Fans jubeln bei einem Konzert
Audio: 21.08.2017 | Inforadio | Jakob Bauer | Bild: colourbox

Das Berliner Musiklabel Staatsakt - "Einfach nur ein wilder Ritt durch die Prärie"

Zusammen mit Freunden hat Maurice Summen vor 14 Jahren das Label Staatsakt gegründet. Mittlerweile sind rund 50 Bands unter Vertrag, aber man versteht sich eher als Familie. Und künstlerische Integrität geht über Kommerz. Von Jakob Bauer

"Im Grunde genommen kann man am Montagmorgen gar nicht genau unterscheiden: Wo fängt die private Erzählung aus dem Wochenende und wo das Geschäftsgespräch an, oder wo hört es auf. Das sind immer sehr fließende Übergänge", sagt Maurice Summen, Geschäftsführer bei Staatsakt. Zusammen mit Freunden hat er das Label 2003 gegründet, um die Musik der eigenen Band Die Türen zu verkaufen.

Wir sind wie eine Familie

Heute sitzt er mit zwei Mitarbeitern in hübschen Altbau-Büros nahe der Schönhauser Allee, trinkt Kaffee und spricht mit "seinen" Künstlern über das vergangene Wochenende und die nächsten Schritte: Welche Single veröffentlicht ihr im Herbst? Wie können wir euch auf der anstehenden Tour unterstützen? Mit wem wollt ihr das nächste Album aufnehmen? Videos müssen gedreht, Studios gebucht, Konzerte organisiert werden. Das alles in einer sehr familiären Atmosphäre – gegenseitiges Vertrauen und fast so etwas wie Freundschaft ist allen wichtig.

Feines Gespür für das nächste coole Indie-Ding

"Oft kommen die Bands auch einfach so vorbei, erzählen vielleicht von etwas, dass ihnen auf dem Herzen liegt, von ihren Tour-Erlebnissen, von irgendwelchen Ideen die sie haben, was sie eben besprechen wollen." Rund 50, zumeist deutschsprachige Bands sind das mittlerweile. Summen hat sie ausgesucht, als langjähriger Musiker hat er die richtigen Kontakte – und ein feines Gespür für das nächste coole Indie-Ding.

Dabei sind etablierte Künstler wie Dieter Meier von Yello, Jacques Palminger oder Die Sterne. Aber eben auch junge Bands wie Die Heiterkeit, All Diese Gewalt oder Isolation Berlin. Manche starten durch – manche nicht. Fast schon zu gut lief es mit der Band Bonaparte. "Wir konnten das gar nicht mehr bedienen. Wir hätten uns dann in die Bonaparte-Agency umbenennen müssen oder so. Es war über zwei Jahre so ein Buzz auf dieser Band, nicht nur in Deutschland sondern international, dass wir längere Zeit nur mit dieser Band beschäftigt waren und dann hat man festgestellt: Ok, wir brauchen hier einfach Unterstützung."

Manche Bands stehen vor 20 Nasen

Gleichzeitig gibt es natürlich auch die traurigen Momente. Dann, wenn alle bei Staatsakt an eine Band glauben, Himmel und Hölle in Bewegung setzen, aber am Ende schaut es dann so aus: "Es interessiert einfach niemanden, es hört niemand, kauft niemand, es geht niemand zu den Konzerten. Die Band steht auf Tour im Kaff vor 20 Nasen und es ist einfach nur die komplette Tristesse. Da ist der finanzielle Verlust im Verhältnis zur Frustration bei so einer kleinen Band viel krasser." Trotzdem: Bei Staatsakt schlägt künstlerische Integrität weiterhin kommerziellen Erfolg. "Entspannt über Wasser halten war es nie. Es war schon immer ein wilder Ritt durch die Prärie."

Beitrag von Jakob Bauer, Inforadio

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