Der Maler Gerhard Richter (l) steht am 04.09.2017 im Reichstag in Berlin neben Bundestagspräsident Norbert Lammert vor seinem Bilderzyklus "Birkenau". (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Video: Abendschau | 04.09.2017 | Petra Gute | Bild: dpa/Soeren Stache

Zyklus "Birkenau" im Reichstagsgebäude - Gerhard Richter übergibt Bilder zu Holocaust

Der sonst so scheue Gerhard Richter hat sich am Montag in Berlin der Öffentlichkeit gestellt. Im Reichstagsgebäude stand der Künstler im Mittelpunkt, denn er übergab seinen Bilderzyklus "Birkenau" - abstrakte Bilder über den Holocaust - dem Bundestag. 

Am Sitz des Bundestages in Berlin erinnert künftig der Bilderzyklus "Birkenau" von Gerhard Richter an den Holocaust. Der 85-jährige Künstler übergab am Montag im Reichstagsgebäude die Bilder an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). "Das ist eine große Ehre. Es ist großartig, dass es so ist", sagte Richter, der sich sonst nur selten in der Öffentlichkeit zeigt.

Der im Jahr 2014 geschaffene vierteilige Zyklus entstand nach Fotos, die Häftlingen heimlich im NS-Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau gemacht hatten. 2008 entdeckte Gerhard Richter die Fotos in der Zeitung - seitdem beschäftigten sie ihn. Weil Richter eine bildhafte Darstellung des Themas nicht für angemessen hielt, übermalte er die zunächst realen Bilder in mehreren Arbeitsgängen immer wieder abstrakt. Anschließend wurden von den monumentalen Gemälden gleich große Fotografien angefertigt. Sie hängen jetzt in der Eingangshalle des Reichstags direkt gegenüber Richters früherer Farbkomposition "Schwarz Rot Gold".

"Erinnerungen, vor denen wir uns nicht wegducken dürfen"

Lammert sagte, er könne sich keinen besseren Ort für das Werk vorstellen. "Jeder, der jetzt an diesen Platz der deutschen Demokratie will, muss hier hindurch - zwischen Birkenau und Nationalflagge", sagte der Parlamentspräsident. "Das sind Erinnerungen, vor denen wir uns nicht wegducken dürfen, sondern die wir ganz bewusst im Bewusstsein behalten müssen."

Richter war schon im Jahre 1997 vom Kunstbeirat eingeladen worden, für das neu zu eröffnende Reichstagsgebäude in der Westeingangshalle ein Werk zu gestalten. Bereits damals hatte der Künstler erwogen, realistische Bildmotive aus Auschwitz zu verwenden, die Idee aber wieder verworfen. "Das wäre zu brutal gewesen", sagte Richter dem rbb, wenn in dem neu erbauten Bundestag die Menschen "mit so einer Keule" begrüßt worden wären. "Deswegen die Flagge, das war das schönere Zeichen."

Nationalsozialismus ist Teil von Richters Familiengeschichte

Immer wieder hat sich Gerhard Richter mit dem Nationalsozialismus befasst - auch als Teil seiner Familiengeschichte: Richter malte "Onkel Rudi" in Wehrmachtsuniform, malte seine den "Euthansie"-Verbrechen der Nazis zum Opfer gefallene Tante Marianne. Und 2014 dann die "Birkenau"-Serie - zum Gedenken an die Opfer des Vernichtungslagers. 

Der 1932 in Dresden geborene Richter gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler. Seine Werke gehören auf dem weltweiten Kunstmarkt zu den teuersten eines lebenden Künstlers. Zu Richters großen Ausstellung vor fünf Jahren in der Neuen Nationalgalerie in Berlin waren fast 400.000 Besucher gekommen.

Mit Informationen von Barbara Wiegand

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich empfinde das so, dass die Fotografien der Richterschen Gemälde ein sehr sinngebendes und empfindsames Zeichen sind. Anders, als es Fotografien direkt aus Auschwitz-Birkenau gewesen wären. Die künstlerische Verfremdung macht den Zugang leichter.

    Das Grundthema dahinter ist allerdings bislang immer noch nicht thematisiert: Gegenüber der Flagge, die Identität vermitteln soll und über deren Entstehung die wenigsten Menschen hierzulande wissen, könnte dies der bürokratische Regelvollzug sein, genauer noch, dass über die politischen Systeme hinweg der eiskalte bürokratische Vollzug, jenseits aller spezifischen "Gemengelage" immer noch etwas typisch Deutsches ist.

    Andere lassen Fünfe grade sein, hier wird noch in den absurdesten Situationen darauf bestanden, dass 5 = exakt 5, mithin eine ungerade Zahl ist. Für rechtmäßig wurde seinerzeit erklärt, dass Millionen Menschen systematisch in KZs vergast wurden, für unrechtmäßig, ihnen danach die Goldzähne rauszubrechen.

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