Festivalbesucher tanzen am 09.09.2017 in Hoppegarten (Brandenburg) beim Lollapalooza Festival auf dem Gelände der Rennbahn Hoppegarten (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Nach Chaos in Hoppegarten - Lollapalooza soll 2018 im Olympiapark steigen

Ob Tempelhofer Feld, Treptower Park oder nun Hoppegarten - immer lief irgendwas schief beim Lollapalooza. Zuletzt gab es ein riesiges Verkehrschaos. Damit sich das nicht wiederholt, wollen die Festival-Veranstalter im nächsten Jahr schon wieder umziehen.

Gute Bands, noch bessere Stimmung und das trotz bescheidenen Wetters - was die Musik anging, zeigte sich der Großteil der Lollapalooza-Besucher zufrieden. Die Organisation aber hätte - vorsichtig ausgedrückt - besser laufen können. Als Reaktion auf die vielen Probleme erklärten die Veranstalter am Montag, erneut mit dem Festival umziehen zu wollen. Am 8. und 9. September 2018 soll im Berliner Olympiapark gefeiert werden. Dieser sei ein "gelernter Ort und besser geeignet", sagte der Festivalsprecher Tommy Nick.

Ein ungelernter Ort war demnach das Gelände an der Galopprennbahn Hoppegarten, als Grund für ihren Abschied gaben die Veranstalter die dortige Infrastruktur sowie Probleme bei der An- und Abreise an. Auch "behördliche Auflagen" hätten zu der Entscheidung geführt.

Der Berlin Cricket Club trainiert gemeinsam mit Flüchtlingen auf dem Maifeld. (Quelle: imago/Olaf Selchow)
Das nächste Lollapalooza-Festival soll auf dem Maifeld am Berliner Olympiastadion stattfinden. | Bild: imago/Olaf Selchow

Gedränge und lange Wartezeiten

Rund 3.000 Festivalbesucher mussten in der Nacht zu Sonntag stundenlang am S-Bahnhof Hoppegarten auf Züge und Shuttlebusse warten, etwa 40 von ihnen erlitten laut der Bundespolizei einen Kreislaufzusammenbruch. Der Veranstalter entschuldigte sich in seinem Fazit am Montagmittag für die langen Wartezeiten und räumte "Fehler in der Umsetzung des Verkehrskonzeptes" ein. "Wir müssen uns den Schuh anziehen, dass einem Großteil der Besucher die Ausgangssituation nicht klar war", schrieb der Geschäftsführer. Viele Menschen hätten trotz Hinweisschildern nicht den richtigen Ausgang für das jeweilige Verkehrsmittel genutzt.

Am Sonntagnachmittag hatte der Festivalsprecher im Interview bei radioeins noch gesagt, die Organisatoren "hätten nicht besser vorbereitet sein können". Die S-Bahn-Verantwortlichen bezweifelten diese Darstellung am Montag. "Wir haben das, was wir dem Veranstalter zugesagt haben, auch erbracht", sagte der Unternehmenssprecher Ingo Priegnitz rbb|24.

Die Züge seien verlängert worden, statt alle 20 Minuten habe man alle zehn Minuten abfahren lassen, so Priegnitz. Weil es nur ein Gleis gibt, sei mehr nicht drin gewesen - das habe man den Veranstaltern auch alles frühzeitig erklärt. "Rein rechnerisch ist ja klar, dass an die 85.000 Leute nicht mit der S-Bahn wegkommen. Es war klar, dass ein leistungsfähiges Buskonzept zur Entlastung notwendig ist. Das hat es nicht gegeben", sagte Priegnitz.

Es war klar, dass ein leistungsfähiges Buskonzept zur Entlastung notwendig ist. Das hat es nicht gegeben."

Ingo Priegnitz, Sprecher der Berliner S-Bahn

Auflagen nicht eingehalten

Der Standort Hoppegarten ist für ein so großes Festival offensichtlich nicht geeignet, da stimmen Nachbarn, Veranstalter und die S-Bahn in ihren Statements überein. Vor dem Lollapalooza hatte es bereits Streit mit den Anwohnern und der Gemeinde Hoppegarten über den Lärmschutz gegeben. Wenige Stunden vor Beginn entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, dass die Musik am Samstag um 23 Uhr und am Sonntag um 22 Uhr enden müsse. Außerdem muss der Veranstalter voraussichtlich Hotelkosten von besonders lärmbetroffenen Nachbarn tragen.

Die Auflagen zum Musikende wurden an beiden Tagen allerdings nicht eingehalten. Laut des S-Bahn-Sprechers hatte das auch Folgen für die Abreise der Besucher. "Wenn die Zeiten eingehalten worden wären, wäre die Mehrzahl der Fahrgäste im 10-Minuten-Takt weggefahren", sagte der Ingo Priegnitz am Montag. So aber kamen viele zu spät und mussten entsprechend länger am Bahnsteig warten.

Bürgerinitiative kündigt Klage an

Die Bürgerinitiative "Für den Erhalt der Rennbahn im Grünen" kündigte am Montag rechtliche Schritte gegen die Veranstalter an, weil sie sich nicht an die verabredeten Ruhezeiten gehalten hatten. Das sei nur einer von "wiederholten Wortbrüchen" gewesen, sagte der Sprecher des Bündnisses, Sven Francke.

Unter anderem hätten die Organisatoren nicht wie versprochen zusätzliche Funkmasten einschalten lassen, um Notrufe aus verschiedenen Mobilfunknetzen zu ermöglichen. Auch hätten sie zu wenige Toiletten aufgestellt, so dass Anwohner "massive Schwierigkeiten mit pinkelnden Festivalbesucher in ihren Gärten" gehabt hätten.

Olympiapark wäre der vierte Standort

Ähnliche Kritik äußerte die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. "Die Veranstalter und der Landkreis hätten rechtzeitig Vorsorge für eine sichere Heimreise der vielen tausend Besucherinnen und Besucher treffen und entsprechende Verträge mit den Verkehrsunternehmen schließen müssen", sagte der Senatssprecher Matthias Tang am Montag. Man werde das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen.

Falls es mit dem Umzug nach Charlottenburg klappt: Auf dem Gelände am Olympiastadion immerhin sind Verkehrsprobleme wie in Hoppegarten unwahrscheinlich, bei Hertha-Heimspielen beispielsweise stehen zehn Gleise zur Verfügung. Auch Probleme mit dem Lärmschutz erwarte man dort nicht, sagte Tommy Nick.

Ob sich das Festival wirklich im Westen etabliert, bleibt allerdings fraglich. Hoppegarten war bereits der dritte Austragungsort in drei Jahren: 2015 feierte das Festival auf dem Tempelhofer Feld in Berlin seine Europapremiere. Wegen der dort errichteten Flüchtlingsunterkünfte musste das Lollapalooza allerdings im vergangenen Jahr in den Treptower Park umziehen. Hier gab es jedoch vorab Proteste von Anwohnern.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.09.2017, 14 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Was ist euer Problem.
    Wartezeiten nach Grossveranstaltungen sind ganz normal.
    Die Anwohner in Hoppegarten brauchen sich auch nicht zu beschweren. Ausgleich bekommen sie alle mal. Und die Genehmigung kam von der Gemeinde. Also wenn Beschwerden: Dann an die Gemeindeverwaltung Hoppegarten richten!
    Seit doch mal alle froh das überhaupt noch etwas stattfindet.

  2. 4.

    Herrlich wie man gute Chancen einfach in den Hintern tritt und einfach so ziehen lässt, Glückwunsch Brandenburg...

  3. 3.

    Macht doch diesen Mist irgendwo janz weit weg wo sich keiner gestört fühlt, so wie alle anderen Großfestivals weltweit.

  4. 2.

    Am Olympiastadion gibt es ja wenigstens genug S-Bahn-Gleise. Allerdings nutzen die natürlich nur dann etwas, wenn sich der Veranstalter nicht um die Bestellung (und Bezahlung) der notwendigen zusätzlichen Züge herumdrückt. Und eine Genehmigungsbehörde, die die Kommerzveranstaltung offenkundig auf Biegen und Brechen in ihrem Kaff durchgeführt sehen will, ihm das durchgehen lässt.

  5. 1.

    Berlin kann eben kein Groß-(...)<--- dort bitte Attribut der Wahl einfügen!

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