Prospekte für das 17. internationale Literaturfestival Berlin. (Quelle: dpa/Sophia Kembowsi)
Audio: Inforadio | 06.09.2017 | Nadine Kreuzahler | Bild: dpa/Sophia Kembowski

Internationales Literaturfestival Berlin - Literaturfestival hat erstmals Demokratie-Kongress im Programm

Literaturfestival-Chef Schreiber glaubt, man könne die Wirklichkeit nicht nur über Nachrichten, sondern mit Literatur erfassen. Neu im prallen Programm ist in diesem Jahr ein Kongress. Auf die Idee dazu kam Schreiber durch Donald Trump. Von Nadine Kreuzahler

Das Internationale Literaturfestival sei wie eine Universität, sagt Gründer und Leiter Ulrich Schreiber. Eine Universität, um fremde Lebenswelten zu studieren. "Ich glaube, man kann nicht nur aus Geschichtsbüchern oder aus den politischen Nachrichten, wie sie über die Tagesschau kommen, erfassen, was in der Wirklichkeit geschieht. Ich glaube an die Kraft der Literatur diesbezüglich."

"Die Jungs prahlen gerne damit, dass sie jemanden umgebracht haben"

Wirklichkeiten aus Indien und Pakistan, aus Indonesien, Mexiko, Mazedonien. Oder Afrika, einem bei uns literarisch immer noch vernachlässigten Kontinent.

Petina Gappah aus Simbabwe, 46, promovierte Anwältin, schreibt vor allem über die Situation von Frauen. Auf dem Festival stellt ihren neuesten Kurzgeschichtenband vor, über Verbrechen in verschiedensten Milieus. Zu entdecken gibt es auch Elnathan John, 35, aus Nigeria. In seinem Debütroman "An einem Dienstag geboren" erzählt er von Terror und Islamismus in seinem Heimatland.

"Die Jungs prahlen gerne damit, dass sie jemanden umgebracht haben. Robert Danisa ist immer der lauteste. Nur zu gerne erinnert er an den Tag, an dem er einen Mann erwürgt hat. Ich war dabei, ich habe gesehen, was passiert ist – unterbreche ihn aber nicht. Robert Danisa und ich wollten Süßkartoffeln stehlen und wurden dabei vom Farmer erwischt. Als der unter lauten Morddrohungen hinter uns herjagte, stürzte er im Busch in eine Antilopenfalle. Wir standen einfach bloß da und sahen zu, wie er kämpfte und kämpfte, dann aufgab."

Schriftsteller diskutieren mit dem Publikum

Das Programm ist geballt: Literaturen der Welt, Kinder- und Jugendbuch-Sektion, Graphic Novel Day, eine Reihe zur Meeresforschung, eine andere mit geflüchteten Autoren und zum ersten Mal auch ein Kongress für Demokratie und Freiheit. Letzterer ist ein Herzensprojekt von Festivalgründer Ulrich Schreiber.  "Ich kam auf die Idee, nachdem Trump seine Präsidentschaft antrat und die Richter rund machte, die nicht gleich spurten, weil sie der Migrationsgesetzgebung nicht folgen konnten", sagt er. Die politische Entwicklung des Populismus gebe es nicht nur in den USA, auch mit dem Brexit in Europa, auch die Entwicklung Russlands und Chinas "und nicht zuletzt der Türkei" nennt Schreiber in diesem Zusammenhang.

120 Intellektuelle, Schriftsteller, Politiker und Journalisten, darunter Edward Snowdon, Can Dündar und Laurie Penny, diskutieren über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, immer auch mit dem Publikum. Zu entdecken gibt es viel - hätte man doch nur mehr Zeit.

Beitrag von Nadine Kreuzahler

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