Der verstorbene Regisseur Egon Günther (Quelle: Filmmuseum Potsdam)
Audio: 31.08.2017 | Kulturradio | Bernd Dreiocker | Bild: Filmmuseum Potsdam

Nach langer schwerer Krankheit - Regisseur und Autor Egon Günther gestorben

Ein kleiner Junge, der die Lügen der Erwachsenen aufdeckt - die SED ließ Egon Günthers Film "Wenn Du groß bist, lieber Adam" einst verbieten. Günther verließ später die DDR, arbeitete und schrieb bis in die 90er Jahre. Nun ist er im Alter von 90 Jahren gestorben.  

Der Autor- und Filmregisseur Egon Günther ist am Donnerstagmorgen im Alter von 90 Jahren in Potsdam verstorben. Bekannt wurde er durch Verfilmungen wie "Lotte in Weimar" (1975), "Der Dritte"(1971) und später auch für "Die Braut" (1999).

Eines seiner Regie-Werke bei der DEFA, “Wenn du groß bist, lieber Adam“, gehörte zu den Filmen, die 1965 produziert wurden, aber dann nach dem 11. Plenum des ZK der SED im gleichen Jahr verboten wurden. Der Film erzählt die Geschichte des kleinen Adam, der auf wundersame Weise eine Lampe bekommt, mit der er die Lügen seiner Mitmenschen entlarven kann. Seine Umwelt ist beunruhigt und gerät aus dem Gleichgewicht.

Erst nach der Wende wieder gewürdigt

Die relative Liberalisierungsphase der Jahre vor 1965 hatte sich damals in vielen Filmstoffen gespiegelt. Mit dem Treffen der Parteispitze im Dezember allerdings wurde damals eine Kahlschlagsphase eingeleitet, in deren Folge viele aktuell produzierte Filme verboten wurden. Dazu gehörten neben Günthers Werk die Filme "Berlin um die Ecke" von Regisseur Gerhard Klein, "Hände hoch oder ich schieße" (Hans-Joachim Kasprzik) und "Spur der Steine" von Frank Beyer. Wenige Monate nach der Wende im Herbst 1989 wurden diese Filme dann aus den Archiven geholt, rekonstruiert und neu aufgeführt.

Günther hatte auch während seiner Regiearbeiten bereits als Autor gearbeitet und widmete sich ab der Mitte der 60er Jahre stärker seiner Arbeit als Schriftsteller. Zu seinen wichtigsten Romanen gehören "Die Reitschule" und "Der Pirat".

Filmstill: "Wenn du groß bist, lieber Adam" von Egon Günther (DEFA Film) (Quelle: Filmmuseum Potsdam / DEFA-Stiftung)

Auf dem Boulevard der Stars verewigt

1978 verließ Günther die DDR und arbeitet in der Bundesrepublik für westdeutsche Film- und Fernsehproduktionen.

Am Potsdamer Platz würdigt ein Stern auf dem "Boulevard der Stars" seine Arbeit für das deutsche Filmwesen. Aber auch in seiner Heimat Sachsen wurde nach der Wende das Schaffen Egon Günthers immer wieder gepriesen und seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen geehrt. Zuletzt erhielt Günther die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Schneeberg in Sachsen.

Am Donnerstagmorgen erlag Günther den Folgen einer nach langen, schweren Krankheit.

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