Nicola Lubitsch (Quelle: dpa/Eventpress Golejewski)
Audio: 28.08.2017 | Kulturradio | Anke Sterneborg | Bild: dpa/Eventpress Golejewski

Nicola Lubitsch im Porträt - "Schlechtes Benehmen war für ihn die ultimative Sünde"

Nicola Lubitsch ist als Botschafterin ihres Vaters unterwegs. Der große Regisseur Ernst Lubitsch wurde in der NS-Zeit ausgebürgert. Doch seine Tochter kam jetzt sogar mit einem deutschen Pass nach Berlin. Von Anke Sterneborg

Das Kind eines berühmten Filmregisseurs zu sein, kann Segen und Fluch sein. "Einen so außergewöhnlichen Vater zu haben, wenn man selbst eher durchschnittlich ist, kann eine Last bedeuten", sagt Nicola Lubitsch: "Aber ich empfinde es vor allem als Privileg und Ehre, seine Tochter zu sein."

Natürlich ist die zierliche Dame alles andere als gewöhnlich. Ihre feinen Züge sind von wallend graublonden Haaren umrahmt und weisen deutliche Ähnlichkeiten mit ihrem Vater auf. Dabei ist sie ein wenig scheuer und zurückhaltender als der extrovertierte Lubitsch, der sich auch ans Klavier setzte, wenn Größen wie Horowitz und Rubenstein im Haus waren. Mit jeder Faser ihrer Erscheinung verströmt sie die feinen Manieren und die natürliche Eleganz, die ihrem Vater so wichtig waren.

"Das war die beste Zeit für mich"

Als Nicola Lubitsch vier Jahre alt war, trennten sich die Eltern, die Schauspielerin Vivian Gaye und der Regisseur Ernst Lubitsch. Die meiste Zeit lebte sie in New York bei ihrer Mutter, verbrachte die Ferien aber bis zu ihrem achten Lebensjahr in Los Angeles bei ihrem Vater. "Das war die beste Zeit für mich. Er spielte auf dem Piano für mich, erzählte mir Geschichten. Wenn er aus dem Studio nach Hause kam, saßen wir zusammen auf dem Sofa und hörten Radiosendungen, vor allem Quizsendungen. Wir sind Schwimmen gegangen. Er kam täglich zum gemeinsamen Frühstück und ich habe ihn am Set besucht."

Nicola Lubitsch - Tochter von Ernst Lubitsch (Quelle: dpa/Imago)
Nicola Lubitsch, filmische Botschafterin ihres Vaters | Bild: dpa/Imago

"Der Lubitsch-Touch ist sein untrüglicher Geschmack"

Auch mit 80 Jahren wirkt sie ausgesprochen jugendlich. Das hat möglicherweise auch mit den wunderbaren Gesellschaftskomödien ihres Vaters zu tun, die sie zu Retrospektiven in alle Welt begleitet. Wirklich kennengelernt hat sie ihren Vater wohl erst über seine Filme. "Der Lubitsch-Touch hat wohl mit seiner besonderen Vorstellungskraft zu tun. Mit der Art, wie er seine Geschichten in Andeutungen erzählte und darauf baute, dass die Zuschauer sie mit ihrer Intelligenz und Fantasie vervollständigen – das komplette Gegenteil davon, wie heute Filme gemacht werden. Der Lubitsch-Touch ist auch sein untrüglicher Geschmack: Da gab es nicht den kleinsten Anflug von Vulgarität, schlechtes Benehmen war für ihn die ultimative Sünde".

Sie studierte mit Robert Redford

Die Prägung durch den Vater führte dazu, dass Nicola zunächst zum Kino strebte. Sie meldete sich zu Probeaufnahmen, besuchte eine Schauspielschule in derselben Klasse wie Robert Redford, spielte kleine Rollen auf dem Broadway und studierte an der Comédie-Française in Paris. Als diese Karriere nicht so richtig in Gang kam, begann sie bei einem Radiosender zu arbeiten. Sie organisierte Sponsorengelder, half beim Aufbau eines neuen Programms, arbeitete als Moderatorin und interviewte unter anderem den jungen Simon Rattle.

Eine dreistündige Sendung über das Ende des klassischen Radios wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. Ganz ähnlich wie ihr Vater, suchte auch sie dabei einen besonderen Ansatz. "Als Produzentin beim Hörfunk habe ich meine Themen immer auf sehr eigenwillige Weise präsentiert. Bin nicht von A nach B gegangen – das habe ich von meinem Vater gelernt. Statt den Leuten alles vorzukauen, ließ ich es sie lieber selbst herausfinden."

Nicola Lubitsch © Barbara Löblein
Bei der Preisverleihung im Babylon 2017 | Bild: Barbara Löblein

"Ein großes Privileg, diesen Paß zu haben"

Als Botschafterin ihres Vaters kommt sie seit 25 Jahren immer wieder nach Berlin. Hier fühlt sie sich wohl. Sie liebt das deftige deutsche Essen und erkennt in der vielfältigen Berliner Kultur den fruchtbaren Boden für das Werk ihres Vaters.

Seit Juni dieses Jahres hat Nicola Lubitsch neben dem amerikanischen einen deutschen Paß. Die deutsche Staatsbürgerschaft fühlt sich für sie selbstverständlich an und macht sie zugleich demütig. "Als ich meine Pass abholte, wurde mir klar, dass es für mich so leicht war, ihn zu bekommen, wegen der Schwierigkeiten und dem Grauen, das so viele Leute in der Zeit Hitlers erlebt haben. Für mich ist es ein großes Privileg und eine große Ehre, diesen Pass zu haben und Deutsche zu sein."

Beitrag von Anke Sterneborg, Kulturradio

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