macht unsere Welt besser. Wissenschaftlich bewiesen.

  11. 8.

    Ich bin für eine Frauenquote bei TV-Ermittlern, Quizmastern und Moderatoren. Sowie bei den Darstellern von Mördern, Sexualverbrechern und Psychopathen. Man sehe mir bitte nach, dass ich aus Gründen der Lesbarkeit darauf verzichtet habe, die Begriffe politisch korrekt zu gendern. Und gerade fällt mir ein, dass ich Transsexuelle überhaupt nicht berücksichtigt habe. Im Ernst: Offenkundig hat dieses Land keine anderen Probleme, und ebenso offenkundig haben die öffentlich-rechtlichen Sender dank Zwangsabgabe zuviel Geld.

  12. 7.

    Wow, gut das wieder Geld für solch eine wichtige Studie in die Hand genommen wurde!

  13. 6.

    Wer fühlt sich mal wieder auf den Kravatte getretten??? Der Schlipsträger!

  14. 5.

    Danke an Maria Furtwängler für die Beauftragung der Studie und dem rbb für den Bericht. Wäre doch auch mal ein Anlass die eigenen Reihen nach männlicher Dominanz zu hinterfragen. Die sexistische Normalität zu hinterfragen löst ja bei einigen Gewinnlern immer noch einen Abwehrreflex aus. Die eigenen, unverdienten Vorteile werden halt gerne als eigenes Können interpretiert.

  15. 4.

    Ist schon Sommerloch?

  16. 3.

    Wenn Feministen eine "Studie" machen, ist doch klar was rauskommt. Zufällig ist mir heute morgen das Gegenteil aufgefallen: Ich hab so gegen 9:00 morgens durch ARD, ZDF und sämtliche Dritten gezappt, und es waren nur Frauen zu sehen. Bei den ganzen deutschen Soap-Operas sowieso, und die Moderatorinnen der diversen Magazine auch.

    Es gibt auch besonders bei den ÖR-Sendern so ein spezielles Genre, das ich für mich "Emanzenfilme" getauft habe. Die strahlende, positiv dargestellte Heldin, die trotz "sympathischer" kleiner Schwächen ihren Alltag und ihren Beruf meistert. Männer kommen dagegenfast nur als Probleme oder Problemfälle vor. Verschiedene Tatörte sind dafür z.B. prototypisch, und auch manche Fernsehspiele besonders bei ARD und ZDF.

    Bitte nicht falsch verstehen, ich habe natürlich nichts dagegen dass Frauen in solchen Rollen vorkommen, auch gern sehr zahlreich. Aber diese Überhöhung mit feministischer Botschaft ist unangenehm. Man bemerkt die Absicht und ist verstimmt.

  17. 2.

    Und wieder mal die Mär von den benachteiligten Frauen der Berufsempörten. Ich denke es gibt im Kino und im TV etliche Formate, Serien und Filme, die ausschließlich auf Frauen zugeschnitten sind oder weibliche Heldinnen in Hauptrollen vorzuweisen haben. Von Benachteiligung kann keine Rede sein. Aber manche Leute sehen halt überall vermeintliche Probleme anstatt sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren.

  18. 1.

    Und wieder ist die Banane gelb und krumm. Viel interessanter fände ich wieviel nonsens in der Forschung Forschung blockiert und wieviele Prof. sich mit derart modiokren Ergebnissen publikatorisch und bezahlt am leben halten können.

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