Radioeins Programm-Chef Robert Skuppin. (Quelle: dpa/Franziska Koark)
Bild: dpa/Franziska Koark

Interview | Wellen-Chef Robert Skuppin - "Programm-Chef von Radioeins zu sein, ist ein echtes Geschenk"

Der Sender, der nur für Erwachsene sendet, ist inzwischen auch erwachsen geworden. Die gesamten 20 Jahre ist Robert Skuppin dabei, seit sechs Jahren an der Spitze. Manchmal nervt ihn der Job auch, aber trotzdem wird in all seinen Radios nichts anderes eingestellt.

rbb|24: 20 Jahre Radioeins - wie viele Jahre davon sind Sie selbst schon dabei?

Robert Skuppin: Die ganzen 20 Jahre. Ich bin von Anfang an dabei. Ich war sogar zwei oder drei Monate vor Sendestart bei Radio Brandenburg, von dem Radioeins ja dann die Frequenz übernommen hat.

Hören Sie den Sender selber noch gern?

(Lacht) Natürlich. Ich höre eigentlich fast nichts anderes. Das ist mein Hauptproblem, dass ich wesentlich mehr anderes hören müsste, um mal zu hören, was die Konkurrenz so macht. Aber der Sender ist in meinem Auto eingestellt, in meinem Küchenradio auch – in allen Geräten. Ich höre ihn und bin wie die Hörer: Ich freue mich, und fast nie ärgere ich mich auch mal (lacht immernoch).

Sie hören als normaler Hörer und nicht so sehr als Chef?

Doch, aber ich kann das nicht immer ganz trennen. Als Chef weiß ich häufig, was Aufregendes geplant war, als Hörer freue ich mich dann, wenn es klappt oder muss manchmal auch anerkennen, dass es nicht hingehauen hat.

Radiomoderatoren Robert Skuppin (re.) und Volker Wieprecht im Jahr 2005 (Quelle: imago/Waldemar Boegel)
Robert Skuppin (re.) und Volker Wieprecht anlässlich der rbb-Talkshow "Leute am Donnerstag" in Berlin im Jahr 2005Bild: imago/Waldemar Boegel

Sie sind besonders in der Kombination mit Volker Wieprecht populär geworden. Erkennen die Menschen Sie an der Stimme – wenn Sie etwas beim Bäcker kaufen?

Ja, das passiert schon mal. Es ist nicht die Regel. Ich werde wahrlich nur ganz selten erkannt, aber einmal im Monat passiert es mir sogar heute noch, dass jemand sagt, irgendwoher kenne ich sie. Die Stimme oder auch der Name kommt denen dann bekannt vor.

Sie sind ja nun seit 2011 Programmchef und damit eher selten selbst am Mikrofon. Haben Sie den Jobwechsel jemals bereut?

Also Programmchef von Radioeins sein zu können, ist ein echtes Geschenk! Aber manchmal freut man sich ja auch über ein Geschenk nicht. Natürlich gibt es Tage, da vermisse ich die Moderation und vor allem Volker Wieprecht und die schöne Zeit mit ihm. Dann sage ich mir: War doch viel besser im Studio. Du hattest tausende von Problemen nicht, konntest Dich viel besser auf etwas ganz anderes konzentrieren und hattest dabei sehr viel Spaß. Das kennt - glaube ich – jeder von seiner Arbeit. Aber nochmal: prinzipiell ist es wirklich toll, ein Programm zu machen, das so viele Fans hat, so kreativ und so erfolgreich ist, dazu noch mit einem so tollen Team.

Sechs Jahre Programmchef – können Sie sagen, was Ihnen in dieser Zeit wirklich gut gelungen ist?

Das müssten eher andere beurteilen. Ich weiß, was mir wichtig war und ich glaube, man kann ja auch einiges hören: das, was wir auf dem rbb-Dach machen oder das Parkfest. Trotzdem müssten das eher mein Team oder die Hörer beurteilen. Ich bin mir aber auch sicher, dass ich Fehler gemacht habe.

"Sanft & sorgfältig" mit Jan Böhmermann und Olli Schulz (Quelle: rbb/Oliver Ziebe)
Jan Böhmermann und Olli Schulz im Radioeins-Studio, von wo aus sie "Sanft & sorgfältig" gesendet haben | Bild: rbb Presse & Information

Würden Sie den Weggang von Böhmermann und Schulz zu Spotify als Niederlage bezeichnen oder belebt Konkurrenz das Geschäft?

Es ist eine Niederlage, die das Geschäft belebt. Ich finde es wirklich schade, dass sie nicht mehr bei uns sind; auf der anderen Seite ist es doch auch eine Riesenanerkennung, dass ein internationales Unternehmen wie Spotify dem regionalen Sender Radioeins zwei Modertoren abjagt; eigentlich eine Verbeugung vor dem Radio und Radioeins.

Sie mussten und müssen sich ja auch immer wieder mit Kritik von Hörern beschäftigen, etwa als die Abendschiene vor einigen Monaten verändert wurde. Nach welchen Kriterien haben Sie entschieden, welche Sendungen abgeschafft und welche neu ins Programm geholt werden sollen?

Fangen wir mal mit dem Positiven an: Zurzeit gibt es viel Lob für viele der neuen Sendungen. Die Musikredaktion mit ihrer Musikchefin hatte sich zu Recht überlegt, die Musikspezialsendungen in der Nacht nach fast 20 Jahren kaum Veränderungen endlich zu reformieren. Natürlich gibt es auch Kritik, wenn über Jahrzehnte liebgewordene Sendungen verschwinden, aber ohne sich vom Alten zu verabschieden, kann auch nichts Neues entstehen.

Radioeins-Programmchef Robert Skuppin bei der Eröffnung der Dachterrasse (Quelle: rbb/Oliver Ziebe)
In der 14. Etage des rbb-Fernsehzentrums eröffnete der rbb im Juli 2017 die "Radioeins Dachlounge" mit Programmchef Robert Skuppin | Bild: rbb Presse & Information

Unter ihrer Führung ist Radioeins deutlich sichtbarer geworden mit vielen Events. Besonderes Aufsehen erregt aktuell die Dachterrasse am Theodor-Heuss-Platz, aus dem Konzerte und Lesungen gesendet werden. Ist Radioeins ein Eventradio geworden?

Eine der Grundideen von Radioeins ist das Live-Erlebnis beim Hören. Wir hatten sogar mal einen Claim, der hieß "Leben live" und bis heute gilt: Wir wollen so viel Live-Programm wie möglich anbieten, weil wir glauben, dass Authentizität einer Sendung ein Wettbewerbsvorteil gegenüber vorproduzierten Elementen oder der Konserve ist. Events wie das Parkfest oder die Dachterrasse sind eigentlich nur die konsequente Fortführung dieser Live-Idee, weil wir damit auch noch zusätzlich nah an unserem Publikum sind.  

Was wird aus dem Studio im Admiralspalast, wenn sich das Senden vom rbb-Dach in Berlin etabliert? Haben Sie dann noch eine weitere Spielstätte in der Stadt?

Wir haben das Senden vom Dach als Programmidee anlässlich unseres Geburtstages im Jahr 2017 geplant und sind glücklich, dass es so erfolgreich klappt. Bisher gehe ich allerdings davon aus, dass wir ab 1. Januar 2018 wieder aus dem Studio im Kino Babylon senden werden. Sollte der rbb das Dach als seine Location fortführen wollen – wir haben gute Erfahrungen gemacht.

In einem der ersten Zeitungsartikel über Radioeins aus dem Jahr 1997 kann man so Sätze lesen, wie "Phil Collins läuft hier nicht". Hat er inzwischen eine Chance in der Musikrotation?

Ich glaube, er hat nach wie vor keine Chance. Aber zu besonderen Anlässen läuft er auch mal. Ich habe ihn bei uns im Programm an einem der Sommersonntage zum Thema "Die 100 besten Liebeslieder" selber mit "Against All Odds" gehört. Unsere Moderatorin hat den wahrscheinlich verdutzten Hörern erklärt, dass es jetzt eventuell wieder 20 Jahre dauern wird, bis er wieder mal bei Radioeins laufen kann.

Radioeins benutzt noch immer den Claim "Nur für Erwachsene". Geht Radioeins mit seinen Hörern in Rente?

Ja, wir gehen mit ihnen in Rente und am Schluss sterben wir auch mit ihnen. Meiner Meinung nach funktionieren Radioprogramme mit ihren Hörern wie Kohorten – sie bewegen sich gemeinsam weiter. Ich glaube, Radioeins ist nach 20 Jahren im Durchschnittsalter um knapp zehn Jahre gealtert.

Und wie ist das mit den Kollegen, die seit 20 Jahren dabei sind? Laufen Sie bei Ihnen nicht in Gefahr, irgendwann als zu alt für die Hörer bezeichnet zu werden?

Nein. Alt wird man ja nicht nach Jahren, sondern im Kopf und das Radioeins-Team ist im Kopf frisch und jung geblieben. Unsere Hörer natürlich auch.

Der Ruf des Senders ist vor allem in den Regionen, wo man Radioeins nicht hören kann, famos. Können Sie sich erklären, warum es nirgends sonst in Deutschland ein solches Programm gibt?

Offensichtlich trauen sich andere Anbieter nicht, ein mutiges, kantiges, unangepasstes Radioprogramm auszustrahlen. Der rbb schon und dafür sind das gesamte Team und ich auch dankbar. Wir wissen, dass wir erhebliche Überreichweiten haben und uns auch Menschen in anderen Regionen, eigentlich auf der gesamten Welt gerne und intensiv über das Internet hören. Das macht uns glücklich und stolz. Wir wissen aber auch, dass Berlin und die Gesamtregion ein besonderer Ort ist mit besonderen Menschen und deshalb haben sie Radioeins auch verdient, denn jede Region bekommt das Programm, das sie verdient – darüber könnte Hamburg mal nachdenken.

Radioeins-Parkfest im Jahr 2016 (Quelle: rbb)
So sah es beim Radioeins-Parkfest im vergangenen Jahr aus Bild: rbb Presse & Information

Am Wochenende startet das Radioeins Parkfest. Wird es eine besondere Geburtstagssause geben am Sonntag?

Beim Parkfest freuen wir uns mit den Hörern auf viele Programm-Highlights: gleich am Samstag kommt Granade, die österreichischen Indie-Popper, der verlorene Radioeins-Sohn Kurt Krömer, der erste Film von Horst Evers „Der König von Berlin“ und vieles mehr. Unsere Geburtstagsparty feiern wir am 30. September mit Liam Gallagher, Judith Holofernes, Tom Schilling, Jake Isaac, The Boxer Rebellion, Konni Kass, einem weiteren geheimen Headliner und über 3.000 Hörern im Tempodrom.

Das Gespräch führte Anke Fink

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Cool! Auch ich gehöre noch der Alten Radio4U Generation an u.desshalb mag ich auch insbesonders diesen Sender.
    Am Tage stört mich aber i.letzter Zeit doch so einiges( 90er Musik u.viel Bla Bla)Ab 20 Uhr immer gerne.Trotz allem ein großartiger Sender mit vielen tollen Beiträgen u.super Ideen.

  2. 1.

    Ich bin auch echt froh daß es radioeins (und fluxFM) gibt. Das merkt man erst wenn man sie nicht mehr empfangen kann, welchen formatierten, weichgespülten Mist andere Regionen senden. Wer mit SFB2, Radio4U groß geworden ist, erträgt andere Sender garnicht mehr. Diese beiden Sender haben noch eine Seele bzw. ihre Seele nicht verkauft...

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