Cypress Hill live in Zitadelle Spandau (13.06.2016) (Quelle: dpa/POP-EYE/Christina Kratsch)
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Audio: Inforadio, 30.08.2017, Hendrik Schröder | Bild: POP-EYE/Christina Kratsch

Rapper-Urgesteine beim Citadel Music Festival - Fette Beats und fette Tüten – Cypress Hill in Berlin

Cypress Hill aus Kalifornien gehören zu den ganz Großen. Bis heute verkaufte die Band über 18 Millionen Tonträger und beeinflusste ganze Hip-Hop-Generationen. Die inzwischen um die 50-Jährigen lieferten in der Zitadelle Spandau ein frech kurzes Konzert. Von Hendrik Schröder

Kurz vor 21:00 Uhr geht es los: DJ Muggs kommt auf die Bühne in der Zitadelle Spandau, klettert hinter seinen schwarzen, altarähnlichen DJ Tisch, wirft Laptops und Turntables an, stülpt sich einen riesigen Kopfhörer über.

Perkussionist Eric Bobo kommt dazu, haut ein paar Mal auf seine Congas und ruft: "Berlin, are you motherfuckin' ready?" Und ja, Berlin ist "motherfuckin' ready".

Das Publikum ist wesentlich jünger als die Band, Baseballkappen wohin man schaut, Haschgeruch liegt in der Luft, ein Aufschrei geht durch die Menge als die ersten Beats starten. Ausverkauft ist es nicht, aber ein paar tausend wilde Fans hüpfen jetzt so heftig, dass der feine Kiesboden vor der Bühne nur so staubt.

Der Sound der 1990er begeistert auch die Jungen

Dann kommen die beiden Rapper auf die Bühne, B-Real mit schwarzer Sonnenbrille, die er das gesamte Konzert über auflassen wird. Sein Kompagnon Sen Dog mit Bodybuilder-Figur, feinem Bart und trotzig gereckten Kinn.

Routiniert, aber mit viel Lust rotzen die beiden ihre Reime raus. Es dauert drei Minuten, dann sind alle Gefühle erzeugt, die ein gutes Konzert ausmachen: Verbindung zwischen Band und Publikum, Freundschaft, Spannung, Party.

Klar ist der Sound von Cypress Hill nicht mehr brandaktuell, sondern klingt eben nach 1990er, aber den Musikern merkt man die 26 Jahre Karriere eher positiv als negativ an. Mit großer Freude lassen sie die Leute immer wieder 'Hey, ho' singen, teilen die Menge in zwei Hälften ein und lassen sie sich gegenseitig mit einem Stakkato an Fuck Begriffen beschimpfen. Um danach zu sagen: "Jetzt vertragt euch wieder, wir wollen doch alle dasselbe. Genau."

Tüte auf der Bühne

Cypress Hill sind bekennende Kiffer und setzen sich seit langem für die Legalisierung von Cannabis ein. Einen Haufen Songs haben sie über Hasch geschrieben, einige davon spielen sie jetzt als schräges, aber lustiges Medley. Rapper B-Real steckt sich dazu mitten auf der Bühne einen dicken Joint an, singt mit Tüte in der Hand weiter und wird dafür tosend beklatscht.

Selten sieht man so viele Menschen kollektiv Rauschmittel verherrlichen. Außer auf dem Oktoberfest vielleicht. Dann scratcht der DJ noch zwei anständige Soli, die klingen, wie New York in den 1980er ausgesehen haben muss und mit "Insane in the Brain" gibt es unerwartet mitten im Set den Überhit.

Aber dann am Ende die große Enttäuschung: Nach nur höchstens 80 Minuten ist Schluss. Das ist frech für eine Band, die acht Studioalben veröffentlicht hat und um die 50 Euro Eintritt nimmt. Das so ergebene Berliner Publikum hätte an diesem Abend mehr verdient.

Beitrag von Hendrik Schröder

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