Ein Saal im Kino Delphi Lux (Quelle: rbb-Abendschau)
Video: Abendschau | 06.09.2017 | Viktoria Kleber | Bild: rbb-Abendschau

Berliner Kino "Delphi Lux" öffnet - Ein bisschen Pink für die Bahnhofspassage

Die Passage an der Bahntrasse zwischen Hardenberg- und Kantstraße war bisher wenig einladend. Das soll sich ab Mittwoch ändern, mit dem neuen Kino "Delphi Lux" der Yorck-Gruppe. Geschäftsführer Christian Bräuer sagt, warum.

 

rbb: Herr Bräuer, wie kamen Sie denn überhaupt auf diesen Ort – es fällt einem ja nicht sofort ein, hier ein Kino einzurichten.

Christian Bräuer: Gesucht haben wir schon, seitdem wir das Broadway in der City West schließen mussten. Jeder, der die Mietentwicklung in der Stadt kennt, weiß, dass man sich mit den Margen, die man im Kino hat, nicht so leicht ein Gebäude leisten kann.

Und dann ist einem Mitarbeiter von uns unser neues Domizil im Vorbeigehen aufgefallen, und er hat gedacht: 'Hey, die Lage ist perfekt, es ist ebenerdig - das heißt barrierefrei für alle Menschen zugänglich - da könnten wir doch eigentlich wieder Kino machen.' Dann sind wir mit dem Eigentümer ins Gespräch gekommen, und bis wir uns auf einem Mietvertrag verständigt haben, hat sich das ungefähr zwei Jahre hingezogen.

Diese kleine hohle Gasse ist aber auch eine schwierige Gegend: Es sind sehr viele Obdachlose hier, es ist also nicht gerade die typische Flaniermeile. Gab es die Überlegung, dass es schwierig werden könnte?

Prinzipiell finden wir die Lage erstmal spannend und herausfordernd, weil wir schon lange mit der City West verbunden sind und auch sehen, wie sie lebt und gedeiht. Und Bahnhof bedeutet ja auch Verkehrsanbindung. Gleichwohl sind Bahnhofsgegenden überall auch herausfordernd, das kennen wir von unseren anderen Kinos. Wir denken und hoffen aber, dass wir eine Änderung herbeiführen, indem wir hier Publikum und Leben herbringen. So wie ja die ganze Änderung ringsherum schon absehbar ist. Als Unternehmen fühlten wir uns auch immer den sozialen Belangen verpflichtet. Das heißt, wir sind mit allen Anwohnern und Anrainern im Gespräch, und zu denen zählt die Bahnhofsmission. Auch dafür muss es in einer wachsenden Stadt Lösungen und Entwicklungen geben, die wir dann aber natürlich nicht alleine stemmen können.

Die Anbindung ans Lux mit U-Bahn, S-Bahn und Bus ist natürlich optimal – besser geht es ja gar nicht.

Das ist wunderbar, das braucht man. Zusätzlich haben wir ein Parkhaus oben drüber, und Fahrradständer wird es auch geben. Das bedeutet, dass alle Zuwege sehr gut und einfach sind. Viele Leute kommen hier jeden Tag vorbei. Generell ist ja sowohl die unmittelbare Gegend im Wachsen, wie auch die weitere Gegend. Das Einzugsgebiet Wedding und Moabit ist beispielsweise auch ein Kiez im Wandel, der viele junge Leute anzieht. Die sind mit einem Katzensprung hier.

Sie wollten aber ein bisschen mehr als nur einfach ein paar neue Kinosäle. Das sieht man dem Ganzen auch an.

Kinokultur lebt und gedeiht, und in diesem Sinne ist das ein Statement für eine lebendige und vielfältige Kinokultur. In dem Umfeld haben wir sehr viele traditionelle Filmtheater, zum Beispiel den Delphi-Filmpalast. Für uns war klar, dass wir hier einen modernen, urbanen Ansatz brauchen, in dem sich die Menschen aber wohl fühlen. Irgendwelche unterkühlten Sachen wollen wir nicht, das soll Spaß machen – man verbringt hier dann viel Zeit, wenn man sich einen Film ansieht.

Georg Kloster und Christian Bräuer von der Yorck Kinogruppe im Delphi Lux (Quelle: Yorck Kinogruppe)
Georg Kloster und Christian Bräuer von der Yorck-Gruppe | Bild: Yorck Kinogruppe/Adrian Schulz

Für manche Besucher ist das sicherlich eine Herausforderung. In dem Saal, in dem wir jetzt gerade das Gespräch führen, ist es zum Beispiel sehr pink. Die Farbgebung ist in allen Sälen schon sehr besonders.

Ja, wir haben sieben vielfältige Säle. Die Innenarchitekten hatten die Idee einer Markthalle. Sie haben gesagt: Ihr steht für vielfältige Produkte, das sollte sich im Ort Kino wiederspiegeln. Und so hat jeder Saal seine eigene Farbgebung und ist auch in den Materialien unterschiedlich. Das geht bis hinaus zur Hülle, dass die Säle nicht nur unterschiedlich angestrichen sind, sondern dass auch unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen – zum Beispiel Holz und Kupfer.

Und eine alte Ku'damm-Kino-Legende lebt sogar in einem Saal auch weiter?

Genau, das ist der Gloria-Filmpalast. Es ist uns gelungen, die Lampen aus dem Gloria zu retten und wieder aufzubessern. Die kommen in unserer Lux-Box auch zum Ausdruck und damit ist es auch eine Reminiszenz an die große Berliner Kinozeit und an den Ku'damm als Kinomeile. Ich denke, der Ku'damm und die City West sind auf dem Weg, auch wieder für tolle und herausragende Kinos zu stehen.

Vor ein paar Jahrzehnten waren die kleinen Kinosäle als Schuhschachteln verschmäht, inzwischen ist es die einzige Möglichkeit, mit einem Arthaus-Programm zu überleben.

Gerade wir Filmkunst-Kinos nutzen ja die Chancen der Digitalisierung. Es ist viel leichter als früher, vielfältige Programme zusammenzustellen. Das heißt aber auch, durch vielfältige Programme ganz unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Das können oder müssen nicht immer die großen Gruppen sein. Da sind dann 50 oder 100 Besucher in einer Vorstellung, und genau darauf gilt es ja für uns auch, Programm zu machen. Was sich im Vergleich zu früher aber verändert hat, ist die Qualität in den Sälen. Da gibt es in Berlin tolle Beispiele, und das ist auch ein Statement: Man hat den Komfort, die Technik und die Qualität wie in großen Sälen, und das Ganze ist optisch sehr opulent. Auf diese Weise kann man Filme genießen, wie es nur im Kino geht.

Vor ein paar Tagen kam die Meldung, dass sich US-amerikanische Produzenten und Verleiher überlegen, ob sie nicht parallel zum Kinostart den Film gleich zum Download freigeben. Die Idee ist, dass man sich die Gewinne mit den Kino-Ketten teilt. Macht es Ihnen Angst, wenn Sie so etwas lesen?

Prinzipiell gibt es da ja viele Überlegungen. Für das Kino gilt wie für alle anderen Auswertungen auch: Wir brauchen Qualität – das heißt tolle Filme, die die Menschen sehen wollen, die eine Geschichte zu erzählen haben, und die die Menschen sehen wollen. Generell glaube ich, dass Kino der Ort ist, der einem Film erst die gesellschaftliche Relevanz gibt. Das geht nicht gegen Video - wer Filme liebt, wird sie vermutlich im Kino und zu Hause sehen. Es geht aber auch um den Ort, um die Zusammenkunft. Europäische Autorenfilme haben nicht die Marketingbudgets und die Reichweite für Starts, bei denen das Publikum bereit ist, 50 Euro zu bezahlen, weil es den Film in der Startwoche zu Hause sieht. Ich glaube, die Berliner kommen mit ihrer großstädtischen und gleichzeitig unaufgeregten Art gerne raus und zusammen.

Wir haben mit sieben Leinwänden eine große Flexibilität, um Programmformate auszutesten, mit anderen Berliner Kulturanbietern zu kooperieren oder neue filmische Inhalte und Reihen zu testen. Wir können Filme verstärkt in Originalfassungen zeigen, was in der City West ja leider zu kurz kommt, und wir können die Filme, die Relevanz haben, über Wochen und Monate einsetzen. Das ist immer wieder das Problem mit großen Häusern oder Einzelhäusern, dass man Filme manchmal nicht mehr zusätzlich einsetzen kann, weil der Programmplatz belegt ist. All das wollen wir hier bieten und auch zeigen, was Berlin an kulturellem Reichtum hat.

Das Gespräch führte ReinerVeit, rbb-Inforadio

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